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Rostock Wintervergnügen mit Wasser von unten und oben
Mecklenburg Rostock Wintervergnügen mit Wasser von unten und oben
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14:59 03.02.2019
Keine Gefahr zu schmelzen: Die Schneefrauen der Rostocker Seehunde baden gern im Winter - so auch am Sonnabend am Warnemünder Strand. Quelle: OVE ARSCHOLL
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Warnemünde

„Einer muss noch, einer muss noch rein“, singen die bunt verkleideten Männer und Frauen, während sie auf den Treppen des Seebades vom A-Ja-Ressort Warnemünde für ein Gruppenfoto posieren. Am Strand klappt das dann nicht mehr – zu viele Schaulustige sind gekommen, um die Eisbader der Rostocker Seehunde bei ihrem mutigen Treiben zu bestaunen.

Das kostümierte Baden gehört zu den Höhepunkten des traditionellen Warnemünder Wintervergnügens. „Die Ostsee hat vielleicht drei Grad, das ist perfekt. Im Sommer gehe ich nie rein, da ist es mir viel zu warm“, sagt Regina Böhme. Seit 1997 ist sie Mitglied der Seehunde und so oft es geht auch beim Wintervergnügen dabei. „Wenn man aus dem Wasser kommt, ist das herrlich. Man fühlt sich jung, spritzig und ist voller Glückshormone“, beschreibt die 66-Jährige die Vorteile ihres Hobbys.

Eisbader kommen auch aus Dänemark und Berlin

Mehr als eine Viertelstunde halten es manche der Eisbader in den Fluten aus, singen, schunkeln und posieren für Fotos der dick eingemummelten Zuschauer am Strand. „Wir haben diesmal auch wieder Mitglieder befreundeter Vereine dabei, unter anderem aus Guldborgsund in Dänemark, Berlin und Heiligendamm“, sagt Dietmar Marquardt. Besonders stolz ist der Vorsitzende der Rostocker Seehunde darauf, dass beim Wintervergnügen auch wieder Gründungsmitglieder des mehr als 30 Jahre alten Vereins teilnehmen.

Von Eisbaderfasching bis Kamelreiten – die Besucher hatten am Wochenende im Ostseebad viel zu erleben.

„Zum Glück sind wir rechtzeitig losgefahren, so können wir das Spektakel noch erleben“, freut sich Monika Hückl, die mit Tochter Mia nach Warnemünde gekommen ist. Sie bewundert die mutigen Eisbader und kann sich nicht vorstellen, bei den aktuellen Temperaturen in die Ostsee zu gehen, erklärt die Nienhägerin, während das Mutter-Tochter-Duo den Reitern hinterher eilt, die kurz nach den Eisbadern am Strand auftauchen.

Kamel Juri friert nicht, aber mag keinen Regen

Für die Pferde ist das ungemütliche Wetter weniger ein Problem. Dafür muss Jens Kohlhaus genau abschätzen, wie lange er seinem Tier den Regen zumuten kann. Der Besitzer des Kamelhofs Sternberger Burg ist mit dem 14-jährigen Juri an den Strand gekommen und bietet Reittouren an. „Die Kälte macht den Kamelen nichts, sie kommen aus der Wüste Gobi, da ist es gerade minus 50 Grad“, so Kohlhaus. Da die Tiere aber kein Fett in der Wolle hätten, sei Nässe problematisch, weil sich das Fell dann vollsaugen würde.

Besucherin aus Chicago freut sich über das Wetter

Zoe Felicitas Pawelski hat aber Glück. Die Zehnjährige ist mit ihrer ganzen Familie aus Pinneberg angereist und konnte auf Juri ein paar Runden drehen, bevor das Tier aufgrund des Regens am Nachmittag Feierabend machen muss. „Wir haben vom Wintervergnügen nichts gewusst. Dass es zeitgleich mit unserem Besuch ist, passt aber super. Und fürs Wetter kann ja niemand was“, sagt Zoes Mama Alexandra.

Zoe Felicitas Pawelski (10) aus Pinneberg hat auf Trampeltier Juri Platz genommen. Ihre Eltern Alexandra (v. l.) und Sascha, Großmutter Rita und Austauschschülerin Ariana stehen davor. Quelle: OVE ARSCHOLL

Zur Familie gehört seit einem halben Jahr auch Austauschschülerin Ariane Giurovici, die aus Chicago (USA) stammt und dem Warnemünder Schmuddelwetter auch gute Seite abgewinnen konnte. „In meiner Heimat ist es gerade mit minus 30 Grad arktisch kalt“, so die 17-Jährige.

Veranstalter denkt schon an eine 11. Auflage

Veranstalter Jörg Bludau zieht ein positives Fazit des 10. Wintervergnügens. „Von der Oma bis zum Enkel sind Generationen hier und alle machen einen zufriedenen Eindruck – ein Publikum, wie man es sich nur wünschen kann“, sagt der Inhaber der Kongreß- und Veranstaltungs-Service GmbH (KVS), der schon an die 11. Auflage denkt. Bludau betont aber auch, dass das Wintervergnügen ohne die tatkräftige und ehrenamtliche Unterstützung der örtlichen Vereine nicht möglich wäre. So sorgt die Feuerwehr für lodernde Flammen, an denen sich die Besucher aufwärmen können, ziehen Taucher, Eisbader und Reiter Massen an. Zu den Höhepunkten am Sonntag zählt das Drachenfest. Die Strandlandung der Fallschirmspringer fällt allerdings nicht dem Wetter zum Opfer, sondern einer fehlenden Genehmigung, wie Bludau bedauert.

Claudia Labude-Gericke

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