Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Viele Baustellen in Rostock: So schwitzen die Arbeiter jetzt bei über 30 Grad
Mecklenburg Rostock Viele Baustellen in Rostock: So schwitzen die Arbeiter jetzt bei über 30 Grad
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:03 28.08.2019
Polier Tobias Prange vor der Baustelle in der Rostocker Ferdinandstraße. Quelle: Vera Petukhova
Anzeige
Rostock-Steintorvorstadt

Dienstagmittag, die Sonne brennt, die Temperatur beträgt 32 Grad im Schatten. Während sich viele Arbeitnehmer in ihren Büros hinter Rollos verschanzen, müssen die Bauarbeiter in der Hansestadt so richtig ranklotzen.

So auch in der Ferdinandstraße in der Steintorvorstadt, die derzeit von Grund auf saniert wird. Der Bautrupp der Firma Asa-Bau baggert, schaufelt oder setzt Randsteine. Polier ist Tobias Prange. Die OZ hat ihn auf der Baustelle besucht.

Kein hitzefrei

Am Dienstag ist es für die Männer besonders unangenehm: Nachts gab es ein Gewitter, daher ist die Baugrube teilweise mit Wasser gefüllt. Durch die Hitze verdunstet es, das Ergebnis ist ein schwülwarmes Mikroklima unterhalb des Straßenniveaus. „Da kommt alles zusammen, was nicht zusammenpasst“, sagt Prange.

Bei der Hitze können die Kollegen nach eigenem Ermessen zwischendurch Pause machen: „Sie können öfter mal in den Schatten, da müssen sie auch nicht vorher fragen“, so der Polier. Drei Liter Wasser trinkt er derzeit pro Arbeitstag. Hitzefrei gibt es heute nicht, dafür ist es noch nicht heiß genug: „Ab 35 Grad können wir früher Feierabend machen“, erklärt Prange.

Kindheitswunsch Bauarbeiter

Der 28-Jährige arbeitet bereits seit elf Jahren auf dem Bau. „Das wollte ich schon als Kind machen“, erinnert er sich. Zum Straßenbau kam er eher zufällig. Dafür macht es ihm heute Spaß, vor allem, wenn Ergebnisse der Arbeit zu sehen sind. „Wenn eine Straße vorher eine Buckelpiste war und die Leute danach über eine gute Straße fahren können, ist das schon eine Befriedigung“, sagt Prange.

Besonders stolz ist er auf Prestigeobjekte wie die Seestraße in Warnemünde, die er zusammen mit seinen Kollegen mit Naturstein umgestaltet hat. Schön ist es für die Bauarbeiter auch, wenn Anwohner ihre Arbeit anerkennen: „Ab und zu gibt es auch ein Dankeschön“, sagt Prange, „vor allem da, wo wir die Straße wieder aufbauen“.

Gefährliche Stolperfalle

Davor steht allerdings der Abriss und die Tiefbauarbeiten. In der Ferdinandstraße werden vor dem Straßenneubau erst noch die Wasser- und Abwasserleitungen erneuert. Dafür muss die Grube teilweise bis unmittelbar an die Haustüren ausgehoben werden.

Die Baugrube in der Ferdinandstraße reicht direkt bis an die Haustüren. Quelle: E-Mail-OZ-Newsdesk

Für die Arbeiter ist das bei der Hitze trotz Baggerunterstützung eine Plackerei – die auch auf Unverständnis stößt: Kevin Gley ist einer der betroffenen Anwohner. „Ich habe drei kleine Kinder. Es kann doch nicht sein, dass wir jetzt ohne Warnung ein Loch direkt vor der Tür haben. Meine Kinder könnten die Tür aufmachen und da reinstolpern“, fürchtet der 35-Jährige.

Gley ist wohl nicht der einzige Rostocker, der derzeit mit der Baustellensituation in der Hansestadt hadert. Vor allem Autofahrer könnten verzweifeln: Fast 100 Baustellen gibt es aktuell im Stadtgebiet und in Warnemünde. Viele davon schränken den Verkehr zwar kaum oder gar nicht ein, andere zwingen jedoch zu langen Umwegen oder verursachen Staus.

Seit Monaten gesperrt

So ist die viel befahrene Parkstraße an der S-Bahnbrücke seit Monaten komplett gesperrt. Am 5. Oktober soll sie endlich wieder freigegeben werden. Die Arbeiten am Petridamm machen vor allem Autofahrern zu schaffen, die in den Rostocker Nordosten wollen. Sie müssen einen langen Umweg in Kauf nehmen. Viele nutzen auch Schleichwege, was wiederum die Anwohner nervt. Hier gibt es frühestens im Juli 2020 Entwarnung.

Für Unverständnis sorgt bei manchen Nutzern wohl auch, dass auf der Hamburger Straße schon wieder gebaut wird, nachdem die Dauerbaustelle dort erst vor Kurzem aufgehoben worden war. Die Stadt erklärt dazu, dass es sich um die letzten Restarbeiten handelt, die wegen der Hanse Sail auf jetzt verschoben worden waren. Die Kreuzung Goedelerstraße/Ulrich-von-Hutten-Straße wird bis Juli 2020 zu einem Kreisverkehr umgebaut und die Neubrandenburger Straße muss nach dem spektakulären Wasserrohrbruch im Mai wieder hergerichtet werden.

Baustellen in Rostock Quelle: Benjamin Barz

Nach der Arbeit zur Feuerwehr

Und eben die Ferdinandstraße: Dort greifen Tobias Prange und seine Kollegen nach einer kurzen Hitzepause wieder zur Schaufel. Prange lebt mit seiner Lebensgefährtin und dem kleinen Kind nahe Bad Sülze im eigenen Haus. Dort hat er auch immer etwas zu tun, wenn im Winter die Bauarbeiter Pause haben. Daneben tut der 28-Jährige noch Dienst in der freiwilligen Feuerwehr. Jetzt im Sommer kann das ziemlich belastend sein, wenn nach einem harten Arbeitstag in der Hitze auch noch abends ein Feuer zu löschen ist. „Das ist schon ziemlich unangenehm, dann noch einmal in die dicken Klamotten zu steigen.“

Von Axel Büssem

Das Unwetter am Dienstagabend hat für viele Einsätze von Polizei und Feuerwehr in Rostock gesorgt. Die Straße am Strande musste gesperrt werden, auch der Holbeinplatz war überflutet. Passagiere des Molli mussten auf offener Strecke bei Heiligendamm in einem Wagen ausharren.

28.08.2019

Die Rückkehr des Wolfes und deren Folgen machen dem Berufsstand zu schaffen. Doch dass kaum noch jemand Schafe halten will, hat einen anderen Grund, sagt der Zuchtverband.

27.08.2019

Riko Nöller ist einer der letzten Wanderschäfer in Mecklenburg-Vorpommern. 1990 hat er den Meister gemacht, seitdem verbringt er fast jeden Tag mit seinen Schafen draußen in der Natur.

27.08.2019