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Rostock Warnemünder Trachtengruppe hat endlich einen neuen Proberaum
Mecklenburg Rostock Warnemünder Trachtengruppe hat endlich einen neuen Proberaum
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15:41 21.03.2019
Die Warnemünder Trachtengruppe hat im vergangenen Jahr rund 44 Auftritte absolviert. Quelle: Warnemünder Trachtengruppe
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Rostock

Ob im Foyer einer Sporthalle oder in den Räumlichkeiten der örtlichen Feuerwehr: In den vergangenen Jahren musste die Warnemünder Trachtengruppe mehr als zehn Mal umziehen – nicht ganz freiwillig, wie die Vereinsvorsitzende Karin Scarbarth berichtet. „Keiner denkt daran, dass eine Tanzgruppe einen ordentlichen Platz zum Üben braucht“, sagt sie enttäuscht. Diese Woche haben die Mitglieder ihre erste Probe in der neuen Unterkunft im Pflegeheim der Volkssolidarität Rolf Grund absolviert. Doch die Angst bald wieder den Raum wechseln zu müssen ist weiterhin groß. Auch der fehlende Nachwuchs bereitet den Mitgliedern Sorgen.

„Wir haben schon so oft gedacht, dass wir endlich eine sichere Unterkunft gefunden haben, doch es kam jedes Mal anders“, sagt die 71-Jährige. Zuletzt sind sie im Foyer der Sporthalle untergekommen, wo sie eine ganze Zeit lang ihre wöchentliche Probe abhalten konnten. Als dann aber die Sitzmöglichkeiten aus Brandschutzgründen entfernt wurden, war Schluss. „Unsere Tänzer können nun einmal nicht anderthalb Stunden stehen“, meint Scarbarth. Die 60 bis 82-Jährigen seien schließlich nicht mehr die Jüngsten und bräuchten eine Möglichkeit sich auszuruhen.

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Auch in den vorherigen Behausungen kam es mehrfach zu Problemen. Entweder wurde Eigenbedarf angemeldet oder die Miete erhöht. „Teilweise mussten wir mit viel zu kleinen oder kalten Stuben auskommen. Und wir haben alles hingenommen, nur um überhaupt einen Ort zu haben“, berichtet die Vereinsvorsitzende. Sie wirkt resigniert und enttäuscht, als sie über die Geschehnisse der letzten Jahre nachdenkt. „Wir sind die einzige Volkstanzgruppe in Rostock. Auf Festen schmückt man sich gerne mit uns, doch wenn es darum geht uns zu helfen, stellen sich alle taub“, sagt sie traurig. Ohne den neuen Proberaum hätte die Trachtengruppe nicht mehr weiter machen können und die langjährige Tradition wäre eingegangen, bestätigt sie.

Tradition seit 1976

Gegründet wurde die Trachtengruppe bereits 1976 von Mitarbeitern der damaligen Warnow Werft. Seitdem setzen sich die Beteiligten für die Erhaltung und Pflege der Traditionen des Ortes, der alten Volkstänze und der niederdeutschen Sprache ein. Sie absolvieren sowohl Auftritte im Ort als auch auf Kreuzfahrtschiffen und vor internationalem Publikum. Einmal im Jahr organisieren sie das „Warnemünder Trachtentreffen“ und repräsentieren die Hansestadt auf auswärtigen Veranstaltungen.

Während in früheren Zeiten mehr als 60 Mitglieder anwesend waren, sind es heute nur noch halb so viele. „Wie alle Gruppen, die ich kenne, haben wir ein massives Nachwuchsproblem“, teilt Karin Scarbarth mit. Zudem steige das Durchschnittsalter immer weiter. „Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis wir aufhören müssen. Bis dahin wollen wir aber noch vernünftig trainieren können.“

Aus diesem Grund hoffen die Tänzer, dass dies nun ihr letzter Umzug gewesen ist. Den Proberaum haben sie auf einen Tipp hin gefunden. Das Besondere an dieser Unterkunft: sie ist kostenfrei. Ein großer Pluspunkt, denn die Gruppe finanziert sich zwar auch durch Auftrittsgagen, hauptsächlich aber durch Spenden und Mitgliedsbeiträge. „Wir tragen die Kosten für die Anfahrt und unsere Kostüme selbst“, merkt Scarbarth an. Und das sei nicht wenig, denn alleine die originalgetreuen Trachten sind preislich bei 800 Euro einzuordnen.

20 Tänze im Wechsel

Im vergangenen Jahr sind die Damen und Herren des Vereins rund 44 Mal aufgetreten. Um sich auf die einzelnen Aufführungen vorzubereiten, trainieren sie 20 verschiedene Tänze im Wechsel, bis jeder Schritt sitzt. „Wir haben viel Spaß dabei. Manchmal wird die Richtung verwechselt und es entsteht ein herrliches Chaos“, sagt die Vereinsvorsitzende, während sie ein Kichern unterdrückt. Nichtsdestotrotz würde sie sich wünschen, dass die Arbeit von der Stadt und ihren Bürgern etwas mehr wertgeschätzt werde. „Wir repräsentieren schließlich eine uralte Warnemünder Tradition. Es wäre doch schade drum, wenn diese verloren geht.“

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Susanne Gidzinski

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