Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Warnemünder Gastronom fordert Mindestverzehr von seinen Gästen
Mecklenburg Rostock

Warnemünder Gastronom fordert Mindestverzehr von seinen Gästen

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:41 03.01.2020
Lucio Ancora (57) und seine Lebensgefährtin Andrea Gamboa Rodriguez (29) betreiben das "Sole Mio" in Warnemünde. Quelle: Maria Baumgärtel
Anzeige
Warnemünde

Lucio Ancora (57) ist verärgert: „Man kann doch kein Geschäft auf Kosten anderer Geschäfte machen.“ Gemeint ist damit die Veranstaltung rund um das Warnemünder Turmleuchten am 1. Januar. Kritik äußert er vor allem an den Veranstaltern. „Aber auch die Besucher haben sich rücksichtslos benommen“, empört er sich. Seine Reaktion auf das Event: Alle Gäste, die sein Restaurant betreten wollen, müssen mindestens für 30 Euro verzehren.

Seit einem Jahr betreibt der erfahrene Gastronom, dem einst das renommierte, italienische Restaurant „Da Vinci“ am Stadthafen in Rostock gehörte, das „Sole Mio“ im Hotel am Leuchtturm an der Warnemünder Promenade. „Wir haben immer das Problem, dass viele Leute nur unsere Toilette benutzen wollen“, erzählt Ancora. Normalerweise dulde er das auch, doch zu solchen Großveranstaltungen wie dem Turmleuchten, bei dem sich rund 75 000 Menschen auf der Promenade aufhielten, gehe das nicht.

Toilettenproblem behindert Service

„Die Menschen drängten, ohne zu fragen, selbst von der Seitentür über die Terrasse herein“, erinnert er sich noch immer schockiert. Auch zu Auseinandersetzungen – vor allem mit angetrunkenen Besuchern – sei es gekommen. Letztendlich habe Ancora sich selbst als Türsteher platziert und die Türen weitestgehend verschlossen gehalten. „Wir wollen für unsere Gäste da sein, einen super Service bieten“, betont der Italiener. Toilettengeld wolle er gar nicht, sondern nur Ruhe. Es könne nicht sein, dass bei einem Event nicht genügend WCs vorhanden sind.

Die Situation mit den öffentlichen Toiletten sei in Warnemünde schon seit Jahren ein Problem, gibt Martina Hildebrandt, Geschäftsführerin der Eventagentur Hanse Event und Veranstalterin des Turmleuchtens, zu. „Wir können aber nicht für 30 Minuten Show Toiletten für 75 000 Menschen aufstellen“, entschuldigt sie die fehlenden stillen Örtchen.

Kaffeetrinker rauben Platz

Der Ansturm auf die Toiletten sei ein Grund für den Hinweis an der Tür gewesen, dass nur Gäste willkommen sind, die mindestens 30 Euro verzehren. „Vor allem wollten wir damit aber verhindern, dass sich Leute nur bei uns aufhalten, um sich aufzuwärmen oder Zeit zu überbrücken. Dabei blockieren sie oft stundenlang Tische, bestellen aber nur ein Getränk“, erklärt der Italiener. Zu Anlässen wie Silvester oder Neujahr könne er sich das nicht leisten: „Es gibt genug Leute, die bei uns essen möchten und für die wir den Platz brauchen.“

Dass er für diesen Entschluss in den sozialen Medien angefeindet wird, in denen ein Bild seiner Tür mit dem Verzehr-Hinweis aufgetaucht war, ärgere den Gastronom: „Die Leute beleidigen mich, obwohl sie die Hintergründe nicht kennen. So schädigen sie unser Geschäft.“ Zudem sei deutlich zu lesen gewesen, dass die Regelung lediglich für den 31. Dezember sowie den 1. Januar ab 17 Uhr gelte. „Dann ist nun mal Abendbrot- und keine Kaffeezeit mehr“, rechtfertigt Ancora sich.

Der Gastronom macht die Spielregeln

„So eine Maßnahme ist eher ungewöhnlich und mir aus MV bisher nicht bekannt“, äußert sich Lars Schwarz, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes MV (Dehoga) zum Sachverhalt. Dennoch obliege es jedem Gastronomen selbst, die Spielregeln für sein Lokal aufzustellen. „Dass ein Unternehmer kalkulieren muss, gerade zu solchen Anlässen, ist durchaus verständlich“, meint Schwarz. Wichtig sei es nur, solche Angebote vernünftig nach außen zu kommunizieren. „Letztendlich entscheidet der Gast, ob er zu solchen Konditionen essen gehen möchte oder eben nicht“, so der Dehoga-Präsident. Im „Sole Mio“ habe es funktioniert, wie Ancora mitteilt.

