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Rostock Verkehrssenator: Warum Rostocks Stauproblem nicht lösbar ist
Mecklenburg Rostock Verkehrssenator: Warum Rostocks Stauproblem nicht lösbar ist
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07:08 14.05.2019
Feierabendverkehr am Rostocker Holbeinplatz
Feierabendverkehr am Rostocker Holbeinplatz Quelle: OVE ARSCHOLL
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Rostock

Eine Stadt steht im Stau – und das wird sich so schnell nicht ändern: Nach der massiven Kritik an neuen Ampelschaltungen und permanenten Behinderungen auf Rostocks wichtigsten Verkehrsadern reagiert nun Bausenator Holger Matthäus (Grüne). Doch auch er kann den Autofahrern in der Hansestadt wenig Hoffnung auf Besserung machen: „Die L 22 – die Hamburger Straße, das Warnowufer – sind überlastet. Wir haben zu viel Verkehr auf den Straßen.“

Holbeinplatz als Brennpunkt

Seit Wochen kommt der Verkehr in Rostock nur noch im Schneckentempo voran – und zwar nicht nur zu den Hauptverkehrszeiten. Brennpunkt ist der Holbeinplatz. Den haben Stadt und Polizei nämlich als „Unfallmassenhäufungspunkt“ ausgemacht: „In der Vergangenheit kam es dort allzu oft zu Unfällen beim Abbiegen“, sagt Senator Matthäus. 26 Unfälle zählte die Polizei nach Angaben von Sprecherin Dörte Lembke allein im Jahr 2018. „Wir haben jetzt zusätzliche Ampelphasen eingeführt – für Autos, die von der Hamburger Straße in die Karl-Marx-Straße abbiegen“, erklärt Matthäus. Radler, Straßenbahnen, Autos und Fußgänger kommen sich nun nicht mehr in die Quere. „Natürlich sorgen diese Änderungen für Rückstaus am Holbeinplatz. Das Hauptproblem ist aber ein anderes.“

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Die Stadt habe die „Grüne Welle“ für Autofahrer auch nicht abgeschaltet: „Dass es die nicht mehr gibt, ist eine Folge der Staus.“ Und deren Ursache wiederum seien die vielen Baustellen in der Hansestadt. Weil die Parkstraße gesperrt ist und auch an der Marieneher Straße gebaut wird, muss der gesamte Verkehr nun auf die L 22. Matthäus: „Die Straße ist für 40 000 Fahrzeuge am Tag ausgelegt. Derzeit sind dort aber mehr als 43 000 unterwegs. Das ist zu viel, das überlastet alles.“ Und: „Die L 22 ist leider alternativlos. Für das Problem gibt es vorerst keine Lösung.“

Stadt will Baustellen besser koordinieren

Warum ausgerechnet zwei Entlastungsstrecken für die L 22 zeitgleich Baustelle sind und warum dann auch noch in dieser angespannten Verkehrslage die Ampelphasen verändert werden mussten – der Senator vermag darauf auch keine gute Antwort zu geben. „Fakt ist aber, die neuen Ampelphasen mussten sein. Der Schutz von Verkehrsteilnehmern – ihrer Leben, ihrer Gesundheit – hat für uns immer Vorrang“, verteidigt er die Maßnahme am Holbeinplatz. „Unfälle beim Abbiegen sind dort jetzt ausgeschlossen.“

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Was die Baustellen angeht, will der Senator genau solche Situationen, wie sie derzeit auf den Straßen herrschen, in Zukunft vermeiden: „Wir haben eine Arbeitsgruppe eingesetzt, in der die Stadt mit den großen Akteuren – den Stadtwerken, der Straßenbahn AG, Nordwasser – ihre Baumaßnahmen abstimmt. Das Koordinieren ist nicht immer leicht. Als die Hamburger Straße saniert werden musste, war das eine unvorhersehbare Maßnahme. Die war nicht planbar.“ Dennoch sollen die Unternehmen und das Rathaus versuchen, auf Jahre hinaus ihre Bauvorhaben gemeinsam zu planen. Denn: „Wir werden in den kommenden Jahren deutlich mehr Baustellen in Rostock haben“, prognostiziert der Bausenator. Zehn Jahre lang – in den Zeiten, in denen die Hansestadt strikt sparen musste, – seien nur die nötigsten Maßnahmen an Straßen und Wegen ausgeführt worden. „Jetzt haben wir wieder Geld, jetzt müssen wir in die Infrastruktur investieren. Wir werden mehr bauen denn je.“

„Neue Straßen keine Lösung“

Matthäus reagiert auch auf die Kritik des Auto Club Europas (ACE). Dessen Kreisvorsitzender, Raik Schröder, hatte gefordert, dass die Stadt endlich auch über neue Straßen, über Alternativen zur L 22 nachdenken soll. Aus Sicht des ACE mache beispielsweise eine Tangente vom Weißen Kreuz in Brinckmansdorf bis zum Südring Sinn, ebenso eine „Südumfahrung“ von der Satower Straße zur Nobelstraße. „Die Verbindung vom Weißen Kreuz in die Südstadt ist Teil unseres Mobilitätsplanes. Die Planungen dafür laufen intern“, so Matthäus. „Wir haben einen klaren Auftrag der Bürgerschaft, den werden wir umsetzen.“ Er selbst halte neue Straßen aber für wenig sinnvoll: „Neue Wege kreieren auch neuen Verkehr. Wenn wir Straßen schaffen, fahren mehr Menschen Auto.“ Die Tangente über die Warnow sei beispielsweise für 20 000 Autos pro Tag geplant. „Wir wissen aber, dass bis zu 25 000 Autos sie nutzen werden. Also müssen wir gleich vierspurig planen.“

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Und außerdem: Die Hauptlösung aller Verkehrsprobleme sei noch viel einfacher. „Rostock hat sich entschieden, dass bis 2030 70 Prozent aller Verkehrsteilnehmer zu Fuß, mit dem Rad oder dem öffentlichen Nahverkehr unterwegs sein sollen. Dort müssen wir ansetzen.“

Andreas Meyer