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Rostock Unverständnis der Warnemünder wächst
Mecklenburg Rostock Unverständnis der Warnemünder wächst
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00:00 04.08.2017
Service-Wüste Strand: Weil noch immer ein Bebauungsplan fehlt, bleiben Dienstleistern Investitionen verwehrt. Quelle: Fotos: Archiv
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Warnemünde

„Der Ortsbeirat ist enttäuscht von der Art, wie mit ihm umgegangen wird“ – so bringt Alexander Prechtel, Vorsitzender des Gremiums, die Stimmung seiner Mitstreiter auf den Punkt. Wer regelmäßig die Zusammenkünfte des Ortsbeirates besucht, der wird diese Einschätzung auf jeden Fall teilen.

Bürgerwille werde oft übergangen, kritisiert der Ortsbeirat Stadtverwaltung und Ämter.

Immer wieder stehen auf der Tagesordnung die Themen Bebauung Mittelmole, Parkraumkonzept für das Seebad und der Bebauungsplan für den Warnemünder Strand. Immer wieder stellt Prechtel dann fest, dass zu den Themen niemand aus der Rostocker Stadtverwaltung erschienen ist und dass „das Parkraumkonzept weiter in irgendeiner Schublade liegt.“

Parkraumkonzet liegt weiter auf Eis

„Im Dezember sollte das Parkraumkonzept im Ortsbeirat vorgelegt werden, dann hat es sich jeden Monat weiter verschoben“, sagt der Ortsbeiratsvorsitzende. Mit dem Hinweis darauf, dass „es noch Abstimmungsbedarf gibt.“ Wenn das aus Rostock zu hören ist, wird der Warnemünder hellhörig, denn es geht darum, ein Parkhaus in den Dünen zu bauen. Das allerdings läuft dem erklärten Willen des Warnemünder Ortsbeirates und auch dem Strukturkonzept zuwider, nach dem der Ortskern des Seebades verkehrsberuhigt werden soll.

Bebauungsplan Strand ruht in Amtsschubladen

„Auch im Hinblick auf den Bebauungsplan für den Strand tut sich nichts“, sagt Prechtel, obgleich der Ortsbeirat darauf dringt: „Wir brauchen einen Bebauungsplan damit unsere Gewerbetreibenden dort investieren können.“ Auch da also erst einmal Stillstand.

Bewegung ist dort, wo sie der Ortsbeirat nicht haben will: bei der Bebauung des Landschaftsschutzgebietes Diedrichshagen Land. „Das ist weiterhin der Wunsch des Oberbürgermeisters“, sagt Prechtel, der gemeinsam mit dem Ortsbeirat nicht dafür zu haben ist, dass Bauplätze zu Preisen angeboten werden, die sich Einheimische nicht leisten können. „Wir brauchen hier Wohnungen für junge Familien.

Wohnen in Warnemünde nur noch Senioren, dann gibt es bald keine Spielplätze und auch keine Schule mehr – und die Chancen sinken, dass sich überhaupt junge Leute ansiedeln.

Im Hinblick darauf macht Prechtel auch deutlich, „dass Warnemünde – anders als immer wieder behauptet wird – durchaus seinen Beitrag gegen die Wohnprobleme in der Hansestadt geleistet hat. „In den vergangenen Jahren sind über 700 neue Wohnungen entstanden, am Molenfeuer, im Dünenquartier, im Kantenweg in Diedrichshagen und im Stolteraer Weg.“ Die Zahl der Wohnungen entsprechen zehn Prozent der Bevölkerung in Warnemünde. „Das ist mehr Wohnraum als in anderen Stadtteilen entstanden ist“, so Prechtel.

Bezahlbarer Wohnraum für junge Familien fehlt

„Man kann aber auch sehen, wie sich das auswirkt“, sagte der Ortsbeiratsvorsitzende: „Am Molenfeuer kann jeder sehen, dass es sich nicht um eine lockere Bebauung mit viel Grün handelt, die sich in das Ortsbild einpasst.“ So hatten es sich die Warnemünder aber gewünscht. „Im Dünenquartier gibt es auch keinen bezahlbaren Wohnraum für Warnemünder, sondern Zweitwohnungen, damit kann dem Wohnungsproblem nicht begegnet werden.“

Die gleiche Sorge hegen die Warnemünder Kommunalpolitiker für die Bebauung der Mittelmole, obwohl dort der Ortsbeirat keine Hochhäuser will und das Strukturkonzept keine vorsieht. „Das soll wohl vollgeknallt werden“, sagt Prechtel. Dem Ortsbeirat schwant nichts Gutes. Es sei zu vermuten, dass auf der Mittelmole die Wohnungen auch viel zu teuer werden.

Auf der Mittelmole sollen die Warnemünder ihr dringend benötigtes Stadtteil- und Begegnungszentrum bekommen, „aber nach den jetzigen Erfahrungen mit der Zuverlässigkeit der Stadt, ist die latente Angst da, dass auch diese Zusage nicht eingehalten wird.“

„Der Ortsbeirat will, dass Warnemünde lebens- und liebenswert bleibt“, sagt Prechtel, der auf eine hochqualifizierte Mannschaft in seinem Ortsbeirat verweisen kann. „Es geht aber immer mehr der Frust um, nicht ernst genommen zu werden.“ Das gilt nicht nur für die politischen Vertreter des Seebades, sondern auch für das Seebad selbst.

Pläne der Stadt ignorieren die Entwicklung der Werften

„Der Mobilitätsplan Zukunft, der gerade von der Stadtverwaltung erstellt wird, berücksichtigt nicht, wie sich die Werften hier in Warnemünde entwickeln. Wie wird es aussehen, wenn 1500 Menschen mehr dort beschäftigt sind, die zur Arbeit kommen, wie entwickelt sich der Zulieferverkehr?“ Das fragt sich nicht nur Ortsbeiratschef Prechtel, der vieles will nur eines nicht: „Wir wollen hier keine Sylter Verhältnisse, die Einheimischen sollen nicht jeden Morgen einreisen.“

Michael Schißler

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