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Rostock Unwetter: Diese Rostocker sind schon wieder abgesoffen
Mecklenburg Rostock Unwetter: Diese Rostocker sind schon wieder abgesoffen
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06:46 29.08.2019
Seenlandschaft am Stadthafen: Die Straße „Am Strand“ stand erneut unter Wasser. Nur im Schneckentempo kamen die Autos vorwärts. Quelle: Andreas Meyer
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Rostock

Als kurz vor 21 Uhr erneut pechschwarze Wolken auf Rostock zurollen, hat Dieter Trost schon eine böse Vorahnung. Als dann kurze Zeit später Blitze zucken, Hagel und Regen einsetzen, bestätigt sie sich: Wieder hat ein schweres Unwetter die Hansestadt getroffen – und wieder sind in die Anwohner der Bahnhofstraße davon besonders betroffen. Zum zweiten Mal innerhalb von nicht mal 48 Stunden sind sie im wahrsten Sinne des Wortes abgesoffen. Erneut stehen im Bahnhofsviertel und in der Innenstadt Keller bis zu einen Meter unter Wasser, wieder muss die Feuerwehr zum Pumpen anrücken. Die Schuld an der Misere geben die Anwohner nicht dem Wettergott, sondern der Stadt: „Wir laufen seit Jahren immer wieder voll. Die Abwasserleitungen hier sind völlig unter dimensioniert“, sagt Trost (55).

Klicken Sie hier, um weitere Eindrücke von Unwetter-Einsätzen am 28. August in MV zu sehen.

35 Liter in einer Stunde

Wie viel Liter genau am Mittwochabend in Rostock niedergehen, kann bis jetzt keiner sagen. Der Wetterdienst hatte vor Starkregen mit bis zu 35 Litern gewarnt. Es dürften mehr gewesen sein. Binnen kürzester Zeit stehen ganze Straßenzüge unter Wasser. Am Strande geht nichts mehr – weil die Fluten so hoch auf der Fahrbahn stehen. Vor allem in der Innenstadt und im Bahnhofsviertel laufen Straßen, Keller, Wege voll. Am Universitätsplatz trifft es den „Studentenkeller“. Die beliebte Disco muss evakuiert werden, die Feiernden suchen Schutz unter dem Vordach des Penta-Hotels. „Wir haben es mit abgebrochenen Ästen und vollgelaufenen Kellern und Wohnungen zu tun“, sagt Stadtsprecher Ulrich Kunze. Mehr als 20 Notrufe gehen allein in der ersten Unwetter-Stunde ein.

Trauriges Déjà-vu

Für die Anwohner der Bahnhofstraße ist der Abend wie ein trauriges Déjà-vu: Schon am Dienstag – beim ersten schweren Unwetter dieser Woche – hatten sie gegen die Fluten in Kellern und Wohnungen gekämpft. „Gegen 16.30 Uhr hatten wir unseren Keller gerade wieder halbwegs sauber, die gröbsten Schäden beseitig. Keine sechs Stunden später geht nun alles von vorne los“, berichtet Dieter Trost. Er und seine Frau stehen im Hauseingang, im Keller pumpen Männer der Berufsfeuerwehr das Wasser ab. Der Einsatzleiter will wissen, wer der Eigentümer des Gebäudes ist. Denn der müsse dringend einen Elektriker rufen. Nicht nur, dass Möbel und Vieles, was im Keller gelagert war, kaputt ist – nein, schlimmer: Vermutlich ist auch die Elektrik im Haus beschädigt worden.

„Ich habe den Vermieter schon elf Mal angerufen. Er reagiert nicht“, sagt Trost. Wut und Zorn – nein, das empfinde er nicht. Und wenn dann höchstens auf die Hansestadt: „Das ist ja nicht das erste Mal, dass wir absaufen. Das passiert drei Mal im Jahr“, sagt der 55-Jährige. Die Rohre seien zu klein, das Wasser drückt aus den Leitungen zurück in die Häuser. „Die Stadt kriegt das nicht in den Griff. Das ist das Problem.“

Hansestadt muss helfen

Auch seine Nachbarn sehen das Rathaus sowie den Warnow-Wasser- und Abwasserverband (WWAV) in der Pflicht, endlich etwas dagegen zu tun, dass es immer, immer wieder die Bahnhofstraße trifft bei Unwettern. „Bei mir sind der Keller, Büros und eine Ferienwohnungen vollgelaufen“, erzählt Uwe Sprenger (54). Möbel, Teppiche, Kartons, Geräte – alles ist hin. Ob die Versicherung zahlt, weiß er noch nicht. „Der Gast in der Ferienwohnung will aber die eine Nacht noch bleiben“, sagt er. Wenigstens eine gute Nachricht. Nebenan, bei Thomas Wienberg (58), steht das Wasser – besser gesagt: die Brühe – 40 Zentimeter hoch im Keller. Die Waschmaschine ist definitiv schrott. „Es drückt weiter nach. Aus den Rohren.“ Er wirkt gefasst, aber er sagt: „So extrem war es noch nie. Und es wird immer extremer.“

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