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Volkstheater Leonard: „Ich musste eine Krisen-Intendanz führen“
Mecklenburg Rostock Volkstheater Leonard: „Ich musste eine Krisen-Intendanz führen“
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12:13 24.06.2014
Peter Leonard, der scheidende Intendant des Volkstheaters Rostock Quelle: Bernd Wüstneck / Dpa
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Rostock

OSTSEE-ZEITUNG: Sie verabschieden sich jetzt von Rostock. Es ist ein langer Abschied, Sie haben ihn schon vor fast zwei Jahren bekanntgegeben ...

Peter Leonard: Wie es sich gehört, das ist der normale Ablauf, das kennt man in Rostock nur nicht so häufig. Man trifft etwa zwei Jahre vorher die Entscheidung, sodass genug Zeit ist, dass ein Nachfolger gefunden wird und in Ruhe übernehmen kann.

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OZ: Sie deuteten es an, in Rostock wurden Theaterchefs in den letzten 25 Jahren meist gefeuert, Sie sind der zweite, der hier in diesem „normalen“ Ablauf geht. Und Sie hatten wohl auch die längste Amtszeit eines Volkstheaterintendanten.

Leonard: Insgesamt bin ich bestimmt Rekord-Halter. Ich kam ja vor zehn Jahren als Generalmusikdirektor und war dann sechs Jahre Intendant.

OZ: Was Rostocks Ruf als Intendanten-Verschleiß-Stadt betrifft, könnte man jedenfalls sagen, dass in den letzten zehn Jahren hier ein bisschen Normalität eingezogen ist, oder?

Leonard: (lacht) Ja, das könnte man auch sagen.

OZ: Man muss dieser wilden Zeit ja mal was Positives abgewinnen...

Leonard: Das ist auch meine Einstellung. Ich habe vor langer Zeit gelernt, Optimismus ist eine Leistung, man muss sich entscheiden, wie man das Leben angeht. Da wir sowieso sehr wenig wissen – oder sogar gar nichts von dem, was auf uns zukommt –, geht es nur darum, wie man alles angeht.

OZ: Meinen Sie das in Bezug auf das Theater oder fürs täglichen Leben?

Leonard: Beides. Man muss schon Kraft dafür haben. Aber eine schöne Sache am Theater ist, dass es so lebensnah ist. Am Theater geht es um das Leben und darum, was es heißt, Mensch zu sein. Und ich behaupte, vom Theater kann man auch lernen, auf bessere Weise Mensch zu sein.

OZ: Klar, deshalb kommen wir Zuschauer ja auch ins Theater, um uns dort veredeln zu lassen. Als Sie vor zehn Jahren als Orchesterchef in Rostock begannen, haben Sie sich öffentlich „von der Region und den Politikern hier Heldentaten“ zugunsten des Theaters gewünscht. Erlebten Sie dann ein Rathaus voller Theater-Helden?

Leonard: Ich kann nur sagen, die notwendigen Taten, die wir angehen mussten, waren anders, als wir es uns vorgestellt hatten. Dass dabei Heldentaten geleistet wurden, ist Fakt, und da meine ich vor allem die Mitarbeiter des Volkstheaters. Ich erkannte schon, als ich kam, was für eine Stärke dieses Ensemble hat, und es hat unglaublich viel davon behalten. Es ist jetzt bedroht, denn es fehlt vor allem Nachwuchs.

OZ: Damals war das Theater schon bedroht. Vier Jahre später wurden Sie Intendant, dann kamen mehrere Schläge. Wie bilanzieren Sie diese bewegte Zeit Ihrer Intendanz?

