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Rostock Volkstheater Rostock: Intendant will Neubau erst ab 2020
Mecklenburg Rostock Volkstheater Rostock: Intendant will Neubau erst ab 2020
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11:03 29.11.2014
Sewan Latchinian, Intendant des Volkstheaters Rostock.
Sewan Latchinian, Intendant des Volkstheaters Rostock. Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

Intendant Sewan Latchinian und der Kaufmännische Geschäftsführer Stefan Rosinski fordern eine Verschiebung des Theater-Neubaus. Wichtiger als das neue Gebäude sei der Erhalt eines funktionierenden Theaters in vier oder mehr Sparten. Wenige Tage, bevor die Bürgerschaft den Weg zur Schließung von Tanz- und Musiktheatersparte ebnen soll, gibt es erhebliche Zweifel am Konzept der Stadtverwaltung. Auch die Gutachter-Firma Actori geht auf Distanz.

Nein zum Neubau vor 2020! So lautet die Botschaft von Latchinian. „Wir können uns vorstellen, es bis dahin im Altbau auszuhalten.“ Früher sei ein neues Theater sowieso nicht realistisch. Diese Diskussion müsse getrennt werden von der aktuellen über die künftige Struktur des Volkstheaters. Anfang der Woche legte die Stadtverwaltung ein Konzept auf den Tisch. Darin wird die Schließung von Tanz- und Musiktheater empfohlen. 68 der 272 Stellen würden entfallen (die OZ berichtete). Bereits kommenden Mittwoch soll die Bürgerschaft die Weichen stellen. „Das wäre die größtanzunehmende Katastrophe“, sagt der Intendant. Dem Volkstheater drohe „ein qualvolles Sterben“. Latchinian zweifelt die Zahlen der Verwaltung an. Das Haus würde auch in kommenden Jahren mit dem aktuellen Zuschuss von 16,6 Millionen Euro jährlich auskommen, erklärt Rosinski.

Die Politik reagiert unterschiedlich auf den Vorschlag zur Verschiebung des Neubaus. „Jetzt ist es am Wichtigsten, dem Theater die Chance zu geben, sich zu entfalten und viele Rostocker anzulocken“, sagt Eva-Maria Kröger (Linke). Bertold Majerus (CDU) hält dagegen: erst Strukturentscheidungen, dann das Thema Neubau. „Wir können uns nicht länger davor drücken.“ So argumentiert auch Finanzsenator Chris Müller (SPD): Eine Entscheidung müsse her.

Kritik gibt es an der Verwaltung: Am 3. Dezember soll die Bürgerschaft bereits inhaltlich entscheiden, aber erst am 8. Dezember stellt die Beraterfirma Actori ein überarbeitetes Konzept zum Theater vor. Latchinian spricht von „Manipulation“. Selbst Actori hebt warnend den Finger. Denn: Im Rathaus-Konzept würden die Gutachter für Schlussfolgerungen missverständlich zitiert. Martin Dehli, Projektleiter bei Actori, stellt klar: „Wir haben keine Empfehlung abgegeben.“ Auftrag sei es gewesen, vorgegebene Szenarien durchzurechnen. Die Stadt habe eigene Schlussfolgerungen und Actori-Ergebnisse „vermischt“. Dehli rät: Vor einer Entscheidung sollte sich die Bürgerschaft das bislang geheime Gutachten „differenziert erklären lassen“.



Thomas Sternberg