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Rostock Volles Aroma, aber wenig Ertrag: Kühles Frühjahr vermiest Apfel-Ernte in MV
Mecklenburg Rostock Volles Aroma, aber wenig Ertrag: Kühles Frühjahr vermiest Apfel-Ernte in MV
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18:32 29.08.2019
Thomas Lemke (54) von der Sonnländer Bio Obst GmbH pflückt auf der Plantage in Diedrichshagen Äpfel der Sorte Pirol. Quelle: Frank Söllner
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Rostock

Elstar, Jonagold, Früher Viktoria oder Seestermüher Zitronenapfel – auf vielen Apfelplantagen in Mecklenburg-Vorpommern startet am Freitag offiziell die Apfelernte. Doch die Ernte wird deutlich schwächer ausfallen als im rekordverdächtigen vergangenen Jahr. Mit einem Ertrag von 13 000 bis 15 000 Tonnen rechnen Apfelbauern in diesem Jahr; 2018 wurden 44 000 Tonnen Äpfel geerntet, erklärt der Obstanbauberater Rolf Hornig von der LMS Agrarberatung.

Zu kühl, zu wenig Bienen

Der Grund für die schwache Ernte: Während der Apfelblüte im Mai sei es zu kalt gewesen, sagt Hornig. In Frostnächten erfroren viele Apfelblüten. Außerdem sind in der kühlen Witterung nur wenige Bienen und andere bestäubende Insekten geflogen. Die Qualität der Äpfel sei aber gut. Dank der Sonne sei ausreichend Zucker gebildet worden.

„Kein Insektenflug, keine Bestäubung“, fasst Siegmund Rosteck, Mitarbeiter der Sonnländer Bio Obst GmbH in Diedrichshagen bei Kröpelin (Landkreis Rostock), zusammen. Bei dem Anbauer von Bio-Äpfeln rechnet man mit einem Ertrag, der in etwa die Hälfte des Vorjahresergebnisses ausmachen wird.

Seestermüher Zitronenapfel ideal zum Mosten

Sonnländer Bio Obst, ein Tochterunternehmen von Edeka, baut Äpfel auf insgesamt knapp 140 Hektar an. Bereits seit drei Wochen wird die Sorte Früher Viktoria geerntet; außerdem werden u.a. Auralia, Pirol und Undine angebaut. Hauptsorte ist jedoch der Seestermüher Zitronenapfel. Der schmeckt nicht sauer wie eine Zitrone, sondern die Schale färbt sich zur Reifezeit zitronengelb.

Vor einigen Jahren galt der Seestermüher Zitronenapfel, der auch Goldgelbe Renette oder Kohlapfel genannt wird, als vom Aussterben bedroht, jetzt ist er wieder in vieler Munde. In Diedrichshagen wird er auf insgesamt 40 Hektar angebaut. „Die Sorte trägt gut und ist ideal zum Mosten“, sagt Rosteck. Ein klassischer sogenannter Verarbeitungs- oder Mostapfel also.

Säfte und Kindernahrung: Die meisten Äpfel werden verarbeitet

Aus Verarbeitungsäpfeln werden vor allem Säfte, aber auch Produkte wie Kleinkindernahrung, Wein oder Schnaps hergestellt. Dafür werden im Nordosten Sorten wie der süßaromatische Golden Delicious oder der im Spätherbst reife Rewena angebaut. Die Most-Äpfel machen dabei in MV laut Hornig mit einer Gesamtanbaufläche von knapp 1400 Hektar einen deutlich größeren Anteil aus als Tafeläpfel, die direkt verzehrt werden können. Diese Sorten – dazu gehören unter anderem Elstar, Jonagold oder Jonagored – wachsen in MV auf knapp 300 Hektar.

Hier werden Äpfel gemostet

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) hat eine Liste von Mostereienin MV zusammengestellt. Hier eine Auswahl:

Hofmosterei Tressow: Kontakt: Tel.: 039953 / 79577, hofmostereitressow@gmail.com

Mosterei Pfarrhof Rethwisch: 038203 / 776431, info@mosterei-pfarrhof.de

Mosterei Satow: 038295 / 78206, info@satower-mosterei.de

Güstrower Lohnmosterei: 03843 / 687799, Fetkenheuer@online.de

DERERS Mosterei & Obstbrennerei Elmenhorst: 038327 / 215, info@derers.com

Mosterei Bobbin in Glowe: 0171 / 9986060, info@mosterei-bobbin.de

Möckel Most in Lübseerhagen: 038828 / 20896, a.moeckel@moeckelmost.de

Klützer Mosterei & Brennerei: 038825 / 371267, info@kluetzer-mosterei.de

Eine große Auswahl an Tafeläpfeln wird – neben anderen Obstsorten wie Birnen oder Kirschen – auf den Plantagen des Hofs Medewege bei Schwerin an bis zu 100 Jahre alten Bäumen angebaut. Zu den insgesamt 25 verschiedenen Apfelsorten gehören Raritäten, wie Anton Fischer oder Pfirsichroter Sommerapfel, aber auch gängigere Sorten, wie Holsteiner Cox, Boskop oder Topaz, erklärt Johannes Schmidt, der den Hof Medewege zusammen mit seiner Frau Sophia betreibt.

Viele Obstbauern setzen auf biologischen Anbau

Auch die Medeweger Obstbauern verzeichnen in diesem Jahr erhebliche Einbußen. „Durch den Frost im Frühjahr haben wir einen Ausfall von 85 Prozent im Vergleich zum Vorjahr“, sagt Schmidt. Der Betrieb existiert seit 25 Jahren, und 2018 sei die Apfelernte „so gut wie noch nie“ gewesen – in diesem Jahr aber gebe es „so wenig wie noch nie“.

Der Hof Medewege und Sonnländer Bio Obst setzen auf biologischen Anbau. Dabei werde „auf chemische und synthetische Pflanzenschutzmittel verzichtet“, erklärt Obstanbauberater Hornig. Zudem würden nur organische Düngemittel eingesetzt. Rund 40 Prozent der Gesamtanbaufläche in MV würden auf diese Weise bewirtschaftet. Diese Quote des Bio-Apfelanbaus im Nordosten sei im deutschlandweiten Vergleich „ziemlich gut“, so Hornig.

Apfelbäume auch in Kleingärten beliebt

Nicht nur für den professionellen Anbau sind Äpfel beliebt, sondern auch bei vielen der rund 63 000 Kleingärtner in MV. „Apfelbäume müssen zwar beschnitten werden, sind ansonsten aber relativ pflegeleicht“, sagt der Vorsitzende des Landesverbands der Gartenfreunde MV, Robert Kröger. In den Gärten würden weniger handelsübliche Exemplare, dafür oft alte und einheimische Sorten wachsen, beispielsweise der Hasenkopp, wie der Prinzenapfel in Norddeutschland genannt wird, oder der Holsteiner Cox. Beliebt sei auch die frühreife Sommerscheibe.

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