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Rostock Vertreibt Rostock die Camper-Touristen?
Mecklenburg Rostock Vertreibt Rostock die Camper-Touristen?
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21:26 10.06.2019
Norbert (65) und Sonja (66) Burmeister aus Lübeck haben auf der Durchreise die Nacht auf dem Parkplatz Mittelmole verbracht. Quelle: Susanne Gidzinski
Rostock

Ob auf der Mittelmole oder am Stadthafen: Rund um das lange Pfingstwochenende nutzten wieder unzählige Wohnmobiltouristen die Stellplätze, die ihnen beste Sicht aufs Wasser bieten. Auch Norbert (65) und Sonja (66) Burmeister waren darunter. Das Ehepaar befand sich auf der Durchreise.

Noch vor wenigen Tagen haben sie das schöne Wetter am Gardasee genossen, doch nun geht es für sie zurück in die Heimat. Rund 130 Kilometer fehlen ihnen bis Lübeck. „Heute ist die Luft raus. Wir bleiben über Nacht und machen uns morgen wieder auf den Weg“, meint Norbert Burmeister. Am Parkplatz Mittelmole haben sie ihren Wohnwagen abgestellt. Nebenan zahlreiche andere Camper, die einen Schlafplatz benötigen.

Dass das Übernachten auf diesem Platz eigentlich nicht gestattet ist, hat das Ehepaar nicht bemerkt. „Hier steht kein Schild, woher soll man das denn wissen?“, fragt Sonja Burmeister bestürzt. In den vergangenen Jahren haben sie mehrmals auf dem Parkplatz genächtigt, auch wenn der weder Stromanschluss noch Ver- oder Entsorgungsmöglichkeiten bietet. Probleme habe es aber nie gegeben.

Keine Dauer-Überwachung möglich

Betreiber der bei den Wohnmobil-Touristen so beliebten Mittelmole-Fläche ist die Parkhaus-Gesellschaft (PGR) des kommunalen Rostocker Wohnungsunternehmens Wiro. „Und wir haben dafür nur eine Betriebserlaubnis als Stellplatz“, sagt Sprecher Carsten Klehn. Dass der Parkplatz von den Camper-Fahrern zum Teil auch über Nacht genutzt wird, sei bekannt, aber nicht erlaubt. „Wir haben aber keine Möglichkeit, das Gelände 24 Stunden zu überwachen.“

Auf der Fläche an der Mittelmole gibt es 350 Stellplätze – für Pkw, Busse und bis zu 70 Wohnmobile. Ver- oder Entsorgungseinrichtungen gibt es vor Ort aber nicht. „Weil wir eben kein Quartiersgeber sind, wie zum Beispiel ein Campingplatz. Wir bieten nichts und verlangen deshalb auch kein zusätzliches Geld zur Parkgebühr“, so Klehn.

Mit Blick auf Warnow und Schiffe: Auch der Stadthafen ist im Sommer ein beliebtes Ziel für Wohnmobiltouristen. Quelle: ANTJE BERNSTEIN

Weil die PGR nicht ausschließen könne, dass Wohnmobiltouristen auf dem Platz übernachten, zahlt die Wiro pro Jahr eine freiwilligen fünfstelligen Betrag als pauschale Kurabgabe an die Tourismuszentrale. Zusätzlich gilt für die Mittelmole: „Nutzer, die über Nacht bleiben müssen, um ihre Fahrtüchtigkeit wieder herzustellen, sind selbst verpflichtet, dafür Kurabgabe zu zahlen“, so Klehn. Das sei aber ausdrücklich keine Lösung für mehrtägige Aufenthalte.

„Leichte Illegalität“ vertreibt die Besucher

Camper-Urlauber wie Thomas Bennöhr fühlen sich durch die Zustände vor Ort vertrieben. Dass Wohnmobile zum Beispiel auf dem Campingplatz Markgrafenheide sowie in Elmenhorst längere Zeit legal stehen dürfen, ist für den Braunschweiger keine Alternative. „Da hat man nämlich keinen Blick auf die Schiffe.“

Wohnmobilisten, die auf der Mittelmole stehen wollen und Geld in der Gemeinde lassen, würden die anderen Standorte auch gar erst nicht anfahren, ist er überzeugt. Der Niedersachse fühlt sich durch die „erzeugte leichte Illegalität“ wenig willkommen in der Hansestadt, die für ihn und seine Frau ein beliebtes Urlaubsziel ist.

Stellplatz Rohrmannsche Koppel noch nicht fertig

Die Tage des Parkplatzes in 1A-Lage von Warnemünde sind dabei längst gezählt. „Mit der Umsetzung der Bebauungspläne für die Mittelmole wird die Stellfläche obsolet“, sagt Carsten Klehn. Dafür hat die Wiro seit Jahren vor, den Parkplatz Rohrmannsche Koppel auszubauen, damit dort Wohnmobile dann auch länger stehen können. Eigentlich sollte der neue Platz schon dieses Jahr in Betrieb genommen werden, „aber die Fläche muss umgewidmet werden. Dazu laufen schon lange Abstimmungen zwischen Stadt und Land“, sagt Klehn.

Steigende Zahlen von Camper-Tourismus im Land

Dass sich Investitionen für Wohnmobil-Urlauber lohnen, kann der Tourismusverband MV belegen. Untersuchungen zufolge machen Reisemobilisten außerhalb von Campingplätzen im Land rund 300 000 Übernachtungen im Jahr aus. „Es handelt sich demnach schon um ein nennenswertes Potenzial mit einem interessanten und relevanten Ausgabeverhalten“, sagt Tobias Woitendorf. „Zudem weisen die Hersteller entsprechender Gefährte auf seit Jahren steigende Verkaufszahlen hin. So war MV beispielsweise vor zwei Jahren Partnerland des Suisse Caravan Salon in Bern/Schweiz“, erklärt der Verbandssprecher.

Ob das vorhandene Stellplatz-Angebot für Camper-Touristen in Rostock ausreicht oder erweitert werden sollte – das müsse die Kommune bewerten. „Das Interesse von Wohnmobilisten an Stadt, Kultur und Shopping ist grundsätzlich ausgeprägt. Allerdings müssen entsprechende Kapazitäten natürlich vorhanden oder zu schaffen sein“, sagt Woitendorf. Mit mehr und besseren Angeboten würde sicher auch die Nachfrage steigen.

Claudia Labude-Gericke und Susanne Gidzinski

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