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Rostock Unrühmlicher Spitzenplatz: Kinderarmut auch in Rostock ein Problem
Mecklenburg Rostock Unrühmlicher Spitzenplatz: Kinderarmut auch in Rostock ein Problem
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23:20 17.04.2019
Jacqueline Bernhardt (v.l.), Chris Müller-von Wrycz Rekowski, Christian Thönelt, Christiane David, Henrike Stöckmann und Steffen Bockhahn besprechen beim Netzwerktreffen das Thema Kinderarmut. Quelle: L. Kenzler
Rostock

 Es sind traurige Zahlen, die Finanzsenator Chris Müller-von Wrycz Rekowski beim diesjährigen Treffen des „Netzwerkes gegen Kinderarmut“ in Rostock verkündet: Etwa 7000 Kinder in der Hansestadt sind von Armut bedroht. „In Rostock leben fast 25 Prozent der unter 18-Jährigen in Bedarfsgemeinschaften“, berichtet der OB-Kandidat zudem. Beim Netzwerktreffen am 16. April kamen Vertreter aus verschiedenen Bereichen zusammen, um sich zum Thema Kinderarmut auszutauschen. Auch Sozialsenator Steffen Bockhahn spricht bei einem Treffen, an dem sich niemand mehr die Frage stellt, ob es Kinderarmut in Rostock überhaupt gibt, sondern wie sie zu bekämpfen ist. „Wir müssen das Thema weiterhin stärker in die Öffentlichkeit rücken“, eröffnet Netzwerk-Sprecherin Jacqueline Bernhardt die Veranstaltung.

Wege aus der Armut

Seit vier Jahren gibt es in Mecklenburg-Vorpommern das Netzwerk gegen Kinderarmut. Es agiert überparteilich und wird durch verschiedene Netzwerkpartner wie den Landessportbund, das Deutsche Kinderhilfswerk, den Deutschen Kinderschutzbund oder den Landesjugendring Mecklenburg- Vorpommern unterstützt. „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die Kinderarmut in Mecklenburg-Vorpommern aufzuzeigen und für Kinder und Jugendliche aus finanziell schwachen Familien Wege aus der Armut darzustellen“, sagt Jacqueline Bernhardt zu den Zielen der Initiative. Auf Konferenzen, Aktionstagen, Festen und Netzwerktreffen sensibilisiert das Netzwerk seit 2015 Akteure und Betroffene, macht das Thema relevant und bietet Projekte und Hilfen an.

Auch Initiator Dietmar Bartsch, Fraktionsvorsitzender der Linken im Bundestag, legt sein Augenmerk auf die Verankerung des Themas im gesellschaftlichen Bewusstsein. Die Faktenlage beschreibt der Politiker aus „ausreichend“, die empirische Grundlage als „gelegt“, das Thema als „mehrheitsfähig“. Nun komme es auf die Auswirkungen an und das Tun, damit etwas verändert werden könne.

Ein unrühmlicher Spitzenplatz

Die Kinderarmut in Rostock unterscheide sich zwar im Wesen nicht von Kinderarmut in anderen Teilen Deutschlands, ist aber in der Hansestadt „quantitativ deutlich ausgeprägter“, weiß Müller-von Wrycz Rekowski. 7000 Kinder seien hier von Armut bedroht. „Der Segregationsindex in Rostock ist der höchste in ganz Deutschland. 50 Prozent der betroffenen Kinder müssten umziehen, um eine Gleichverteilung zu erreichen“, erklärt der Senator und ergänzt: „Dieser unrühmliche Spitzenplatz tut weh, ist aber auch Ansporn und Auftrag, das Thema in die Mangel zu nehmen.“ Dabei gehe es um die Zukunft der Stadt und um eine Perspektive für junge Rostocker. „Wir brauchen die jungen Menschen, die Azubis und Studenten, um den Wohlstand in unserer Stadt zu sichern und Zukunft zu gestalten.“ Besonders geballt sei Kinderarmut im Rostocker Nordosten sowie Nordwesten. Das seien aber keinesfalls „verwahrloste Stadtteile“ und auch kein Thema für den Städtebau, sondern der unterschiedlichen Bevölkerungsstruktur geschuldet.

„Armut ist nicht immer sichtbar“

Dass Steffen Bockhahn dem Finanzsenator „vollumfänglich zustimmt“, ist wenige Wochen vor der OB-Wahl zwar reichlich untypisch, „die Zahlen sprechen jedoch für sich.“ Bockhahn lenkt den Fokus auf die Bundesebene und Leistungsgesetze, die teilweise „erschreckend“ seien. Die Unübersichtlichkeit der Leistungen führe dazu, dass Menschen, die einen Anspruch hätten, auf die Leistungen verzichten. „Problem: darunter leiden Kinder“, weiß Bockhahn. Der Sozialsenator plädiert für frühe Hilfen und Prävention, um später weniger Hilfebedarf zu verzeichnen. „Hilfe anzunehmen ist ein großer Schritt und eine enorme Leistung. Etwa ein Viertel der Kinder sind in Rostock von Armut bedroht. Man sieht ihnen die Armut aber nicht immer an“, sagt Bockhahn. Ehrenamtler, Schulsozialarbeiter, Familienhilfen und die Arbeit in den Stadtteilen seien der richtige und wichtige Weg, den Menschen zu begegnen, sie zu beraten und ihnen schließlich zu helfen.

Hier finden Betroffene Hilfe

Viele Initiativen engagieren sich gegen Kinderarmut in ganz Deutschland. Bekannte Vereine sind etwa die Malteser, das Deutsche Kinderhilfswerk, die Arche oder das SOS Kinderdorf. In jeder Stadt gibt es solche Organisationen, die den Eltern beispielsweise bei Behördengängen helfen und den Kindern Abwechslung in der Freizeit bieten – beim Kochen, Sport oder mit Musik. Das Rostocker „Netzwerk gegen Kinderarmut“ gibt es seit 2015. Es rückt das Thema stärker in das Bewusstsein der Gesellschaft und Politik und zeigt Wege für Betroffene auf. Weitere Infos: www.netzwerk-gegen-kinderarmut.de

Wenn Sie helfen möchten, können Sie sich ehrenamtlich engagieren oder die Arbeit der Vereine mit einer Spende unterstützen.

Lea-Marie Kenzler

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