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Rostock Warnemünder „Möwe“ bekommt Deutschen Buchhandlungpreis
Mecklenburg Rostock Warnemünder „Möwe“ bekommt Deutschen Buchhandlungpreis
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16:14 09.08.2019
Frank Weisleder führt die Warnemünder Buchhandlung "Möwe", die den Deutschen Buchhandlungspreis 2019 bekommt. In der Hand hält er seinen Literatur-Tipp für den Sommer: Wintersoldat. Quelle: Jana Schubert
Warnemünde

Wenn Frank Weisleder vor seinem Laden steht, rauscht es auf der anderen Straßenseite die Ostsee. Seit 13 Jahren schon führt er die Buchhandlung mit dem Namen „Möwe“. Im Schaufenster reihen sich Bestseller, Hörbücher und eklektische Literatur aneinander, auch Tassen mit Literatur-Zitaten gibt es zu bestaunen. Jetzt bekommt er den Buchhandlungspreis – als eine von vier Buchhandlungen in Mecklenburg-Vorpommern.

Dass der gelernte Anwalt aus dem thüringischen Suhl ausgerechnet in Warnemünde gelandet ist, war ein Zufall: „Ich bin die gesamte Küste auf der Suche nach einem Standort abgefahren. In Warnemünde wollte ich mir eigentlich nur Regale anschauen.“ Dann entdeckt er ein „Zu Vermieten“-Schild in einem Schaufenster – und trifft sich mit dem Makler. Der redet ihm den ursprünglichen Laden aus und zeigt ihm stattdessen den in der Seestraße. „Es war ein sonniger Septembertag, die Promenade brechend voll und die Ostsee direkt in der Nähe. Da dachte ich: Das passt“, erinnert sich Weisleder gern an diesen Moment zurück.

Balance zwischen Bestseller und Anspruch

Er habe sich schon immer an der Ostsee wohlgefühlt, hier sei das Lebensgefühl einfach besser. „Nach der Wende hat Suhl einen ziemlichen Niedergang erlebt. Man hatte das Gefühl, alle interessanten Leute ziehen weg“, erzählt Weisleder. Er habe das Gefühl gehabt, auf der Stelle zu treten und nicht weiter zu kommen – ein Ortswechsel musste her.

Mittlerweile ist das Ostseebad Warnemünde zu seinem Zuhause geworden und eine große Stammkundschaft kommt regelmäßig in den Laden mit den orangen Wänden und Holzregalen. „Ich muss immer versuchen, eine Mischung zu finden. Die Buchhandlung soll schon anders aussehen als andere Läden, aber es sollen auch keine Leute abgeschreckt werden“, sagt Weisleder zu seiner Individualität. Niemand solle denken, die Auswahl sei zu elitär für ihn. „Es gibt für viele Leute eine Hemmschwelle, in die Buchhandlung zu gehen. Die sollte man nicht noch künstlich erhöhen.“

Die Bücher müssen spannend sein: „Es muss ein interessantes Thema oder eine Geschichte sein, die ich auch selbst lesen würde. Das Buch muss seine Leser finden können.“ Vor allem regionale Geschichten und anspruchsvollere Belletristik seien bei Touristen und Warnemündern beliebt.

Bildergalerie: Die Buchhandlung „Möwe

So sieht es in der Buchhandlung an der Promenade aus:

E-Books und Online-Handel nur wenig Einfluss

Dass Versandhändler im Internet keinen Einfluss auf sein Geschäft haben, hat Weisleder den Touristen zu verdanken: „Da bin ich dank ihnen privilegiert, die haben Zeit und stöbern.“ Er wüsste aber, dass anderen Buchhandlungen mehr leiden. Doch es gibt nicht nur schlechte Nachrichten: „Man hat das Gefühl, dass das Interesse am Buch wieder wächst. Gerade am Sachbuch“, bemerkt Weisleder. Selbst Touristen mit einem E-Reader kaufen häufig Bücher: „Es hat sich nicht so durchgesetzt.“

Eine Entwicklung, die ihm Sorgen bereitet, ist der wachsende Markt für gebrauchte Bücher zu einem Bruchteil des Preises – oft schon kurz nach Erscheinen. „Da muss man seine Kunden auch erziehen und das in den Köpfen verankerte ,billiger billiger’ wieder zurückdrängen“, sagt Weisleder. Er weist dann auf Plattformen hin, von denen der lokale Buchhandel profitiert. Auch Bestellungen im eigenen Laden sind am nächsten Tag da: „Man muss die Leute bei ihrer Bequemlichkeit packen und sagen: Hier geht es schneller.“

Buchhandlungspreis als Wertschätzung

Für den Buchhändler persönlich bedeutet der Preis viel: „Die Arbeit, die Bücher unter die Leute und in die Schulen zu bringen, wird honoriert.“ Gleichzeitig betone der Preis den Wert des stationären Buchhandels. „Wenn man so einen Preis bekommt, ist es eine Bestätigung, dass es wichtig ist, was man tut. Und, dass man es gut macht. Das freut einen schon.“ Das Preisgeld muss in die Buchhandlung investiert werden. Der Buchhändler plant, das Geld in ein neues Kassensystem und eine modernere Einrichtung zu stecken.

Sein Literaturtipp für den Sommer ist übrigens „Der Wintersoldat“ von Daniel Mason, in der ein junger Medizinstudent in ein Behelfslazarett des Ersten Weltkrieges versetzt wird. „Es geht um die facettenreiche Situation, das Reingeworfen werden und das Dasein als menschliche Schachfigur. Trotzdem findet sich etwas Zartes, das einen erhält. Eine lebenspralle Geschichte.“

Genialokal: Onlineshop für den Lieblingsbuchladen

Die Genossenschaft unabhängiger Buchhandlungen hat einen eigenen Onlineshop gegründet. Hier kann man recherchieren, in welchem der deutschlandweit 600 Buchläden das gewünschte Buch verfügbar ist. Falls es das nicht sein sollte: Die Bestellung geht problemlos online und das Buch kann am nächsten Tag in der Buchhandlung der Wahl abgeholt werden. Weitere Informationen unter: https://www.genialokal.de/

Mehr zum Thema: Frank Weisleder stellt seine Top 5 Bücher des Sommers vor

Von Jana Schubert

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