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Rostock Von der Kuh ins Kühlregal: So entstehen Milchprodukte bei Arla in Upahl
Mecklenburg Rostock Von der Kuh ins Kühlregal: So entstehen Milchprodukte bei Arla in Upahl
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19:56 03.10.2019
Das Arla-Werk aus der Vogelperspektive. Im Drei-Schicht-System werden dann Frischmilchprodukte, Quark und Joghurt besonders für den deutschen, britischen und skandinavischen Markt hergestellt. Quelle: Robert Grahn
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Upahl

Geschickt lenkt Henry Wiencke den Gabelstapler durch das Lager und transportiert die Paletten von A nach B. Er hat den kältesten Arbeitsplatz bei Arla in Upahl – dem größten Werk für fermentierte Frischmilchprodukte der Arla-Gruppe weltweit. Dicke Jacke, Pudelmütze und Handschuhe müssen schon sein, wenn er nicht frieren und sich keine Erkältung einfangen will. Fünf Grad Celsius zeigt das Thermometer. Auf den Stapler „aufgespießt“ hat er gerade Arla Skyr Natur, ein traditionelles isländisches Produkt und Verkaufsschlager der Molkerei. Wie der in die Packung kommt, durfte die OZ live miterleben – bei einem Blick hinter die Kulissen.

Vor den Toren der Molkerei stehen mit Rohmilch beladene Lkw. 430 Landwirte beliefern das Werk in Upahl. Die Höfe liegen nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern, sondern auch in Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein. 33,4 Cent pro Liter konventioneller Milch zahlt die Molkerei aktuell ihren Genossenschaftsmitgliedern. „Damit kommt man derzeit zwar klar“, meint Landwirt Jens Oldenburg aus Rüting. Allerdings sei die Marktsituation angespannt „und wir Milchbauern würden es sehr begrüßen, wenn der Lebensmittelhandel und die Verbraucher bereit wären, mehr für die Herstellung des wertvollen Lebensmittels Milch zu zahlen.“ Nur so könne auf Dauer nachhaltig und erfolgreich gewirtschaftet werden. Jens Oldenburg hat 380 Kühe, deren Milch alle zwei Tage abgeholt wird. 19 000 Liter kommen dann zusammen.

In Upahl werden pro Tag 1,2 Millionen Liter Milch angeliefert. Verarbeitet worden sind im vergangenen Jahr mehr als 425 Millionen Kilogramm Milch, davon mehr als 100 Millionen Kilogramm Biomilch. Im Drei-Schicht-System werden dann Frischmilchprodukte, Quark und Joghurt besonders für den deutschen, britischen und skandinavischen Markt hergestellt.

Nach Schnelltests hinsichtlich der pH-Werte, möglicher Antibiotikarückstände und Geschmack wird die Milch per Schlauch in die Silotanks gefüllt. Zu sehen ist an diesem Arbeitsplatz nicht viel – nur auf Hochglanz polierte Stahlbehälter und Leitungen, verrät Ejvind Hansen Skødt. Seit April 2018 ist der Däne Werksleiter in Upahl. Doch bevor sich die Reporterin die Silos anschauen kann, muss sie mit Sicherheitsschuhen, weißem Kittel, orangefarbener Warnweste, Schutzbrille und rotem Haarnetz bekleidet eine Sicherheitsschleuse betreten. Hände waschen und desinfizieren, über eine Schuhputzanlage gehen und schon stehen wir mitten im Werk.

Ejvind Hansen Skødt leitet das Werk in Upahl seit 2018. Quelle: Silke Winkler

Milch ist in dem Raum, in dem sich die Silos befinden, in der Tat nicht zu sehen. Der Geruch erinnert ein wenig an die Kindergartenzeit, als warme Milch serviert worden war. Mitarbeiter – insgesamt arbeiten in Upahl 520 – sind hier nicht zu sehen.