Dehoga-Haupgeschäftsführer Matthias Dettmann. Dehoga-Präsident Lars Schwarz.  Quelle: Dirk Behm

Bude verräuchert Restaurant

Dennoch ist der Ärger groß – vor allem gegenüber der Event-Veranstalter: „Die Krönung war eine Wursträucherbude direkt vor meinem Eingang“, empört sich der Italiener weiter. Nicht nur, dass damit die Sicht auf sein Restaurant verdeckt worden sei und potenzielle Kundschaft wegblieb, auch der Rauch sei hineingezogen und der sonst schöne Ausblick sei dem auf verdreckte Mülltonnen gewichen. „Haben unsere Gäste keinen vernünftigen Restaurantbesuch verdient?“, fragt sich Ancora. Denn noch während des Aufbaus habe er bei der Stadtverwaltung nachgefragt, ob die Bude nicht etwas verrückt werden könne. „Genug Platz wäre gewesen“, meint er. Doch es habe keine Reaktion gegeben.

Rund um die Veranstaltung "Turmleuchten" in Warnemünde versperrten Buden die Sicht auf Lucio Ancoras Ristorante "Sole Mio". Der Gastronom ist verärgert. Quelle: privat

Gastronom: „Wir wurden ausgeschlossen“

„Wir halten uns seit 20 Jahren an die Vorschriften. So auch dieses Mal“, betont Martina Hildebrandt von Hanse Event. Und auch seitens der Tourismuszentrale heißt es, dass Sondernutzungsgenehmigungen nur auf der Grundlage der rechtlichen Bestimmungen erteilt wurden. „Sicherlich haben sie nach den Vorschriften alles richtig gemacht. Menschlich, loyal und kollegial uns gegenüber war es aber nicht“, setzt Ancora dagegen und fügt hinzu: „Wir haben uns auf das Event gefreut und werden dann so bestraft, ja regelrecht ausgeschlossen.“

Eventmanagerin: „Jeder Gastronom profitiert“

Hildebrandt sieht das anders: „Der Eingang war vorschriftsmäßig frei und auch den Blick auf die Terrasse des Restaurants haben wir extra freigelassen, weil Herr Ancora diese eigentlich selbst beleben wollte. So hätte er auch von dem Event profitieren können.“ Jeder andere Gastronom in Warnemünde nehme an der Veranstaltung teil und nehme sie gerne mit. „Es tut uns leid, dass Herr Ancora keinen Gewinn daraus ziehen konnte“, beteuert Hildebrandt. Für den Gastronomen sei das nur Heuchelei: „Der Zugang zur Terrasse muss ohnehin frei sein, da es sich um eine Feuerwehrzufahrt handelt. Dass ich dieses Jahr dort etwas auf die Beine stelle, habe ich nie gesagt.“

Appell an mehr Loyalität

Nur die Räucherei der Bude sei ab dem 31. Dezember auf Ancoras massive Beschwerden hin tatsächlich abgestellt worden. „Mein Partner Torsten Sitte ist an diesem Morgen extra noch einmal hingefahren und hat mit den Betreibern der Bude vereinbart, dass sie nach 9.30 Uhr nicht mehr räuchern“, bestätigt die Eventmanagerin. Mehr haben sie im Ganzen nicht tun können, um dem Gastronomen das bestmögliche Geschäft zu ermöglichen.

„Ich möchte niemanden an den Pranger stellen“, betont Ancora. Er appelliere lediglich daran, das nächste Mal nicht nur auf die Vorschriften zu achten, sondern auch auf die ansässigen Unternehmer vor Ort einzugehen. „Ein bisschen mehr Loyalität und weniger Rücksichtslosigkeit sollten doch machbar sein.“

Lesen Sie auch:

Von Maria Baumgärtel

Der Ortsbeiratsvorsitzende des Rostocker Stadtteils Evershagen hat im Dezember zu einer Sammelaktion für die Obdachlosenhilfe aufgerufen. Die Stadtteilbewohner wurden aufgerufen, Konservendosen mit Lebensmitteln abzugeben. Noch bis zum 31. Januar läuft die Aktion. Vorbild war eine ähnliche Sammelaktion im Dezember in der Südstadt.

03.01.2020
Rostock Entsorgung der Weihnachtsbäume Tradition in Dörfern: Tannen in Flammen

Die freiwilligen Feuerwehren in vielen Gemeinden laden an den kommenden Wochenenden zu Neujahrsfeuern. Hier können die Weihnachtsbäume verbrannt, aber auch auf Wertstoffhöfen entsorgt werden.

03.01.2020

Am Freitagnachmittag haben sich zwei Autos, nach einem Vorfahrtsfehler eines Postautos, auf der Landstraße 13 überschlagen. Sechs Menschen wurden dabei verletzt, einer davon lebensbedrohlich. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen.

03.01.2020