Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Viele Klinik-Mitarbeiter sind nicht gegen Grippe geimpft
Mecklenburg Rostock Viele Klinik-Mitarbeiter sind nicht gegen Grippe geimpft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:00 09.03.2019
Grippeschutz in Kliniken aus MV Quelle: Ralf Hirschberger/dpa
Anzeige
Rostock

Fast jeder zweite Klinik-Mitarbeiter ist nicht gegen Grippe geimpft. Das geht aus einer Umfrage des Robert-Koch-Instituts (RKI) hervor, das nun versucht, mit einer neuen Studie die Gründe dafür herauszufinden. „Influenza führt jährlich in Deutschland zu Millionen Erkrankungen und in schweren Grippewellen zu mehr als 20 000 Todesfällen“, sagt Susanne Glasmacher, Sprecherin des RKI. Durch Online-Befragungen konnte festgestellt werden, dass in der Saison 2017/18 etwa 41 Prozent der Ärzte und 69 Prozent des Pflegepersonals nicht geimpft waren.

Südstadtklinik nimmt an Studie teil

Auch in Mecklenburg-Vorpommern wird die Lage ernst genommen. Die Südstadtklinik aus Rostock beteiligt sich seit diesem Jahr an der Studie des RKI, um die Impfquoten zu erhöhen. Dr. Melanie Jäckel, Krankenhaushygienikerin der Südstadtklinik, nennt als Hauptgrund für die niedrigen Quoten bei Ärzten die fehlende Zeit. "Wir haben bei uns gute Erfahrungen gemacht, wenn wir zum Impfen direkt auf die Stationen gegangen sind", sagt sie. So sei der Weg zum Grippeschutz geringer. Bei Pflegepersonal sei hingegen "die Angst vor den Nebenwirkungen" weit verbreitet. Hinzu komme die Tatsache, dass „ein 100-prozentiger Schutz nicht garantiert werden kann“, so Jäckel.

Unimedizin geht gegen Influenza-Vieren vor

Für das Universitätsklinikum Rostock steht vor allem Aufklärung im Vordergrund. Die Leiterin des betriebsärztlichen Dienstes Dr. Birgit Emmert setzt direkt beim Nachwuchs an und versucht Studenten zu sensibilisieren. „Wenn es zu einer Grippewelle kommt, muss medizinisches Fachpersonal einsatzbereit sein und nicht selbst erkranken“, sagt sie. Außerhalb der betriebsärztlichen Sprechzeiten werden in der Hansestadt "gezielte Vor-Ort-Aktionen in den Kliniken und Instituten" angeboten. 

Mit den verschiedenen Maßnahmen konnte die Uni-Klinik Rostock im Vergleich zur Vorsaison ihre Impfzahlen verdoppeln. Es ist jedoch unklar, wie stark dabei die Bemühungen des Krankenhauses wirken, da die Impfbereitschaft dieses Jahr laut Emmert auch generell zugenommen hat – wegen der heftigen Grippewelle im Vorjahr. Generell gab es in Mecklenburg-Vorpommern diese Saison bisher 3163 Grippe-Infektionen und damit 1800 Fälle weniger als 2017/18.

Der Ärztliche Vorstand der Universitätsmedizin Greifswald, Prof. Claus-Dieter Heidecke, sagt: „Ich kann nur an alle appellieren, sich impfen zu lassen, um schwere Krankheitsverläufe bei der Grippeerkrankung zu verhindern.“ Dafür werden an der Klinik, neben verschiedenen Terminen für Mitarbeiter, in Sprechstunden des Betriebsarztes Impfungen ohne Termine angeboten.

„Krankenhauspersonal hat eine besondere Verantwortung, da ihm teilweise besonders empfindliche Patientengruppen anvertraut sind“, sagt die Biologin Susanne Glasmacher. Laut der Ständigen Impfkommission (STIKO) beugt die Grippeimpfung der Weiterverbreitung von Influenza-Viren vor. „Die Influenza-Impfung ist der beste Schutz, um Influenzavirus-Übertragungen im Krankenhaus zu verhindern und reduziert auch das Risiko, dass Personal während der Grippesaison selbst erkrankt“, sagt Glasmacher

18 000 Mitarbeiter befragt

Die OKaPII-Studiesoll Auskunft über das Grippeschutz-Verhalten bei Klinikpersonal liefern und die Gründe für oder gegen eine Impfung ergründen. Ziel ist es, auf lange Sicht die Impfquoten zu erhöhen. Die Pilotstudie wurde 2016 an zwei Universitätskliniken durchgeführt. Im Spätsommer 2017 wurden bundesweit an 54 Kliniken etwa 6000 Klinik-Mitarbeiter befragt. Ein Jahr später, im Frühjahr 2018, nahmen über 18 000 Befragte aus 141 Krankenhäusern teil. Durchschnittlich waren in der Saison 2017/18 etwa 39 Prozent aller Befragter gegen Influenza geimpft.

„Wer geimpft ist, schützt Patienten und Kollegen“

Die Helios-Klinik in Stralsund versucht jedem Mitarbeiter die Möglichkeit einer Influenza-Impfung zu bieten. „Wer geimpft ist, schützt Patienten und Kollegen“, sagt Michael Bonatz, Sprecher der Helios-Klinik Stralsund. Um das Personal vor Ort unkompliziert impfen zu lassen, wurde 2017 ein Visitenwagen als Testversuch zum „Impfmobil“ umgebaut. Auch in der aktuellen Saison werde das Mobil direkt auf Stationen gefahren, um vor Ort eine Impfung zu ermöglichen.

Die Krankenhausgesellschaft Ameos, die unter anderem Standorte in Anklam, Pasewalk und Ückermünde hat, geht beim Grippeschutz mit regelmäßig angebotenen Impfungen vor. „Wie viele das Angebot annehmen und wie viele sich bei ihren Hausarzt impfen lassen, lässt sich aber nicht genau ermitteln“, so Anja Baum, Sprecherin der Gesellschaft.

Seit Oktober 2018 zahlen gesetzliche Krankenkassen ihren Versicherten den Vierfach-Impfstoff. Dieser gilt als wirksamer im Vergleich zu der Impfung mit drei Komponenten, die in der Grippewelle 2017/18 eingesetzt wurde. In diesem Zeitraum wurden etwa neun Millionen Menschen wegen ihrer Influenza-Erkrankung ärztlich versorgt.

Dimitri Paul