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Rostock Warnemünder Ostseeforscher liefern Daten für UN-Klimakonferenz in Madrid
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Warnemünder Ostseeforscher liefern Daten für UN-Klimakonferenz in Madrid

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07:30 10.12.2019
IOW-Wissenschaftler Prof. Dr. Gregor Rehder erforscht umweltrelevante Gase in der Meeresumwelt. Quelle: Susanne Gidzinski
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Rostock

Noch bis Freitag findet in Madrid der 25. UN-Klimagipfel statt. Fast 200 Nationen beraten über den Kampf gegen die Erderwärmung. Als wesentliche Faktengrundlage hat ein internationaler Forschungsverbund – das „Global Carbon Project“ (GCP) – bereits im Vorfeld seine weltweit aktuelle Bilanzierung des Treibhausgases Kohlendioxid für das vergangene Jahr zusammengetragen und eine Prognose für 2019 erstellt.

Dabei spielt auch das Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) eine Rolle. Gregor Rehder, Professor für Meereschemie, erklärt, welche Entwicklungen zu erwarten sind.

Langsamerer Anstieg globaler CO2-Emissionen

Dass die Wissenschaftler ihren Bericht zum jährlichen Klimagipfel herausbringen, hat bereits seit 14 Jahren Tradition, wie Rehder berichtet. Für 2019 rechnen die Forscher mit einem weiteren Anstieg der Kohlenstoffemissionen – allerdings langsamer als noch in den vorangegangenen Jahren.

Waren es 2018 noch knapp über zwei Prozent, wird nun von einem Plus um die 0,6 Prozent ausgegangen. Grund dafür seien unter anderem ein geringeres globales Wirtschaftswachstum und der Rückgang bei der Kohlenutzung. „Schaut man genauer hin, lässt sich feststellen, dass manche der Klimamaßnahmen bereits greifen“, berichtet Rehder.

Das Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde betreibt bereits seit 2003 die Messung von Spurengasen auf der Fährverbindung Travemünde-Helsinki. Quelle: Hartmut Klonowski

Soll allerdings eine weitere Erwärmung der Erde verhindert werden, müssen die CO2-Emissionen drastisch zurückgehen und baldmöglichst netto null erreichen. Klimaforscher weltweit sind sich einig: Steigt die globale Durchschnittstemperatur um mehr als zwei Grad Celsius, drohen die Folgen des Klimawandels unbeherrschbar zu werden.

Randmeere besser verstehen

Doch welchen Beitrag hat das IOW bei der Ausarbeitung dieser Erkenntnisse geleistet? Rehder erklärt es: „Da in die gesamte Bilanzierung der Treibhausgase auch die Speicherungskapazitäten und Emissionen der Ozeane einfließen, liefern wir jedes Jahr aktuelle Daten aus der Ostsee“. Anhand dieser können die Wissenschaftler Rückschlüsse auf andere Randmeere ziehen und deren Funktionsweisen besser nachvollziehen.

IOW-Wissenschaftler Prof. Dr. Gregor Rehder erforscht umweltrelevante Gase in der Meeresumwelt. Quelle: Susanne Gidzinski

Aufgrund der besonders starken und schon über mehrere Jahrzehnte erfassten Änderungen des Ökosystems Ostsee durch den Einfluss des Menschen sei es möglich, Auswirkungen geänderter Nutzung oder beschlossener Umweltstrategien auf die Treibhausgasflüsse zu untersuchen. So können die Wissenschaftler anhand der gemessenen CO2-Konzentration beispielsweise frühzeitig erkennen, wann genau und wie stark die alljährliche, für den Kohlenstoffkreislauf in der Ostsee sehr wichtige Blaualgenblüte einsetzt.

Einzigartige Messungen auf der Fähre

Während andere Forschungseinrichtungen ihren Schwerpunkt auf die Messung von CO2 legen, ist das Warnemünder Institut das einzige, welches auch das Vorkommen der ebenfalls klimarelevanten Treibhausgase Methan und Lachgas untersucht. Ungewöhnlich sei auch, dass die Daten nicht auf einem Forschungsschiff, sondern auf der Fähre „Finnmaid“ der finnischen Reederei „Finnlines“erhoben werden.

Da der fast 220 Meter lange Koloss etwa alle zwei Tage zwischen Travemünde und Helsinki verkehrt, entstehe eine ungeheure Datenmenge. „Ein weiterer Vorteil ist, dass wir so relativ schnell eingreifen können, falls es doch einmal zu Störungen komm“, berichtet der Meereschemiker.

Das IOW betreibt bereits seit 2003 die Messung von Spurengasen auf der Fährverbindung Travemünde-Helsinki. Die neue Anlage auf der Fähre „Finmaid“ wurde erst vor wenigen Tagen installiert. Quelle: IOW / B. Sadkowiak

Neue Technik seit wenigen Tagen im Einsatz

Damit die Forscher des IOW zukünftig noch effizienter arbeiten können, wurden die Messgeräte auf der Fähre erst vor wenigen Tagen auf den neuesten Stand gebracht. „Dass wir auf der Fähre jetzt auch Lachgas automatisch messen können, ist ganz neu. Außerdem haben wir insgesamt die Sensorik und auch die Steuerungssoftware deutlich verbessert, so dass die Automatisierung zuverlässiger geworden ist und die Qualität der Messungen noch gesteigert werden konnte“, sagt Rehder. Zudem sei es ab sofort möglich, die Daten vom Festland aus abzurufen, während die Fähre noch unterwegs ist. „So können wir Prozesse schnell erkennen.“

Nach rund dreieinhalbjähriger Entwicklungszeit haben die Wissenschaftler etwas mehr als zwei Wochen damit verbracht, die neue Technik auf dem Schiff aufzubauen und die Sensoren anzubringen. „Da der Platz an Bord begrenzt ist, mussten wir dafür sorgen, dass die neue Anlage nicht viel größer als ihr Vorgänger ist – auch wenn sie jetzt viel mehr kann.“

Um das 2,3 Meter hohe Gerät an Bord und in die Tiefen des Maschinenraums zu bringen, musste es zunächst in Einzelteile zerlegt und über verwinkelte Gänge transportiert werden. „Der Zusammenbau war knifflig, hat aber sehr gut geklappt, wie die bislang ungestört einlaufenden Messergebnisse zeigen“, freut sich Gregor Rehder.

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Von Susanne Gidzinski

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