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Rostock Urlauber erzählen: Darum ist Campen an der Ostsee am schönsten
Mecklenburg Rostock Urlauber erzählen: Darum ist Campen an der Ostsee am schönsten
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15:03 07.08.2019
Familie Schwarz campt zum zweiten Mal. Sie genießen die Flexibilität. Quelle: Susanne Gidzinski
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Markgrafenheide

 Bei einer Tasse Kaffee sitzen Klärchen Menge und ihr Ehemann Heinz Schulz vor ihrem Camper und genießen die Ruhe. Im Hintergrund zwitschern die Vögel und hin und wieder ist das Rauschen des Windes, der durch die Baumkronen weht, zu hören. „Nirgends ist es so schön wie hier“, sagt Schulz, der gemeinsam mit seiner Frau bereits die unterschiedlichsten Ecken der Welt bereist hat. Ob die Malediven, Russland oder Ägypten – kein anderer Ort hat sie so begeistert wie der Camping- und Ferienpark Baltic Freizeit in Markgrafenheide.

Seit mittlerweile 1980 gehört das Rentnerehepaar zu den Dauercampern auf dem rund zehn Hektar großen Gelände. „Meine Mutter hat hier früher gearbeitet, weshalb wir ohnehin oft zu Besuch waren“, erinnert sich die 83-Jährige. Heute ist sie froh, dass sie ihr Hobby auch an ihre Kinder und Enkel weitergeben konnte. „Es ist schön, wenn die ganze Familie zusammenkommt und man gemeinsam die Zeit in der Natur genießt“, sagt die Pasewalkerin.

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Klärchen Menge und Ehemann Heinz Schulz sind seit 1980 Dauercamper in Markgrafenheide. Quelle: Susanne Gidzinski

Wohnmobile immer beliebter

Eine Vorliebe, die jedes Jahr tausende weiterer Urlauber teilen, wie Heike Gütschow, Leiterin für Veranstaltungen des Camping- und Ferienparks Baltic Freizeit, bestätigt. Während noch vor einigen Jahren Übernachtungen im Zelt beliebt waren, neigen die Gäste heute dazu, mit eigenen Wohnwagen anzureisen. Je größer und moderner, desto besser. Aktuell seien 85 Prozent der mehr als 1000 Stellplätze belegt. „Und zur Hanse Sail werden es bestimmt 100 Prozent sein“, sagt Gütschow zuversichtlich.

Vor allem in den Sommermonaten müssen sich die Besucher auf einen vollen Platz einstellen. Ein Spontanbesuch sei in der Regel nur mit Zelt möglich. Für große Wohnwagen gestalte sich die Platzsuche auf den letzten Drücker eher problematisch. „Wir geben natürlich unser Möglichstes, aber innerhalb der Saison ist eine Anmeldung ein halbes Jahr im Voraus notwendig“, so die Veranstaltungsleiterin.

Ein zweites Zuhause

Ein Problem, das Erika und Erich Ultze nicht kennen. Vor 18 Jahren haben sie das erste Mal ein Zelt auf dem Gelände aufgeschlagen – zusammen mit den Enkeln. Heute haben sie ein Wohnmobil mit einem großen Vorzelt im Bereich der Dauercamper stehen. „Uns fehlt es hier an nichts“, erzählt die 79-Jährige und betritt die Wohnstube. In der Küche könne sie ihren Braten zubereiten und der ansässige Supermarkt ist nur wenige Meter entfernt. Im Durchschnitt verbringt das Paar sechs Monate in ihrem kleinen Palast. In ihrer Heimat in Sachsen-Anhalt fühlen sie sich manchmal etwas einsam. „Die Kinder sind im ganzen Land verstreut. Hier sind wir nie alleine“, sagt Erika Ultze. „Das ist unser zweites Zuhause“, fügt Ehemann Erich Ultze hinzu.

Erich Ultze schaut seiner Frau Erika beim Kochen über die Schulter. In ihrem Wohnwagen müssen sie auf nichts verzichten. Quelle: Susanne Gidzinski

Immer wieder würden neue Camper anreisen – die meisten kenne man bereits. Abendliche Grillpartys und spontane Besuche bei den Nachbarn stehen hier auf der Tagesordnung. „Wir sind eine Gemeinschaft von Menschen aus unterschiedlichen Regionen, die ein und dasselbe Hobby teilen“, erklärt Klärchen Menge. Auch die gelernte Krankenschwester und ihr Mann genießen das Beisammensein mit den anderen Urlaubern. „Das macht Camping erst besonders“, wirft Heinz Schulz ein.

Individuell und flexibel

Neben dem ausgeprägten Gemeinschaftssinn und der Nähe zur Natur schätzen die Urlauber auch die Flexibilität und Individualität des Reisestils. „Hier in Markgrafenheide ist der Platz noch etwas abgeschieden. Im Gegensatz zu manch anderen Campingflächen ist er nicht so zugepflastert und hat Charme“, findet Klärchen Menge.

Für Olga und Willi Schwarz bedeutet Camping vor allem eines: Freiheit. Zum zweiten Mal haben sich die Eltern dazu entschieden, die Ferien mit den Kindern auf einem Zeltplatz zu verbringen. „Man ist an nichts gebunden und kann ganz flexibel neue Gegenden bereisen“, berichtet die vierfache Mutter. Es sei der große Traum ihres Mannes, eines Tages ein eigenes Wohnmobil zu besitzen und andere Länder zu erkunden. „Bevor wir aber so viel Geld ausgeben, wollten wir es hier mit einem gemieteten Wohnwagen ausprobieren“, führt die 35-Jährige fort. Solange die Kinder noch klein sind, gestalte sich die Reise unproblematisch. „Ich bin aber gespannt, ob sie das auch noch mitmachen, wenn sie etwas älter sind und in die Pubertät kommen“, sagt sie. Viel Platz zum Ausweichen gebe die Unterkunft auf vier Rädern schließlich nicht her.

Abenteuer für Groß und Klein

Ist Campen nur bei gutem Wetter attraktiv? „Nein“, betont Klärchen Menge. „Das spielt keine Rolle. Wir sind dankbar, wenn die Sonne scheint, aber es findet sich immer etwas zu tun.“ Ähnlich sieht es Familie Schwarz. An regnerischen Tagen ziehen sich die sechs in ihr Wohnmobil zurück, packen die Brettspiele aus und erzählen einander spannende Geschichten. „Wir sind kreativ. Und wenn nicht wir, dann unsere Kinder“, sagt Papa Willi Schwarz und blickt zu seinem Sohn, der sich gerade an einem Fahrrad zu schaffen macht. „Mit vier Kindern wird es nie langweilig“, fügt seine Frau amüsiert hinzu.

Langeweile ist auch für Leonie Reichmann fremd. Mit ihrem Mann und den beiden gemeinsamen Söhnen besucht sie spontan die Großeltern, welche mehrmals im Jahr auf dem Campingplatz nächtigen. Sie selbst ist kein Freund von kleinen Räumen, Gemeinschaftsduschen und Essen von Plastiktellern. „Die Jungs lieben es aber. Für sie ist es ein Abenteuer“, erzählt die 32-Jährige. Mit ihrem Vater erkunden sie die Gegend im Schein ihrer Taschenlampen und übernachten auch mal im Freien. Erlebnisse, die Familienvater Jan Reichmann nicht missen möchte: „Das ist für mich wie eine Reise in meine Kindheit. Ich genieße unsere gemeinsame Zeit hier sehr. Jedes Kind sollte diese Erfahrung in der Natur machen. Überhaupt jeder sollte das.“

Von Susanne Gidzinski

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