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Rostock Volkssolidarität: Ex-Chef weist Betrugsabsicht von sich
Mecklenburg Rostock Volkssolidarität: Ex-Chef weist Betrugsabsicht von sich
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19:16 18.06.2019
Der frühere Geschäftsführer der Volkssolidarität vor dem Landgericht Rostock (Foto vom Prozessbeginn). Quelle: Danny Gohlke/dpa
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Rostock

Der Mann hat am Dienstag vor dem Landgericht Rostock bestritten, absichtlich und von Anfang an die Anleger über die finanzielle Situation der Fonds getäuscht zu haben.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 68-Jährigen schweren Betrug vor. Er soll von Juli 2004 bis Oktober 2005 in 144 Fällen bei Anlegern 1,1 Millionen Euro eingeworben haben, obwohl die Fonds bereits so gut wie pleite waren. Neue Anlagen seien verwendet worden, um Löcher zu stopfen. Erst 2009 wurde für die Fonds ein Insolvenzantrag gestellt. Das Geld war für die Anleger zum großen Teil verloren.

War das System von Anfang an auf Betrug ausgelegt?

Das Gericht hatte den Angeklagten 2014 zu drei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Das Urteil wurde 2017 vom Bundesgerichtshof wegen Rechtsfehler aufgehoben. Die nun zuständige Strafkammer kündigte an, dass der Angeklagte sich möglicherweise für 820 weitere Anlagen verantworten muss, die zwischen 1999 und 2009 gezeichnet wurden. Der Prozess müsse zeigen, ob hinter dem Fonds ein System stand, das von Anfang an auf Betrug angelegt war und auch nach seinem Ausscheiden als Geschäftsführer weiterhin funktionierte.

Zwei Volkssolidarität-Kreisverbände in Mecklenburg-Vorpommern wollten ab 1998 ihre Mitglieder über Anleihen an Sozialimmobilien wie Pflegeheimen oder Kindergärten beteiligen. Sie versprachen ihnen eine jährliche Rendite von fünf Prozent. Der Angeklagte, der auch die Geschäfte des einen Kreisverbandes führte, sagte, er sei betriebswirtschaftlich ein Laie gewesen. Deshalb habe er sich auf zahlreiche Berater verlassen. Außerdem habe der Geschäftsführer des zweiten Kreisverbandes einen „beherrschenden Einfluss“ auf die Geschäfte der Immobilienfonds gehabt. Das Verfahren gegen diesen Geschäftsführer wurde wegen dauerhafter Krankheit eingestellt.

Joachim Mangler