SCHWAAN - Vom Werkraum auf den Laufsteg – OZ - Ostsee-Zeitung
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Rostock Vom Werkraum auf den Laufsteg
Mecklenburg Rostock Vom Werkraum auf den Laufsteg
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00:20 18.02.2015
Jasmin Mrosack (15) zeigt Teile des Schmucks, den ihre Mitschüler für die 7. Art en Vogue als Projekt im Werkraum fertigen. Fotos (2): Claudia Tupeit
Jasmin Mrosack (15) zeigt Teile des Schmucks, den ihre Mitschüler für die 7. Art en Vogue als Projekt im Werkraum fertigen. Fotos (2): Claudia Tupeit
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Schwaan

Henrik Fischer lässt Dampf ab. Im Werkraum seiner Schule friemelt der 16-Jährige kleinste Dekorationsteile mit dem heißen Lötkolben ans Blech. Kupferfarbene Elemente auf silberfarbenem Grund. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Hauptsache futuristisch und ein Hauch „Old-Western-Stil“. Im Projektkurs Heimwerker an der künstlerisch orientierten Prof.-Franz-Bunke-Schule in Schwaan fertigen Fünft- bis Zehntklässler einmal wöchentlich Schmuck für die Models der siebenten Modenschau „Art en Vogue“.

Am Ende sind Armreife, Ohrringe, Halsketten und Gürtel keine klassische Juwelierkunst, sondern Stücke im Stil von „Steampunk“ — Elemente des viktorianischen Zeitalters gepaart mit Trends des 70er-Jahre-Punk, auch Retro-Futurismus genannt. Das passe perfekt zu „Wanted“, dem aktuellen Motto der „Kunst-trifft-Mode-Veranstaltung“ in der Kunsthalle, sagt Macherin Stefanie Ehrich, die beim Thema Steampunk vom Film „Wild Wild West“ mit Will Smith inspiriert wurde.

„Western aus der Zukunft“ sei ein Hauptteil der Show. Fransen, Ethnomuster, Jeans mit Lederbesatz, all das komme gerade in der Modewelt vor. Vergangenes futuristisch interpretiert. Zehn Monate tüftelt die Friseurmeisterin mit ihrem Team an der Veranstaltung. Dabei seien sie auf die Schüler gestoßen. „Die haben eine tolle Modenschau gemacht mit Kleidern aus Müll“, erzählt die 35-Jährige.

Beeindruckt habe sie Projektleiterin und Lehrerin Maren Lüth nach einer Kooperation gefragt. „Da haben wir uns entschieden, verfremdetes Material zu Schmuckstücken zu machen“, sagt Lüth, die mit Kollegin Karin Warnicke die 14-köpfige Truppe zusammenhält.

Entstanden sind Ringe mit langen, in die Höhe sprießenden Spiralen, breite Gürtel mit Büffelköpfen, starre Halsketten — an einem Halsband mit integrierten Schrauben arbeitet Alexander Blödorn (16).

„Das muss noch entschärft werden mit Schleifpapier“, befindet er, während Kumpel Henrik lieber „aus spontanen Ideen heraus“ Kupferdetails anlötet. „Warum fasst sich das so fettig an?“, will Jasmin Mrosack wissen und ihr Mitschüler erklärt, das liege an der Lötflüssigkeit. Die 15-Jährige greift mit Lucie Albrecht (16) lieber zu Nadel und Faden. Mit einer Schneiderin haben die Mädchen Kleider für die Models genäht, die diese zur Schmuckpräsentation bei der „Art en Vogue“ tragen. „Mit Federn und Schlüsseln zum Beispiel peppen wir Rüschenröcke und Mieder noch auf“, verrät Mrosack, deren Schneidererfahrungen mit dem Nähen von Barbie-Kleidern begonnen haben.

Anfang März stehe die erste Anprobe mit den Mannequins an, sagt Stefanie Ehrich. „Das wird ganz professionell. Wenn etwas angepasst werden muss an das Model, müssen es die Mädchen mit der Schneiderin noch ändern.“ Hinter den Kulissen werden sie als Anziehhilfen präsent sein. Mit dem 21. März, dem Tag der „Art en Vogue“, ist Ehrich ununterbrochen beschäftigt. Für ihre Traummusik — ein Berliner Damenduo — hat sie gesorgt. „Entdeckt auf dem Historischen Weihnachtsmarkt.“ Nun stehe das Casting für die Gaia-Darstellerin an, die „Mutter Erde“ verkörpern soll.

Um die Zukunft geht es auch an der Werkbank in der Schwaaner Schule. Bald heißt es Bewerbungen schreiben für die Tüftler. Henrik und Alexander wollen Konstruktionsmechaniker lernen. Mit ihrem Praxistraining einmal pro Woche im Werkraum dürfte die (berufliche) Zukunft gesichert sein.

Art en vogue mit Cowboys und Indianern
Bei der 7. „Art en Vogue“ erwartet die Zuschauer in der Rostocker Kunsthalle am 21. März um 20 Uhr mit der mythologischen Figur der Gaia ein stark lyrischer Bereich, es gibt Cowboy- und Indianer-angehauchte Mode, die neuesten Teile aus Boutiquen der Stadt und von Designern sowie klischeehafte Gags zu Cowboys und Indianern. Musikalisch wird es mit einem Berliner Frauenduo, es gibt ein Original Indianer-Exponat zu bestaunen sowie den Schmuck und die Kleider der Schwaaner Schüler. Hinterm Vorhang kümmert sich Friseurmeisterin Stefanie Ehrich mit ihrem Team um Haarpracht und Make-up der Models.


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Das wird ganz professio- nell. Wenn etwas angepasst wer- den muss an das Model, müssen es die Mädchen mit der Schnei- derin noch ändern.“ Stefanie Ehrich, Veranstalterin



Claudia Tupeit