Leonard: Ich würde sagen, ich musste eine Krisen-Intendanz führen. Ein Freund - aus einer ganz anderen Branche - sagte mir kürzlich: Weißt du, es gibt zwei Arten von Jobs, also zwei Pole. In dem einen ist man ständig damit beschäftigt, Brände zu löschen. Also Pläne auszuarbeiten und zu verwirklichen ist kaum möglich, man ist ständig beim Reagieren. Bei dem anderen hat man die Ruhe und die Mittel, vorauszudenken und die Zukunft selber zu bestimmen. Dieser Freund war einmal Vize-Bürgermeister von New York, und dann später war er Rektor einer großen Universität. Für mich nun waren viel mehr Brände zu löschen, als ich erwartet hatte. Allerdings muss man auch sagen, dass schon 2008 keine so ruhige Zeit war. Der Entwurf des neuen Finanzausgleichsgesetzes war schon verteilt, und die Politik, dass die Landesmittel für Theater eingefroren sind, gab es damals schon mehr als zehn Jahre. Also am Horizont waren diese Probleme alle sichtbar. Das machte und macht mir bis heute keine Angst um das Volkstheater, denn in meinem bisherigen Berufsleben auch anderswo war ich ständig mit diesen Existenzkämpfen beschäftigt. Der Ablauf ist hier noch schwieriger geworden, da jedesmal, wenn wir ein, zwei Schritte vorwärts machen konnten, etwas kam, worauf wir keinen Einfluss nehmen konnten.

OZ: Was waren denn die härtesten Einschnitte?

Leonard: Das erste war die geschwinde Überleitung in eine GmbH und sehr früh die Erkenntnis, dass der neuen Volkstheater-GmbH eine Insolvenz drohte. Ich bin kein Finanzmann oder Controller, aber ich wusste, dass unser Etat sehr eng war. Was dann aber darüber hinaus notwendig ist, um Anforderungen des GmbH-Konstrukts zu entsprechen, war schwierig. Wir hatten zum Beispiel Sponsoren, die uns trotz ihres guten Willens nicht weiter unterstützen konnten, weil das Wort Insolvenz in der Öffentlichkeit war. Wie kann man als verantwortungsvolles Geschäft eine GmbH sponsern, die von Insolvenz bedroht ist? Und es ist auch Fakt (das ist kein Vorwurf Ihnen und Ihren Kollegen gegenüber, sie haben ja die Pflicht, kritisch zu berichten), dass jeder negative Bericht über das Theater, auch wenn er mit den Leistungen auf der Bühne nichts zu tun hat, sich negative auf die Kasse auswirkt.

OZ: Es drängte sich in der Öffentlichkeit ein wirtschaftlicher Vorwurf in den Vordergrund, das Theater „rechnet sich“ nicht. Kann man es denn überhaupt für eine Aufgabe des Theaters halten, dass es „sich rechnet“?

Leonard: Nein. Aber diese Message ist sehr schwer zu vermitteln. Für uns ergab sich ständig das Problem, dass sich der Diskurs über das Theater sehr weit weg vom tatsächlich Wichtigen des Theaters entfernte. Man wird da schnell in eine Defensive gezwungen, mit Fragen, die man gar nicht offensiv beantworten kann.

OZ: Nach dieser ersten Krisensituation der neuen GmbH kam mit der Schließung des Großen Hauses gleich noch eine ... Sie wirkten damals recht zahm. Klar, Sie mussten die Entscheidung mittragen, denn das Theater sollte ja weitergehen. Aber diese Art und Weise, so Hals über Kopf und anscheinend unvorbereitet, obwohl doch die Brandschutzprobleme des Hauses seit Jahren bekannt waren – hätte man da nicht mal kräftig donnern müssen?

Leonard: Das war der richtig harte Schlag. Es ist schwer für mich, das in Details zu beantworten, denn es ging um persönliche Leistungen oder Fehlleistungen an vielen Stellen. Man kann also nicht sagen, eine bestimmte Person hätte gepennt. Wir haben Aktenordner, die beweisen, dass diese Baumängel schon vor über zehn Jahren vorhanden waren. Ich kann folgendes sagen, dass die Haftungsbedingungen und die Verantwortungsbedingungen bei einer GmbH ganz anders sind als in einem städtischen Amt. Und die Grundfrage war: Wer ist bereit, die Haftung zu übernehmen, wenn hier etwas schief geht? Man kann Mängel erkennen, und auch melden, aber die Heilung, die Korrektur braucht eine ordentliche Begutachtung. In diesem Prozess haben wir immer wieder gesucht und gehofft, Wege zu einer Lösung zu finden. Parallel dazu stellte sich heraus, wie extrem die Mängel waren und wie extrem die Haftungen in einem nicht zu wünschenden Fall gewesen wären. Was vielleicht kaum jemand weiß: Wir haben dort trotzdem weiter gearbeitet. Auch ohne Genehmigung.

OZ: Da meinen Sie die Probenarbeit und Verwaltung?