Ein Blick in die Quarkerei. Quelle: Silke Winkler

Nächste Station ist die Quarkerei nebenan – der Geburtsort des Skyr. Hier entsteht die Rohmasse für das Produkt, das mit Quark oder dickflüssigem Joghurt zu vergleichen ist. Vom eigentlichen Produkt ist auch hier aus Gründen der Lebensmittelsicherheit wieder nichts zu sehen – nur jede Menge Rohre und Silotanks. Der Werksleiter versucht für Unwissende so verständlich wie möglich zu erklären, was in dem sogenannten Separator passiert. „Mit 2000 Umdrehungen in der Minute werden die Rohmasse und die Molke getrennt“, sagt Ejvind Hansen Skødt. So entstehen pro Stunde 25 Tonnen Skyr – etwa 300 Tonnen täglich.

Innovationschef Christian Trgo an der neuen Pilotanlage. Quelle: Silke Winkler

In der sogenannten Abfülllinie wird der auf acht Grad Celsius heruntergekühlte Skyr in die Becher gefüllt. Selbstverständlich muss sich das Unternehmen nun die Frage gefallen lassen, wie umweltfreundlich denn eigentlich ihr Verpackungsmaterial ist. Die Joghurtbecher, so Pressesprecher Markus Teubner, seien auf umweltfreundliches Material umgestellt worden. „Uns ist bewusst, dass das ein großes Thema ist, und wir wollen Vorreiter sein“, sagt auch Christian Trgo, Innovationsdirektor bei Arla Foods Deutschland. Derzeit wird auch an einer Umstellung der Milchkartons gearbeitet. „Handel und Konsument müssen aber auch bereit sein, das zu bezahlen“, ergänzt er.

Aber auch über die Verpackung hinaus gibt es ehrgeizige Umweltziele. „Gemeinsam mit unseren Landwirten wollen wir den Übergang zu einer nachhaltigen Milchproduktion drastisch beschleunigen. Unser Hauptziel ist, die Treibhausgasemissionen in den nächsten zehn Jahren um 30 Prozent pro Kilogramm Milch zu senken. 2050 wollen wir klimaneutral produzieren“, erklärt Markus Teubner.

Die Produkte auf dem Weg in Richtung Kühlhaus. Verarbeitet worden sind im vergangenen Jahr mehr als 425 Millionen Kilogramm Milch, davon mehr als 100 Millionen Kilogramm Biomilch. Quelle: Jana Franke

Durch kleine Fensterscheiben in großen Maschinen ist zu sehen, wie der Skyr in die Becher gefüllt wird. Alles geht automatisch: füllen, versiegeln, mit Mindesthaltbarkeitsdatum versehen, verdeckeln, einsortieren. In Sechser-Steigen kommen die 500 Gramm-Becher aus der Maschine und bewegen sich über ein Förderband durch eine Sicherheitsschleuse. Alle drei bis vier Sekunden fahren zwölf Skyr durch den Metalldetektor. „Sobald sich etwas in dem Becher befindet, was dort nicht reingehört, würde er anschlagen“, erklärt Ejvind Hansen Skødt.

Prüft den Skyr auf seine Festigkeit: Laborantin Alice von Moszczenski. Quelle: Jana Franke

Skyr ist vor allem in Dänemark sehr beliebt. „Kaum ein Kühlschrank, in dem sich das Produkt nicht findet“, erklärt der Werksleiter und nimmt eine Skyr-Fruchtmischung in die Hand, die noch im Labor untersucht wird – unter anderem auf Festigkeit. „Das ist das Frühstück für viele Familien“, weiß er. Auch in Deutschland habe sich das Produkt in den vergangenen vier Jahren für Arla zum wichtigen Umsatzbringer entwickelt.

Fototermin vor der neuen Pilotanlage: (v.l.) Werksleiter Ejvind Hansen Skødt, Landwirt Jens Oldenburg aus Rüting und Innovationschef Christian Trgo. Quelle: Jana Franke

Sein Werk in Upahl stärken will Arla mit einer neuen Pilotanlage und einem angeschlossenen Labor zur Entwicklung und Herstellung von Frischmilchprodukten. „Auf der Anlage werden in erster Linie Joghurt und Quark sowie Milchgetränke entwickelt und für die spätere industrielle Serienproduktion getestet“, informiert Pressesprecher Markus Teubner. Auf ihr lassen sich zum Beispiel verschiedene cremige Texturen, Geschmacksrichtungen und Abfüllungen sowie unterschiedliche Haltbarkeiten von Joghurt- und Quarkvarianten und Milchgetränken entwickeln und testen.

