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Rostock Einmal Brücke für 20 Pfennige
Mecklenburg Rostock Einmal Brücke für 20 Pfennige
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18:05 23.06.2019
Die Seebrücke von Arendsee auf einer alten Postkarte. 1938 wurde Arendsee übrigens gemeinsam mit Brunshaupten und Fulgen zum Ostseebad Kühlungsborn. Quelle: SAMMLUNG KLAUS DITTMANN
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Bad Doberan

Mit Inkrafttreten der neuen Polizeiordnung vom 20. März 1914 galt erstmalig auch eine Brückenordnung für den Bereich des Großherzoglichen Amtes Doberan. Sie beinhaltete die Benutzung und Instandhaltung der Seelandungsbrücken an der Ostsee. Vorschriften waren notwendig geworden, weil überall in den Ostseebädern in schneller Folge Landungsbrücken entstanden waren und sich die Dampfschifffahrt zwischen den Bädern rasch entwickelte.

In Brunshaupten ließ der Besitzer der „Strandperle“ bereits um 1900 einen ersten Seesteg von 120 Metern Länge in die Ostsee bauen. Im Jahre 1905 entstand hier eine neue, drei Meter breite und 200 Meter lange stabile Schiffsbrücke. Die Brücke im Nachbarort Arendsee, die etwa zur gleichen Zeit errichtet wurde, maß sogar 215 Meter, so dass nun das nicht ganz ungefährliche und beschwerliche Ausbooten der Fahrgäste im tiefen Wasser entfiel. Denn ein stabiler Brückenkopf erleichterte das sichere Anlegen der Dampfer auch bei bewegter See.

Seit dem 25. Juni 1901 verkehrten in der Badesaison erstmals regelmäßig Dampfschiffe zwischen Warnemünde, Brunshaupten und Arendsee. Im Juni 1905 konnten die Sommergäste täglich mit einem Schraubendampfer von Wismar über Arendsee das Ostseebad Brunshaupten erreichen. Im Jahre 1911 fuhr z.B. während der Saison täglich der Dampfer „Fürst Blücher“ von Rostock bis Arendsee und zurück.

Baulicher Zustand wurde überprüft

Schon der erste Paragraph der Brückenordnung verpflichtete die Gemeindevertretungen der Badeorte, in denen Seebrücken existierten, vor Beginn jeder Saison deren baulichen Zustand durch einen Sachverständigen überprüfen zu lassen. Um die ständige Sicherheit auf den Seelandungsbrücken zu gewährleisten, waren die Kommunen angehalten, mindestens einen Brückenwärter anzustellen, der im Bereich der Brücke Aufsicht führte und für alle Belange zuständig war. Erkennen konnte man ihn an seiner Dienstmütze mit der Aufschrift „Brückenwärter“, die er während seiner Arbeitszeit trug. In Arendsee übte der hiesige Arbeiter Ludwig Möller diese Tätigkeit als erster aus. Besondere Achtung und Anerkennung erwarb sich bei Gästen und Einheimischen der langjährige Arendseer Brücken- und Strandwärter Wilhelm Schulz. Ihn zeichneten Freundlichkeit, korrektes Verhalten und Hilfsbereitschaft aus. Er war bei der Gemeindeverwaltung als Arbeiter angestellt. Schulz fuhr, bevor er diese Aufgaben erfüllte, lange Jahre zur See. Für seine Tätigkeit als Brückenwärter in der Saison entschädigte ihn die Gemeindeverwaltung mit recht bescheidenen 28 Reichsmark pro Woche. Wilhelm Schulz fischte nebenberuflich, verantwortete als Feuerwehrhauptmann viele Jahre die Arbeit der Wehr in Arendsee und leitete zusätzlich die Ausbildung und ständige Qualifizierung der Feuerwehrmänner.

Schulz kontrollierte, so wie es der Paragraph 3 der Brückenordnung vorsah, in der Saison täglich den baulichen Zustand der Brücke und überwachte das gesamte Geschehen von morgens bis zum Einbruch der Dunkelheit. Dazu gehörte nicht nur das sofortige Melden von Schäden und jeder verdächtigen Veränderung an den Gemeindevorstand, sondern er hatte auch die Vollständigkeit und Funktionstüchtigkeit der Rettungsmittel an der Brücke zu überprüfen und dafür zu sorgen, dass die Dampfer ihre Anlegezeiten einhielten und nicht mehr Gäste an Bord nahmen, als behördlich zugelassen waren. Schulz war sogar berechtigt, bei großem Menschenandrang auf der Brücke und bei schwerem Sturm diese zeitweilig für Besucher zu sperren. Er achtete auch darauf, dass die Brückenordnung sichtbar und für jedermann lesbar aushing.

