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Rostock Brandgefahr: Höchste Alarmstufe in der Rostocker Heide
Mecklenburg Rostock Brandgefahr: Höchste Alarmstufe in der Rostocker Heide
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07:25 27.07.2019
Revierförster Sven Ahrens (50) zeigt einen Baumstamm, der bei einem Feuer im vergangenen Jahr von innen ausgebrannt ist. Quelle: André Horn
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Rostock

Absolute Vorsicht, sonst brennt die Heide: Für den Rostocker Wald gilt ab Sonntag die Waldbrandgefahrenstufe 4. Das ist die höchste Alarmstufe. „Es reicht oft schon aus, beim Autofahren die Kippe aus dem Fenster zu schnippen, um einen Brand auszulösen“, sagt Sven Ahrens, Revierförster im Stadtforstamt. Viele würden die Gefahr jedoch unterschätzen.

Auf dem Waldboden liege derzeit viel trockenes, organisches Material. „Das glimmt sehr schnell“, erklärt Ahrens die Hintergründe. Besonders tückisch sei dabei, dass sich der Brand zunächst unterirdisch ausbreite. „Dadurch sehen wir das Feuer zunächst nicht. Wir riechen es nur und haben Schwierigkeiten, es zu orten.“ Der Brand krieche dann in die Baumstämme. So wie im vergangenen Sommer, im August: Hier loderte ein Feuer zwei Wochen lang, am Ende waren 800 Quadratmeter Wald betroffen. „Erst als der Wind aufkam, konnten wir den Brand sichten, weil dadurch die Flammen angefacht wurden“, blickt Ahrens zurück.

Gefahr durch’s Grillen

Die Forstamtsmitarbeiter entdeckten beim Löschen Kochgeschirr und eine Flasche Schnaps am Brandort. „Nur ein bis drei Prozent der Brände entstehen durch natürliche Ursachen wie einen Blitzeinschlag“, sagt Ahrens. Den Rest verursache der Mensch durch fahrlässiges oder vorsätzliches Handeln.

Forstamtsmitarbeiter und Polizei gehen auch gegen Wild-Camper vor, um die Gefahr zu minimieren.

In der Rostocker Heide gebe es inzwischen nur selten Brände, so Ahrens. Früher sorgten vor allem Schießübungen beim Militär, das Sprühen von Funken auf den Bahngleisen oder Brandstiftungen für Feuer. Heute gehe die Gefahr neben glimmenden Zigarettenstummeln eher von Wild-Campern aus. „Beim Zelten ist schnell mal ein Grill angeworfen“, sagt Ahrens. Das sei bei den derzeitigen Bedingungen jedoch strengstens zu unterlassen. „Die Bäume sind knochentrocken. Wir haben kein Wasser im Boden“, gibt der Förster zu Bedenken.

Viel Aufklärung nötig

Die Forstamtsmitarbeiter müssten viel Aufklärungsarbeit leisten. „Die meisten Besucher sind dabei einsichtig. Es gibt aber auch einige, die es drauf anlegen“, berichtet Ahrens. In solchen Fällen zieht er dann die Polizei aus Markgrafenheide hinzu. So wie am Freitagmorgen, als eine Gruppe zwischen den umgefallenen Bäumen am Strand gezeltet hat. Für diese Ordnungswidrigkeit sind 75 Euro fällig.

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Am Wochenende sind die Mitarbeiter nun verstärkt auf Kontrollgängen im Einsatz. Hilfreich seien dabei Hinweise der Bürger. „Der Wald gehört den Rostockern. Wer daher eine Ordnungswidrigkeit oder eine Gefährdung sieht, kann gerne ein Handyfoto machen und uns per Mail an forstamt@rostock.de schicken“, sagt Ahrens. Insgesamt müssen er und seine Kollegen 6000 Hektar Wald im Blick haben.

Kurzer Draht zur Feuerwehr

Kommt es zum Brand, sei der Draht zur Feuerwehr besonders kurz. „Einige unserer Waldarbeiter sind in der Freiwilligen Feuerwehr Hinrichshagen. Ihre Ortskenntnisse sind ein riesiger Vorteil. Wir brauchen nur zu sagen, welche Schneise betroffen ist, schon wissen sie Bescheid, wo das ist.“

Die Waldbrandgefahrenstufe wird täglich nach einer bestimmten Formel berechnet. „Dabei spielen Temperatur, Niederschlag und Wind eine Rolle, aber auch Bodenfeuchtigkeit und Vegetation“, sagt Ahrens. Eine hohe Waldbrandgefahr bestehe zum Beispiel auch im Frühjahr, obwohl es zu dieser Zeit noch nicht so heiß ist. „Hier liegt noch sehr viel getrocknetes Material aus dem Vorjahr auf dem Boden“, erklärt Ahrens. Erst mit dem Austreiben der Birke beginne die frische Bodenvegetation.

Das ist zu beachten

Am Wochenende ist in der Rostocker Heide unbedingt zu beachten:

– Im und am Wald (Mindestabstand: 50 Meter) darf kein Feuer entzündet werden; auch nicht am Strand

– Rauchen Sie nicht im Wald und in der Feldflur!

– Werfen Sie keine glimmenden Zigaretten aus dem Auto!

– Aus betrieblichen Gründen anzulegende Feuer im oder am Wald sind bei der Forstbehörde und der Feuerwehrleitstelle mindestens 24 Stunden vorher anzuzeigen; Brandschutzauflagen ist unbedingt Folge zu leisten

– Das Befahren von nichtöffentlichen Waldwegen und das Parken von Fahrzeugen auf Waldwegen und trockenen Wiesen sind zu unterlassen

– Beim Bemerken von Bränden in Wäldern, Heideflächen und auch Mooren sollte schnellstmöglich die Feuerwehr über den Notruf 112 alarmiert werden

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André Horn

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