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Rostock „Kein Fest der großen Geschenke“: Das kommt bei bekannten Warnemündern auf den Gabentisch
Mecklenburg Rostock

Warnemünde: Geschenke von Jacqueline Boulanger oder Alexander Prechtel

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12:00 24.12.2021
In Warnemünde wurden mehrere Personen gefragt, was und wie viel sie an Weihnachten verschenken wollen. Bei Andreas Buhse dreht sich alles um Schallplatten und so wird er diese Jahr ein paar besondere Scheiben verschenken.
In Warnemünde wurden mehrere Personen gefragt, was und wie viel sie an Weihnachten verschenken wollen. Bei Andreas Buhse dreht sich alles um Schallplatten und so wird er diese Jahr ein paar besondere Scheiben verschenken. Quelle: Martin Börner
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Weihnachten im Ostseebad: Auf dem Kirchenplatz sorgt die große Tanne für Weihnachtsstimmung, viele Häuser sind festlich geschmückt, die Warnemünder mit ihren Familien unterwegs oder zu Hause. Der Musiker und Produzent Andreas Buhse freut sich auf ein paar besinnliche Tage im kleinen Familienkreis. „Wir feiern zusammen mit unseren beiden Söhnen, der Schwiegertochter und dem Enkelkind“, erzählt er. „Also im engen Kreis. Meine Mutter ist im Pflegeheim, das wird leider nichts mit dem gemeinsamen Feiern.“

Weihnachtsbudget 502 Euro

Umfragen zufolge geben die Menschen in Deutschland im Durchschnitt 502 Euro für Weihnachtsgeschenke aus. Für den Inhaber vom Plattenladen „Coaast“ ein überzogener Wert. „Das ist zu viel“, sagt er. Buhse legt beim Schenken viel Wert auf den persönlich Geschmack der Beschenkten. „Meine Söhne hören gern Musik, also bekommen sie Platten, die ich persönlich auswähle“, sagt er. „Außerdem gibt es den Warnemünder Tidingsbringer und dann noch eine Kleinigkeit.“ Für den Enkel gibt es vor allem Spielsachen. „Meine Frau und ich schenken uns hingegen nichts“, sagt Buhse. „Wenn wir alle zusammensitzen, zusammen essen und trinken – das freut mich.“

Viel Gesang zum Fest

Die gemeinsame Zeit mit der Familie und Freunden ist auch für die Warnemünder Jazz-Sängerin Jacqueline Boulanger das schönste Geschenk. „In diesem Jahr werde ich nichts großartiges Materielles verschenken und mir damit auch ein wenig den Druck nehmen“, sagt sie. „Ich glaube, wir erleben momentan alle eine Art Werteverschiebung. Meine Kinder kommen, wie jedes Jahr aus Berlin angereist. Bisher haben wir immer viel Zeit damit verbracht Geschenke auszupacken, sie zu bestaunen und kleine Geschichten über ihre Ursprünge zu berichten.“ Wunderschön sei aber auch die Freude am Musizieren. „Mein bester Freund spielt Chello, seine Freundin Klavier, meine Tochter singt unfassbar gut und mein Sohn spielt Gitarre und singt mit sonorer Stimme dazu.“

Wie im vergangenen Jahr mit ihren Musikerkollegen möchte Boulanger mit ihrer Familie singend an Haustüren klopfen und die Nachbarn zum Mitsingen und Lachen animieren. Was auch nicht fehlen darf zum Fest: Süßigkeiten und selbst gemachter Rotkohl.

Jacqueline Boulanger wird dieses Jahr Zeit verschenken, die sie mit ihren Liebsten verbringen will. Quelle: Martin Börner

Alle sind geboostert

Auch Klaus Möller, Vorsitzender des Leuchtturmvereins, mag es besinnlich. „Wir werden in ganz kleiner Runde mit Kindern, Schwiegerkindern und dem Enkelkind feiern“, sagt er. „Wir sind alle geboostert und fühlen uns sicher.“ Während das Enkelkind beschenkt wird, freut sich der Leuchtturmmann eher über kleine Aufmerksamkeiten. Sein großer Wunsch ist ohnehin kein materieller. „Ich wünsche mir, dass wir Zeit zusammen verbringen und alle gesund bleiben“, so der 71-Jährige.