Ist alles richtig verschlossen und stimmt das Haltbarkeitsdatum? Olaf Kühl prüft es. Quelle: Jana Franke

Zahlen und Fakten

Die Molkerei in Upahl ist 1993 gebaut worden. Die erste Milch ist am 16. September 1994 angenommen worden.

Im Jahr 2003 ist die Hansa-Milch AG gegründet worden, die 2011 mit der dänisch-schwedischen Arla Foods fusionierte.

Seinen Ursprung hat Hansa-Milch in Lübeck. Nach der Wende breitete sich das Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern aus. Für Upahl wurden alte Standorte aufgegeben.

Die Produktpalettebesteht aus rund 40 verschiedenen Milchprodukten. Dazu zählen unter anderem Frischmilch sowie Milchmischgetränke, Sahne, Joghurt, Quark, Skyr und Milchpulver.

Es dauert knapp 60 Stunden, bis die Rohmilch von der Kuh zu verkaufsfertiger Trinkmilch verarbeitet wird.

Mit 520 Mitarbeitern gehört Arla Foods zu den größten Arbeitgebern der Region und bietet eine Berufsausbildung als Mechatroniker, Milchtechnologe und milchwirtschaftlicher Laborant sowie seit Kurzem auch ein duales Bachelorstudium im Bereich Lebensmitteltechnologie in Kooperation mit der Hochschule Neubrandenburg an.

Mit der Investition von mehr als einer Million Euro in die Anlage baut Arla das Milchwerk in Upahl als Exzellenzzentrum für die Herstellung von Frischmilchprodukten aus. „Zukünftig können wir Produktinnovationen zielgerichteter, einfacher und schneller entwickeln und auch die Wünsche unserer Handelspartner bei neuen Produkten noch besser erfüllen“, argumentiert Markus Mühleisen, Deutschland-Chef von Arla Foods, das in den vergangenen drei Jahren knapp 60 Millionen Euro in das Werk investiert hat.

Pratikantin Vanessa Flottmann Quelle: Jana Franke

An einem neuen Produkt haben sich Entwickler Thomas Rechenauer und Praktikantin Vanessa Flottmann ausprobiert – wenn auch nur für einen kleinen Kreis von Gästen, die zur Einweihung der Pilotanlage gekommen sind. Skyr Typ Cheesecake. Das Rezept lässt sich das Duo natürlich nicht entlocken. Lecker schmeckts, so viel steht fest. Was viel Protein, die richtige Süße und Zitrone so ausmacht. 18 Rezepturen gleichzeitig können mit der Pilotanlage zum Testen hergestellt werden. Es ist quasi eine Molkerei im Kleinformat, ein Spielplatz, wie es Christian Trgo scherzhaft nennt. Sind die neuen Produkte hergestellt und getestet, wird im Marketing entschieden, ob es etwas für den großen Markt ist. „Es wäre natürlich toll, wenn eine Entwicklung wie Skyr Typ Cheesecake, an der ich mitgearbeitet habe, später im Kühlregal wiederzufinden ist“, meint Studentin Vanessa Flottmann.

Geschickt lenkt Henry Wiencke den Gabelstapler durch das Lager und transportiert die Paletten von A nach B. Quelle: Jana Franke

Zurück zum Skyr, der die letzten Meter bis zum Abtransport nimmt. Der Metalldetektor schlägt nicht an. Per Förderband geht es wie auf einer spiralförmigen Rolltreppe in die Höhe Richtung Palettier-Anlage. Dort hebt ein großer Roboterarm den Skyr runter, der dann in das Kühlhaus rollt. Und nun ist er hier auf dem Gabelstapler von Henry Wiencke. Vor den Toren des Lagers wartet ein Lkw, der mit der Leckerei beladen wird. Wenig später setzt sich das Fahrzeug in Richtung Kunden in Bewegung. Henry Wiencke rückt seine Mütze zurecht, setzt den Gabelstapler zurück und lenkt ihn geschickt durchs Lager.

Von Jana Franke

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