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Rostock Verfall des Warnemünder Teepotts: Stadt und Inhaber gesprächsbereit
Mecklenburg Rostock

Verfall des Warnemünder Teepotts: Stadt und Inhaber gesprächsbereit

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19:00 23.01.2020
Der Teepott, geplant von Ulrich Müther und Erich Kaufmann, ist 1968 gebaut worden. Heute ist das Bauwerk von Rost und mangelhaften Sanierungsarbeiten gezeichnet. Quelle: Margrit Mau
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Warnemünde

Es ist nicht nur eines der großen Wahrzeichen von Warnemünde, sondern von ganz Rostock: der Teepott. Vor zwei Jahren wurde deutlich: Das markante Hyparschalen-Bauwerk krankt an vielen Stellen. Es war sogar von Entkernung und Grundsanierung die Rede. Auf Nachfrage bei der Stadt und dem Inhaber, der Friedemann-Kunz-Stiftung, wird deutlich: Es hat sich seither nichts getan. Droht das Bauwerk nun zu verfallen?

„Wenn man mit dem Schiff nach Warnemünde reinfährt, ist der Teepott neben dem Leuchtturm das Erste, was man sieht. Es ist ein Alleinstellungsmerkmal und ohne das Bauwerk kann ich mir Rostock gar nicht vorstellen“, sagt Werner Fischer, Ortsbeiratsvorsitzender von Warnemünde. Er sorgt sich, denn auch er habe nach den Berichten über den Sanierungsbedarf nichts über weitere Entwicklungen gehört. „Zwei Jahre waren ja nun genug Bedenkzeit, um eine Lösung für den sachgerechten Erhalt des Wahrzeichens zu finden“, sagt Fischer.

Gefährdete Standsicherheit und katastrophaler Brandschutz

Ein kurzer Rückblick: Im Januar 2018 wurde der Teepott auf Herz und Nieren untersucht. Das Ergebnis schockierte selbst die Gutachter. Demnach rosteten die Metallteile der Gas-Stahlkonstruktion, weil der Korrosionsschutz nicht seelufttauglich ist. Das Tragwerk wurde bei Sanierungsarbeiten um die Jahrtausendwende durchtrennt und gefährdete die Standsicherheit. Das Dach war undicht, Stromleitungen waren nicht ausreichend gesichert, der Brandschutz sei katastrophal gewesen.

Geschichte des Warnemünder Teepotts

1926: Ein Teepavillon mit Terrassen und Kuppeldächern entsteht

1945: Ein Feuer zerstört den Teepavillon

1950: Auf den Fundamenten wird ein Strandkiosk gebaut

1968: Anlässlich des 750. Geburtstages Rostocks lässt die Stadt den Teepott in der Hyparschalenarchitektur bauen. Federführend sind Planer Ulrich Müther und Stadtplaner Erich Kaufmann

1985/86: Schließung wegen Rekonstruktion, der Teepott bekam unter anderem Thermoscheiben

1991 – 2001: Schließung und Leerstand, Übergang in Privatbesitz. Mehrere gescheiterte Privatisierungs- und Nutzungsversuche. Seinerzeit gab es sogar Abrissüberlegungen

2001:Übernahme durch Rostocker Gastronomieunternehmer und einen Bauunternehmer

2001/2002: Entkernung, Umbau und Rettung vor dem drohenden Abriss

2015:Scanhaus Marlow kauft den Teepott

2018:Titel „Historisches Wahrzeichen der deutschen Ingenieurbaukunst“

Der Besitzer des Bauwerkes ist die Friedemann-Kunz-Familienstiftung, die aufgrund der veranschlagten Kosten von rund 20 Millionen Euro eine Bedingung für die Sanierung gestellt hatte: Das 3600-Quadratmeter-Grundstück sollte in den Besitz der Stiftung übergehen. Doch dieses Vorhaben lehnte die Stadt ab – denn Grundstücke im ufernahen Bereich verkaufe sie nicht, so die Begründung.

Lesen Sie auch: Multimedia-Reportage: Der Teepott – ein Leuchtturm steht selten allein

Stadt: Teepott kein Sanierungsfall

Darüber hinaus teilte die Stadt damals mit, dass der Teepott gar nicht so marode sei wie bisher angenommen. „Klargestellt wurde, dass die bauliche Grundstruktur keine Schäden aufweist und damit die konstruktive Sicherheit für das Gebäude gegeben ist. Jedoch wird der bauliche Zustand sorgfältig beobachtet“, sagte Stadt-Sprecher Ulrich Kunze im August 2018.

Nun, zwei Jahre später, hat sich an dieser Position nichts verändert. So heißt es aus dem Amt für Kultur, Denkmalpflege und Museen: „Der Teepott ist kein Sanierungsfall. Einzig Teile der Haustechnik im Bereich des seeseitigen Restaurants sind schadhaft.“ Es bestehe jedoch keine Gefahr, die ein behördliches Eingreifen erforderlich machen würde.

Stiftung macht Sanierung weiter von Kauf abhängig

Dabei hat selbst Rostocks ehemaliger Bürgermeister Arno Pöker, heutiger Geschäftsführer der R. Kossow & Immobilien Verwaltungs GmbH, die sich für die Friedemann-Kunz-Stiftung um die Belange des Warnemünder Teepotts kümmert, damals zugestanden, dass eine Sanierung notwendig und sinnvoll sei. Jedoch ist der Inhaber auch nach zwei Jahren nicht vom damaligen Standpunkt abgewichen und will weiterhin die Sanierung vom Kauf des Grundstücks abhängig machen. „Insoweit können wir auch unseren damaligen Äußerungen nichts hinzufügen“, sagt Pöker.

„Ich habe lediglich gehört, dass hier an den Warmwasserleitungen und am Strom etwas gemacht wurde“, sagt Thomas Stange vom Maritim Shop im Teepott. Er ist der Meinung, dass man alles tun soll, um das Denkmal zu erhalten – schließlich sei das Gebäude die Überlebensgrundlage des Geschäftes. Auf eine mögliche Kernsanierung hatte man sich damals sogar schon eingestellt. „Wir wollten im Fall der Fälle Container für den Verkauf unserer Waren nutzen.“ Doch mittlerweile sind sowohl Sanierung und auch Container kein Thema mehr für das Geschäft.

Bereit für Gespräche

„Die Friedemann-Kunz-Stiftung hat halt ein wirtschaftliches Interesse an dem Standort“, resümiert der Ortsbeiratsvorsitzende Werner Fischer die Bedingungen, die die Stiftung an die Sanierung knüpft. Und die Stadt sehe sich nicht in der Pflicht. Unter diesen Bedingungen drohe der Teepott, der nach Bekanntwerden des damaligen Sanierungsbedarfes sogar offiziell zum Historischen Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland erklärt wurde, zu verfallen.

„Die Stadt sollte prüfen, wie sie darauf einwirken kann, den Verfall nicht weiter fortschreiten zu lassen“, sagt Fischer. Er hofft, dass beide Parteien aufeinander zugehen, um so die beste Lösung für das Gebäude zu finden. „Mir liegt der Teepott und seine zukünftige Entwicklung sehr am Herzen. Alleine schon aus diesem Grunde werde ich mich Gesprächen auch hierzu nicht verweigern“, sagt Friedemann Kunz auf Anfrage der OZ. Und auch die Stadt ist aufgeschlossen: „Wir sind jederzeit bereit, Gespräche zur Sanierung des Teepotts zu führen“, vermittelt Kerstin Kanaa, stellvertretende Pressesprecherin von Rostock.

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Von Moritz Naumann

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