Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock „Die Kultur hier ist für mich gar nicht fremd“
Mecklenburg Rostock „Die Kultur hier ist für mich gar nicht fremd“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:45 24.02.2019
Anh Tu Do ist seit einem halben Jahr in Rostock – als eine von 20 vietnamesischen Pflegeschülern. Quelle: Katja Bülow
Anzeige
Rostock

Die Reise nach Deutschland – für Tu Do ist es das erste Mal, dass sie weiter von zuhause weg ist. Mit einem verlegenen Lächeln gibt sie zu: „Manchmal habe ich sehr großes Heimweh.“ Drei Jahre lang soll die Ausbildung zur Krankenpflegerin an der Rostocker Universität dauern. Die erste Bilanz des Klinikums nach sechs Monaten: Die Vietnamesen haben allesamt ihre Probezeit bestanden und die dazu gehörige Prüfung mit guten und sehr guten Noten abgeschlossen. Die erste Bilanz für Tu Do: „Die Arbeit mit den Patienten macht viel Spaß.“ Zwar sei die deutsche Sprache für sie eine tägliche Herausforderung, ansonsten aber hat sie das Gefühl: „Die Kultur hier ist für mich gar nicht fremd.“

Wobei ihr natürlich trotzdem das eine oder andere seltsam vorkommt. Wenn die deutschen Kollegen beispielsweise über Stau auf der Straße klagen, dann seien sich die Vietnamesen einig: „Hier gibt es gar keinen echten Stau. In Hanoi brauche ich am Nachmittag, wenn alle nach Hause wollen, mindestens zwei bis drei Stunden, um durch die Stadt zu kommen. Hier sind die Verkehrsmittel dagegen sehr bequem, und man kommt immer voran.“ Was ihr weniger gut gefällt, ist dagegen das hiesige Wetter, das im Vergleich zum tropischen Klima in ihrer Heimat deutlich trockener und kälter ist. Das deutsche Essen empfindet sie als viel zu salzig – es gibt allerdings eine Neuentdeckung für sie, die ihr gut gefällt: „Und das ist Currywurst“.

Abends wird gemeinsam gekocht

Die junge Frau trägt Turnschuhe, einen weiten, flauschigen Pulli und schulterlange braune Haare. Sie wohnt mit den anderen Azubis im Wohnheim. Nach Feierabend wird gemeinsam gekocht, gesungen und über die Dinge geredet, die ihnen bei der Arbeit begegnen. Und auch zu länger in Rostock lebenden Vietnamesen hat sie schon guten Kontakt. Tu Do freut sich: „Für mich ist es einerseits sehr schön, dass wir alle zusammen sind. Andererseits würde ich auch gerne mehr deutsch reden.“ Gerade wenn jemand sehr schnell spricht oder die älteren Patienten sogar ins Plattdeutsche wechseln, dann muss sie immer mal wieder passen. Anh Tu Do ist froh, dass die meisten Menschen trotzdem freundlich bleiben und einfach nach neuen Worten suchen. Ein Ratschlag von zuhause habe ihr in solchen Situationen schon oft geholfen: „Wenn du etwas nicht verstehst, dann guck einfach, was die anderen machen.“

Ausbildung in Berufsschule und Krankenhaus

Während es in Vietnam üblich ist, dass die Angehörigen auch im Krankenhaus einen Großteil der Pflege mit übernehmen, so dass die Klinikmitarbeiter sich nur noch um die reine Behandlungspflege kümmern, müssen die Schüler in Rostock auch die gesamte Grundpflege leisten. Waschen, Zähneputzen, umbetten… für Tu Do ist all das noch neu. Um es zu lernen, ist sie im dualen System, mal in der Berufsschule, mal ganz praktisch im Krankenhaus unterwegs. Und über den deutsch-vietnamesischen Verein Diên Hông bekommt sie darüber hinaus auch Sprachunterricht.

Wie sie sich ihre Zukunft vorstellt? Die Schülerin wiegt den Kopf und spekuliert: „Vielleicht werde ich nach der Ausbildung fest in der Uniklinik arbeiten. Vielleicht lerne ich einen vietnamesischen oder einen deutschen Mann kennen und bleibe für immer hier.“ Bislang sei noch alles offen. Ihren Eltern aber hat Tu Do schon soviel von ihrem neuen Zuhause erzählt, dass die unbedingt demnächst einmal zu Besuch nach Rostock kommen wollen.

Pflegenotstand ab 2020

Pflegepersonal zu finden, das ist eine der großen Herausforderungen, vor denen Krankenhäuser in den nächsten Jahren stehen werden. Annett Laban, Pflegevorstand am Rostocker Universitätsklinikum, ist sich sicher: „Spätestens ab 2020, wenn die geburtenstarken Jahrgänge ins Rentenalter kommen, wird das Problem akut. Diejenigen, die diese Rentner dann pflegen sollen, sind einfach nicht geboren worden.“ Um gegenzusteuern, wird die Klinik im kommenden Oktober weitere 25 Vietnamesen nach Rostock holen. Und Laban betont: „Das ist nur eine von vielen Maßnahmen.“ Darüber hinaus müssten die Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte deutlich verbessert werden, damit der Beruf für junge Leute attraktiv ist.

Katja Bülow

Sie kamen in den frühen Morgenstunden am Samstag und hinterließen einen wahren Scherbenhaufen: Bislang unbekannte Täter haben in Tessin bei Rostock die Geldautomaten zweier Bankinstitute angegriffen und versucht, diese aus der Wand zu reißen. Das Vorhaben scheiterte.

23.02.2019

Rostocker IHK mit neuem Konzept. Mehr als 40 Betriebe aus der Region beteiligen sich.

24.02.2019
Rostock Nach der Einführung in Schwerin - Gibt es in Rostock bald WLAN in Bus und Bahn?

Die Landeshauptstadt macht es vor: Bis zum Sommer wird es in allen Bussen und Bahnen Schwerins gratis WLAN geben. Auch in Rostock haben viele Nutzer – und die OB-Kandidaten –diesen Wunsch. Zieht die RSAG deshalb jetzt nach?

23.02.2019