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Rostock Parkplatznot in Warnemünde bewegt Bürger
Mecklenburg Rostock Parkplatznot in Warnemünde bewegt Bürger
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07:00 12.09.2019
Im Ortskern herrscht vor allem in der Sommersaison Parkplatznot. Quelle: Susanne Gidzinski
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Rostock

Es sind immer wieder dieselben Bilder, die sowohl Einwohner als auch Touristen in Warnemünde verzweifeln lassen: zugeparkte Straßen, Stau und fehlende Stellplätze. Seit Jahren stehen genau diese Themen immer wieder auf der Tagesordnung des Ortsbeirates. Was fehle, sei ein aktuelles Parkraumkonzept. Und genau um dieses sollte es in der Sitzung am Dienstagabend gehen – eigentlich. „Leider muss dieser Punkt heute entfallen“, teilte der Vorsitzende Alexander Prechtel (CDU) gleich zu Beginn mit. Der Grund: Ein Konzept liege noch nicht vor.

Immer mehr Stellplätze entfallen im Ort

Dabei werde dieses dringend benötigt, denn: „Jetzt sind auch in der Friedrich-Franz-Straße zahlreiche Stellflächen entfallen, für die es keinen Ersatz geben wird“, wirft einer der anwesenden Bürger ein. Die Parknot im Ostseebad sei so schlimm wie seit Jahren nicht. „Und es wird auch immer schlimmer, wenn man nicht bald ernsthaft etwas dagegen tut“, sagt ein anderer. Wenn in den nächsten Wochen die Sanierungsarbeiten am Georginenplatz und in der gleichnamigen Straße beginnen, werden weitere Stellplätze weichen müssen, was zu einem noch größeren Parkstress führen werde. „Wir als Anwohner wissen schon gar nicht mehr, wohin mit unseren Autos. Das ist ein stetiger Kampf“, sagt die Warnemünderin Mareike Schnabel.

Fehlendes Konzept verärgert Anwohner

„Das ist doch eine Schweinerei“, sagt Hans-Joachim Richert, als er hört, dass das Parkraumkonzept von der Tagesordnung entfällt. Damit spricht er vielen Anwesenden aus dem Herzen. Hatten sie sich doch eine Lösung für das anhaltende Problem gewünscht. Der 77-Jährige kann kaum glauben, dass es noch immer keine Fortschritte gibt. Auch Mathias Pawelke ist verärgert. „Ich kann keinen vernünftigen Grund erkennen, wieso das Thema ständig verschoben wird“, meint er. Er würde sich wünschen, dass die Stadt gemeinsam mit den Bürgern nach einer annehmbaren Lösung sucht. „Es drängt sich der Eindruck auf, dass man das nicht will.“

Richert verfolgt die Ortsbeiratssitzungen regelmäßig und erinnert sich noch gut daran, dass die Stadt angekündigt hatte, sich des Themas anzunehmen. Das sei jetzt aber schon mehr als drei Jahre her. „Das ist ein Armutszeugnis der Verwaltung“, so Richert. „Kein Wunder, dass viele Warnemünder sich nun fragen, wieso sie sich überhaupt noch einbringen und engagieren sollen, wenn man sie doch nur veralbert.“

Stadt prüft Möglichkeiten

Heiko Tiburtius, Leiter des Amtes für Verkehrsanlagen bestätigt: „Vor rund drei Jahren gab es hierzu eine Untersuchung.“ Die Ergebnisse seien dem Ortsbeirat vorgetragen worden. Neue Erkenntnisse gebe es zu diesem Zeitpunkt nicht. Eine weitere Prüfung sei Stand jetzt nicht vorgesehen. Sein Amt betrachte den ruhenden Verkehr als dauerhaften Prozess, der bei neuen Projekten immer mitberücksichtigt werde. „Seit Jahren beschäftigen wir uns permanent mit dem Thema“, so der Amtsleiter.

Um den Parkdruck ein wenig zu lindern, werde geprüft, welche Standorte im Ostseebad für eine Tiefgarage oder ein Parkhaus geeignet seien. „Das ist aber ein Arbeitsprozess, der nicht von heute auf morgen zu realisieren ist. Der Wegfall der Parkplätze in der Friedrich-Franz-Straße sei unumgänglich gewesen. Aus Mangel an Flächen sei es schwierig, Ersatz zu finden.

Teilkonzepte reichen nicht aus

Prechtel betont: „Parkhäuser sind aber nur ein Teil des Parkraumkonzeptes.“ Auch die Anbindung zu den Parkhäusern über den öffentlichen Nahverkehr, Anwohnerparken, die Brötchentaste und Gebühren seien zu berücksichtigen. Das Konzept, das es „vor vielen Jahren“ gegeben habe, müsse in seinen Augen überarbeitet werden. „Und das merken wir seit geraumer Zeit an. Seitdem haben wir nur Teilaspekte zu hören bekommen.“

Der Ortsbeiratsvorsitzende versteht die Wut der Anwesenden gut, habe er sich doch selbst oft über die schleppenden Fortschritte im Ostseebad geärgert. Dennoch mahnt er: „Wenn wir jetzt frustriert unsere Tätigkeit einstellen, tut sich überhaupt nichts mehr. Ich hoffe, dass wir uns davon nicht entmutigen lassen. Schließlich haben wir in den letzten Jahren schon vieles trotz der Politik erreicht.“

Von Susanne Gidzinski

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