Leonard: Genau. Nur für die Öffentlichkeit waren wir zu, aber tatsächlich saß ich für acht Monate in sehr großer Haftung. Gott sei Dank ist nichts passiert.

OZ: Das heißt, Sie haben mit den Ensembles bewusst in Gefahr gearbeitet?

Leonard: Gewissermaßen. Das haben wir hausintern auch nicht vertuscht. Es war absolut klar, was für ein Risiko wir eingegangen sind. Aber wenn wir das nicht gemacht hätten, wäre das Theater ganz weg gewesen.

OZ: Aus dieser Krisen-Intendanz erklärt sich dann wohl auch, warum Sie ein Ziel Ihres Amtsantritts 2008 nicht verwirklichen konnten. Die OZ schrieb damals auf Seite 1 über Ihre Absichten: „Neuer Intendant will Einnahmen verdoppeln“. War das nicht sowieso zu kühn, denn das ist ja auch jetzt nicht zu schaffen?

Leonard: Also wir haben jetzt wieder gute Zahlen. Die Erholungsphase nach der Saison im Theaterzelt war ein Jahr länger, als wir gehofft hatten. Das erste Jahr nach unserer Zeltsaison war eine Erholungsphase, aber jetzt konsolidiert es sich ...

OZ: Aber an eine Verdoppelung ist auch jetzt nicht zu denken ...

Leonard: Nein, auf keinen Fall.

OZ: War das also zu optimistisch?

Leonard: Ja, auf jeden Fall. Vielleicht bin ich da extrem, aber ich bin so gestrickt, lieber größere Ziele zu definieren, als nur so lasch zu sagen: Wir werden es irgendwie schaffen. Übrigens, diese Aussage traf ich in einer geschlossenen Sitzung, also ich habe das nicht der Öffentlichkeit vermittelt, sondern in der Vollversammlung der Mitglieder des Hauses gesagt.

OZ: Also ein Motivationsspruch, um die Mannschaft in Bewegung zu setzen...

Leonard: Da waren damals auch viele andere Dinge, die ich realisieren wollte, die aber durch die Umstände unmöglich wurden. Es gab Pläne für jede Sparte. Im Musiktheater wollte ich ein Studioprogramm aufbauen, wo man junge Sänger für ein Jahr engagiert, und ich wollte das international machen, in Partnerschaft mit einem Haus in den USA. Dafür hätte man einen Sponsor gebraucht. Ähnliche Pläne gab es auch für andere Sparten.

OZ: Welches waren denn Highlights im Spielplan Ihrer Amtszeit?

Leonard: Wir haben im Musiktheater zwei Uraufführungen gemacht. Ein neues Werk im Musiktheater herauszubringen, das ist etwas, das sich heute jedes Theater wünscht. Wir hatten dieses Glück zwei Mal: mit Georg Kreislers Oper „Das Aquarium oder Die Stimme der Vernunft“ und Kriss Russmans „Happy Birthday, Mr. President“ über Marilyn Monroe.

OZ: Russmans Oper hat bisher noch keine zweite Bühne übernommen, liegt es daran, dass die Amerikaner sich dieses Thema Monroe und Kennedy nicht von einem Engländer machen lassen wollen?

Leonard: Nein. Es ist eher umgekehrt. In Amerika ist es immer noch schwierig für Amerikaner voranzugehen, wenn es um Kultur und besonders um Oper geht. Ausländer werden bevorzugt. Das ist ein Minderwertigkeitskomplex, den es schon vor über hundert Jahren gab.

OZ: Gab es neben den beiden Uraufführungen noch mehr Highlights?

Leonard: Besonders stolz bin ich, dass wir im Grundrepertoire, das eigentlich für ein Stadttheater eine Normalität sein muss, was aber leider nicht gelungen war, als ich das Haus übernahm, dass wir in diesem Grundrepertoire Produktionen brachten, die ein längeres Leben werden haben können. Ein Haus dieser Größe soll eine „Zauberflöte“, „Hänsel und Gretel“, eine „Fledermaus“, „My Fair Lady“ haben -- es gibt da eine Handvoll von Werken, die man gerne alle paar Jahre wieder hört. „Die Zauberflöte“ haben wir jetzt in der zweiten Wiederaufnahme, „My Fair Lady“ ebenso. Einige dieser Werke hat mein Nachfolger, Herr Latchinian, entschieden zu behalten. Das ist das größte Kompliment, das man seinem Vorgänger machen kann.