Viele Warnemünder verschenken in diesem Jahr regionale Produkte. „Das geht von Honig über Kaffee bis zu Spirituosen“, sagt Karin Günther, Verkäuferin im Feinkostladen „Genusswelt“. Die Wahl gehe dabei immer öfter zu hochwertigen Produkten. Produkte mit weihnachtlicher Verpackung werden in diesem Jahr eher stehengelassen – das normale Sortiment sei gefragt. Persönlich legt Günther Wert auf Kleinigkeiten. „Es ist schön, wenn Freunde und Bekannte aufmerksam sind. Wenn ich im Laufe des Jahres mal was erwähnt habe und die gut zuhören, sich das merken und ein entsprechendes Geschenk machen, freut mich das“, sagt sie. Auch sie versucht im Laufe des Jahres immer wieder herauszufinden, womit man den anderen eine Freude machen kann. „Ich bin kein Fan von Gutscheinen“, sagt sie.

Viele Wünsche für Warnemünde

Auch Alexander Prechtel findet Gutscheine langweilig. Wichtig sei es, aufmerksam zu sein und nicht auf die eigenen, sondern die Wünsche des zu Beschenkenden einzugehen. „Das aber nicht zu üppig. Weihnachten ist kein Fest der Geschenke und soll es auch nicht werden.“ Ob das Budget von 502 Euro überzogen ist, könne nicht pauschal gesagt werden. „Ich habe drei Kinder, drei Schwiegerkinder und neun Enkel“, so der 75-Jährige. „Da kommt natürlich was zusammen – aber das relativiert sich.“ Prechtel wird in diesem Jahr nicht im Ostseebad feiern. „Wir machen das immer abwechselnd. Ein Jahr sind wir hier, ein Jahr zu Besuch“, sagt er. „In diesem Jahr sind wir bei der Tochter in Hamburg.“

Persönlich wünscht sich das Rotary-Club-Mitglied, dass es der Familie weiterhin gut geht und die Pandemie, die alle so fürchterlich belastet, endet. Auch für das Ostseebad hat er Wünsche. „Ich wünsche mir, dass die vielen Projekte, die in Warnemünde anstehen, wie etwa das Brunnen-Projekt, realisiert werden.“

Wie viel geben die Warnemünder an Weihnachten aus?

Die Konsumenten sind in Kauflaune. Trotz anhaltender Pandemie und Inflationssorgen steigt Umfragen zufolge das durchschnittliche Weihnachtsbudget der Deutschen. Demnach planen knapp die Hälfte der befragten Konsumenten in diesem Jahr, mehr Geld für Weihnachtsgeschenke auszugeben. In Summe ergibt das ein durchschnittliches Weihnachtsbudget der Konsumenten von 502 Euro.

In Warnemünde gehen die Meinungen dazu auseinander. „Ja, 500 Euro würden hinkommen“, sagt Adelheid Leplow. Die Rentnerin beschenkt nur noch ihre fünf Enkel, die vorwiegend Spielzeug und Kleidung bekommen. „Was gerade so anfällt. Süßigkeiten eher weniger“, sagt die 67-Jährige.

Für Duc Ta hingegen sind 500 Euro Budget an Weihnachten zu viel. „Wir geben viel weniger aus, da wir an Weihnachten nicht so viel verschenken. Lieber schenken wir auch mal zu anderen Gelegenheiten im Jahr“, sagt der 33-Jährige. Der Angestellte verschenkt zu Weihnachten meist Parfüm und Kleidung. „Die Klassiker“, wie er sagt.

Nicole Zarse meint: „Ja, fast 500 Euro gebe ich aus.“ Die Erzieherin liegt mit ihren Ausgaben knapp darunter. Zu Weihnachten verschenkt sie überwiegend Spielzeug, Spiele, Drogerieartikel und Elektrogeräte, vorwiegend an die engere Vewandtschaft. „Kinder, Eltern, Geschwister, Großeltern“, sagt die 31-Jährige.

Rentnerin Regine Schleusner hat keine Ausgaben für Weihnachtsgeschenke. „Wir schenken uns schon lange nichts“, sagt die 73-Jährige.

Von Katharina Ahlers