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Rostock Von Chinas Schmutz lernen: Warnemünder Meeresforscher in Fernost unterwegs
Mecklenburg Rostock Von Chinas Schmutz lernen: Warnemünder Meeresforscher in Fernost unterwegs
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11:42 28.08.2019
Blick vom Peildeck der „Sonne“ nach achtern zum Südchinesischen Meer. Noch bis Anfang September sind die Meeresforscher aus Warnemünde dort. Quelle: IOW/Ralf Prien
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Warnemünde/Singapur

Die Besiedlung des Ostseeraums wächst – was für das empfindliche Ökosystem Ostsee nicht ohne Folgen bleibt. Welchen Umweltbelastungen die Meere durch Städte, Industrie und Landwirtschaft ausgesetzt sind, das untersuchen zurzeit Forscher vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde an Bord des Forschungsschiffs „Sonne“. Und zwar nicht im Gewässer vor ihrer Haustür, sondern 10 000 Kilometer entfernt, im Südchinesischen Meer.

Vier Wochen lang sind die Wissenschaftler unterwegs. Sie messen, welche Stoffe ins Wasser gelangen und wie viel davon sich am Meeresgrund bereits angelagert hat. Neben lange bekannten Umweltgiften wie PCB und DDT, gehen die Meeresbiologen auch der Belastung neuerer Schadstoffe wie Plastik und Medikamenten nach.

Blick in die Zukunft der Ostsee

100 Millionen Chinesen leben im Einzugsgebiet des Perlflusses. Sie leiden zunehmend an den Folgen einer verschmutzten Umwelt. Der Klimawandel ändert das alles noch einmal, etwa, in dem er Meeresströmungen beeinflusst.

Was hat das mit der Ostsee zu tun? Jede Menge, erklärte die Rostocker Professorin Joanna Waniek, Leiterin der deutsch-chinesischen Expedition, zu Beginn der Forschungsreise. „Wir hoffen zu erfahren, welche Konsequenzen die wachsende Zahl der Menschen im Ostseeraum auf die marine Umwelt, also auf unsere Ostsee, haben könnte.“ Was in China mit seinen Megastädten bereits jetzt passiert, könnte sich an der Ostsee wiederholen. Es ist ein „Blick in eine mögliche Zukunft“, meint die IOW-Forscherin.

12 000 Proben in vier Wochen

Das Programm ist straff organisiert. 30 verschiedene Parameter nehmen die Meeresexperten in den vier Wochen unter die Lupe, und von jedem davon wollen sie 400 Proben zur Auswertung mit nach Warnemünde bringen – was eine Gesamtmenge von 12 000 Proben ergibt. Die Zahl sei aber nicht das Entscheidende, erklärt Fahrtleiterin Waniek. Vielmehr komme es auf eine gute zeitliche und räumliche Verteilung der Probenentnahmen im Untersuchungsgebiet an – was die Aussagekraft der Daten erhöht.

Für die Wissenschaftler an Bord des größten deutschen Forschungsschiffs bedeutet das mitunter harte körperliche Arbeit. Auf einem Blog auf der Internet-Seite des IOW ist auch mal – im ironischen Ton – von „Drecksarbeit“ die Rede – bei der Aufarbeitung von Sedimentproben, die sie aus 1900 Meter Tiefe ans Licht geholt haben.

19 Wissenschaftler vom Institut für Ostseeforschung untersuchen an Bord der Sonne Umweltverschmutzungen im Südchinesischen Meer. Sie haben 20 Tonnen Messgeräte mitgebracht, manche bleiben für Jahre im Wasser.

Die wohl größte Herausforderung war bisher die Installation der „Verankerung“ – eine 1,5 Kilometer lange Leine, vollgepackt mit Messtechnik. Als Befestigung am Meeresboden dienen Eisenbahnräder. Zwei Jahre lang zeichnen die Sensoren Daten über Strömungen, Salzgehalt, Temperatur und Nährstoffe auf. 2021 wird das High-Tech-Gebilde zur Auswertung wieder eingesammelt.

20 Tonnen Messgeräte

Der Aufwand für die Forschungsreise ist enorm. Vier 20-Fuß-Container reisten aus Warnemünde zum Startpunkt der Expedition nach Singapur, denn die „Sonne“ ist nicht in der Ostsee gestartet, sondern war bereits in dem Seegebiet unterwegs. Jeder einzelne Container ist fünf Tonnen schwer und bis oben vollgepackt mit wissenschaftlichen Geräten.

Für Joanna Waniek ist es bereits die 35. See-Forschungsreise und die fünfte in die chinesische Region. 16 Mitglieder der 40-köpfigen Wissenschaftlergruppe sind aus China, 19 vom IOW. „Man lernt viel von den Kolleginnen und Kollegen aus beiden Nationen“, erklärt Waniek. Das Interesse an Umweltthemen in China wachse. Die Zusammenarbeit mit den chinesischen Kollegen und der Alltag an Bord laufe angenehm und reibungslos, berichtet die Rostocker Professorin. Beim Essen werde mal deutsch oder europäisch gekocht, an anderen Tagen steht asiatische Kost auf dem Speiseplan.

Forschen rund um die Uhr

Freizeit gibt es während der vier Wochen so gut wie nicht, auf der „Sonne“ wird rund um die Uhr gearbeitet, in drei Schichten. Die wenige freie Zeit verbringen die Teammitglieder mit Lesen, Musik hören, Gesprächen und Schlafen. „Manch einer geht in den Sportraum, andere genießen einfach den Ausblick aufs Wasser“, sagt Joanna Waniek.

Die Expedition, die Anfang September im Zielhafen Hongkong endet, findet im Rahmen des deutsch-chinesischen Verbundprojekts Megapol statt, das vom Bundesforschungsministerium finanziert wird.

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