Augenmerk auf Anlegen der Dampfer

Sein spezielles Augenmerk hatte er auf das vorgeschriebene Anlegemanöver der Dampfer zu richten. Dies war deshalb erforderlich, weil die aus Holz bestehenden Dalben nicht die Widerstandsfähigkeit der heutigen, meist aus Metall gefertigten Pfosten besaßen. So war es den Dampfern grundsätzlich verboten, an der Luvseite der Brücke anzulegen, um diese vor Schaden zu bewahren. Aus Sicherheitsgründen konnte der Brückenwärter bereits fünf Minuten vor Ankunft eines Dampfers den Brückenkopf für die Besucher sperren, um Neugierige fernzuhalten sowie Hektik und Drängeln beim Ein- und Aussteigen zu vermeiden. Er achtete darauf, dass alle ankommenden Fahrgäste das Brückengeld in Höhe von 0,20 Reichsmark entrichteten und händigte den Kapitänen der anlegenden Schiffe im Auftrage der Gemeindeverwaltung Brückenkarten und die notwendigen Abrechnungsformulare aus und nahm ihre wöchentliche Abrechnung entgegen. Ein solches Brückengeld wurde erhoben, um die Finanzierung der ständigen Reparaturen an den Seebrücken zu sichern. Es reduzierte sich in der Zeit des Nationalsozialismus für K.D.F.- Reisende um die Hälfte. Laut Protokoll der Stadtverwaltung erübrigte sich ab dem 20. Mai 1940 die Bezahlung von Pauschal-Brückengeld für ankommende Gäste, weil die Seelandungsbrücken sowohl in Kühlungsborn-Ost als auch in Kühlungsborn-West derartig beschädigt waren, dass das Anlegen von Dampfern nicht mehr möglich war.

In einer Polizeilichen Anordnung des Gemeindevorstandes Brunshaupten bezüglich der Kinderheime aus dem Jahre 1927 heißt es im Paragraph 8: „Die Landungsbrücken dürfen nur vorübergehend und stets nur von 20 Kindern gleichzeitig bei genügender Aufsicht betreten werden. Zur Zeit des Eintreffens und Anlegens der Dampfer dürfen sich Abteilungen aus Kinderheimen nur dann auf der Brücke aufhalten, wenn sie den Dampfer benutzen wollen.“

Auf der Brücke forderten Hinweisschilder die Besucher auf, rechts zu gehen, Hunde anzuleinen und die Brücke nicht als Sprunggelegenheit ins Wasser zu nutzen.

Strenge Sicherheitsbestimmungen

Sehr streng waren damals die Sicherheitsbestimmungen für das Retten von Verunfallten im Brückenbereich formuliert. Am Brückengeländer befanden sich zwei Stangen mit Rettungshaken und 2 bis 6 Rettungsringe mit langen Leinen. Außerdem lag jeweils ein Rettungsboot ständig einsatzbereit an jeder Brückenseite. Zum Herabsteigen in die Boote waren eine oder zwei Rettungsleitern mit Hakenvorrichtungen an der Brücke gefordert.

Wie genau die Brückenwärter ihren Dienst im Auftrage der Gemeindeverwaltungen im Jahre 1914 versahen, sollen zwei Beispiele aus Heiligendamm verdeutlichen: Kapitän Berghändel aus Rostock hatte mit seinem Dampfer „Hohenzollern“ am 2. Juli 1914 gegen 15 Uhr an der verbotenen Luvseite des Brückenkopfes der Seebrücke festgemacht. Einen Tag später verstieß Kapitän Lehrmann aus Rostock ebenfalls gegen die Vorschrift und legte seinen Dampfer „Müritz“ an der Luvseite an. Die beiden Verstöße gegen die Brückenordnung wurden mit einer Strafverfügung über je 6,50 Reichsmark geahndet.

Ob es sich um Unkenntnis der gerade in Kraft getretenen Brückenverordnung oder um Fahrlässigkeit der Kapitäne handelte, ist nicht aufgezeichnet. Doch die Strafe hat die beiden Männer vermutlich hart getroffen, weil sich Kapitäne und Brückenwärter über Jahre kannten und in ihren Tätigkeiten ergänzten.

Jürgen Jahncke

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