OZ: Interessant war in Ihrer Amtszeit ja auch, dass sie als Amerikaner, der schon vorher lange in Deutschland gearbeitet hatte, bei der Leitung des Rostocker Theaters einen gewissen Exoten-Bonus nutzen konnten ...

Leonard: (lacht)

OZ: ... Motto: unser Amerikaner in Rostock. Wie ist es Ihnen damit ergangen, wie sind sie damit umgegangen?

Leonard: Das kann ich jedem empfehlen. Jeder Person. Sie haben die Möglichkeit, tauschen Sie Ihren Job und arbeiten Sie einige Zeit in Los Angeles. Dann werden Sie das Gleiche erleben.

OZ: Naja, Rostock oder Los Angeles. Haben Sie Rostock nicht manchmal als provinziell empfunden?

Leonard: Nein. Ich habe festgestellt, dass viele Rostocker meinen, ihre Stadt sei provinziell. Das ist sie aber nicht. Das erkennen sehr wenige hier, dass Rostock weltoffener ist, als die Rostocker selber denken. Das kommt schon aus der Geschichte dieser Hafenstadt. Und natürlich ist das Theater besonders international, noch internationaler als viele andere Theater unserer Größe. Da ist der Amerikaner als Intendant nur einer. Auch das ist übrigens eine große Seltenheit. Es gibt Opernintendanten aus Amerika in Deutschland, aber als Viersparten-Intendant kenne ich keinen anderen Amerikaner in Deutschland.

OZ: Konnten Sie dieses Alleinstellungsmerkmal positiv benutzen?

Leonard: Ich glaube ja. Das war, als ich zuerst in Deutschland war, in Augsburg, für mich eine Entdeckung. Wissen Sie, es gibt in Amerika, wie ich schon sagte, einen Minderwertigkeitskomplex. Ein Künstler, der einen ausländischen Namen und ausländische Abstammung hat, besonders aus Europa, hat in Amerika einen kleinen Vorteil. Als ich vor vielen Jahren anfing, wurde mir ernsthaft von Agenten empfohlen, dass ich meinen Namen ändern sollte. Denn Leonard ist ein Name, der im Kern in jeder Kultur vorkommt. Und ein Leonhardt oder Leonardski oder Leonardo – das wurde mir ernsthaft vorgeschlagen! – sowas kommt besser an. In meiner Generation landete eine Welle von Ausländern, die sich die guten Dirigenten-Jobs in Amerika geschnappt haben. Aber ich merkte, die Flieger fliegen in beide Richtungen, und so bin ich rübergekommen. (lacht) Daraus mache ich kein Hehl.

OZ: Sie sind ja ein Kenner und Akteur aus zwei sehr unterschiedlichen Theater-Systemen. Wie sind Sie mit den Unterschieden umgegangen, konnten Sie das nutzen?

Leonard: Ich hatte wenig Gelegenheit, die Erfahrungen und die wenigen Vorteile des amerikanischen Systems hier umzusetzen. Wegen unserer ständigen Krisen. Das steht auf der Liste dessen, was ich nicht schaffen konnte: Der Aufbau und die allmähliche Verbreiterung des Sponsorings. Wir waren, wie gesagt, am Start damit, als dann das Wort Insolvenz aufkam. Was ich vielleicht mitgebracht habe: Die finanziellen Engpässe, die seit den 1990er Jahren noch neu für deutsche Theatermacher sind, hatte ich in Amerika schon mehrmals erlebt, ich musste öfter in letzter Sekunde etwas retten. Der Stress, der dazu gehört, ist mir nicht neu, da war ich schon geübt drin. Das wusste ich nicht, bis ich merkte, wieviel Stress Kollegen, nicht nur hier, sondern an anderen Häusern, bei solchen Unsicherheiten hatten. Es ist sehr undeutsch: mit einer ständigen Unsicherheit zu leben, das passt nicht zur deutschen Psyche. Nicht dass ich diese Unsicherheit bevorzuge, aber ich war dagegen geschützt. Das werden Ihnen andere bestätigen: Wenn es wirklich schief geht und das Schiff zu sinken beginnt, dann werde ich unglaublich ruhig. Ich bin nicht süchtig auf Krise, aber wenn eine kommt, bin ich bereit.

OZ: Das Theater steht in zunehmender Konkurrenz zu Festivals und anderen Medien. Wie muss es sich selbst ändern, um darin zu überleben und wichtig zu bleiben?

Leonard: Die Stärke des Theaters ist, dass es live ist. Aber die Erfahrung von Live-Vorstellungen muss den Zuschauern schon früh nahegebracht werden. Ein Drittel unserer Besucher sind Kinder und sozial Benachteiligte. Das sind weit mehr als beispielsweise in Theatern wie Schwerin oder Lübeck. Wir haben da aber noch mehr zu leisten. Ein Drittel der Rostocker Schulen sind bei uns öfter, ein Drittel ab und zu, ein Drittel nicht. Wir haben das durch die Kooperation mit Parchim verbessert, aber es müssen noch mehr werden. Vor allem muss man verstehen, dass der Aufbau der neuen Wege nicht von heute auf morgen zu leisten ist. Es dauert mindestens eine Generation, eine starke Basis und ein Verständnis von Theater aufzubauen. Dazu kommt das Thema des Theaterneubaus. Ein Live-Erlebnis ist ein Erlebnis auch vor und nach der Vorstellung. Der Neubau ist kein Allheilmittel, diejenigen, die in dieses neue Haus ziehen, müssen wissen, wie sie es ausfüllen werden.

OZ: Sie haben ja zehn Jahre lange diese unendliche Diskussion um den Rostocker Theaterneubau miterlebt. Wie sehen Sie die Chancen, dass es 2018 etwas wird, oder dass es überhaupt jemals etwas wird?

Leonard: Ich bin weder Experte für Politik noch fürs Bauen. Ich weiß, dass, wenn man etwas schnell bauen will, man das machen kann. Als Wahloptimist glaube ich, das wird noch passieren. Ich hoffe sehr, dass es etwas Würdiges sein wird für ein Vier-Sparten-Ensemble. Und jetzt oute ich mich: Tatsächlich glaube ich, es wäre passend und auch machbar, zwei größere Säle zu haben, einen für Konzerte und einen für Theater. Nach wie vor halte ich die Halle 207 für eine Möglichkeit. Der Raum ist nicht nur für Konzerte gut, sondern ich hätte gern dort auch das Weihnachtsmärchen gespielt. Es gibt Zeiten, in denen so ein Ort dem Schauspiel gehören muss.

OZ: Aber Sie haben ja die Halle 207 aus Kostengründen aufgegeben.

Leonard: Wir wollten dort weiterspielen, aber die Entscheidung des Aufsichtsrates war anders.

OZ: Genau genommen haben Sie in Ihrer Intendanz sogar zwei Spielstätten abgegeben. Die Halle 207 und dann noch das Theater im Stadthafen – unter dem Druck der drohenden Insolvenz. Das wäre praktisch der dritte Schlag unter den genannten Krisen.

Leonard: Aber auch in diesem Falle haben wir das nicht gewünscht, und auch nicht empfohlen.

OZ: Nach dem Abschied folgt vermutlich nicht der Ruhestand. Was werden Sie tun?

Leonard: Erstmal geht es nach Amerika. Ich werde mehr Zeit mit meiner Frau verbringen. Und ich werde es genießen, wieder frei tätig zu sein. Werde in Osteuropa dirigieren, war schon in Belgrad. Ich gehe, wohin ich will und wann ich will. Schön, nicht?

Premiere fürs OZ-Studio in Rostock - Abschied für Volkstheater-Chef Peter Leonard

Der Intendant und seine Frau, die Sängerin Lorraine Di Simone, sind die ersten Gäste im neuen OZ-Studio (Richard-Wagner-Str. 1a). Am Donnerstag (26. Juni) hält Leonard im lockeren Gespräch mit OZ-Chefredakteur Andreas Ebel Rückschau auf seine zehn Rostocker Jahre und begleitet zwischendurch am Klavier seine Frau Lorraine Di Siomone.

Beginn 20 Uhr, Einlass ab 19 Uhr, reservierte Karten sind bis 19.30 Uhr abzuholen.

Die Veranstaltung ist ausverkauft, wir übertragen sie als Livestream unter www.ostsee-zeitung.de.



Interview: Dietrich Pätzold