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Rostock Warnemünderin zeigt sich bei Instagram der ganzen Welt
Mecklenburg Rostock Warnemünderin zeigt sich bei Instagram der ganzen Welt
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20:15 15.02.2019
Der Strand ist Kim Zeidlers (32) Lieblingsplatz. Auf der Internet-Plattform Instagram folgen der Warnemünderin mehr als 20 000 Menschen, denen sie aus ihrem Leben berichtet, aber auch zum Nachdenken anregt. Quelle: Ove Arscholl
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Warnemünde

Wenn Kim Zeidler vom Strand aus die Ostsee betrachtet, kommt sie aus dem Schwärmen nicht mehr heraus. „Es ist so wunderschön hier, daran kann ich mich niemals sattsehen“, sagt die 32-Jährige und greift nach ihrem Handy. Denn zum Leben der Warnemünderin gehört es mittlerweile fast selbstverständlich dazu, dass sie ihre Erlebnisse mit anderen teilt: Schließlich folgen ihr auf der Internet-Fotoplattform Instagram mehr als 20 000 Menschen – und die nimmt sie auf ihrem Profil namens „Bunterkundegimborly“ nicht nur mit an den Strand. Sie lässt die ganze Welt teilhaben an ihrem Alltag – und am Leben in Warnemünde.

Influencer durch Influenza

Angefangen hat alles 2017. „Ich wurde tatsächlich Influencer durch Influenza“, sagt Kim und lacht – laut und ansteckend. Als sie mit einer echten Grippe krankgeschrieben zuhause lag, sei ihr nach einer Weile die Decke auf den Kopf gefallen. So kam es, dass sie die App, die sie vorher nur wegen der schönen Foto-Filter genutzt hatte, plötzlich mit Inhalten füllte und dabei auch tief blicken ließ. Dass die gebürtige Warnemünderin im Netz Haut zeigte, war kein Plan, um damit Klickzahlen zu steigern und Abonnenten zu finden. Vielmehr ging es darum, mit den Fotos ihres von Schuppenflechte gezeichneten Körpers über die Krankheit namens Psoriasis zu informieren. Ihre Bilder und Texte unter dem Motto „Lass uns Instagram mal für was Sinnvolles nutzen - Mutmachen zum Beispiel“ wurden so oft geteilt, dass die Abonnentenzahl wuchs.

Kein Plan und keine passende Schublade

„Das ging so schnell über die magische Grenze von 10 000 Abonnenten, da hatte ich schon mal Schnappatmung und habe auch einen Druck gespürt, etwas liefern zu müssen“, erklärt die gelernte Sport- und Fitnesskauffrau. Sich selbst in Szene zu setzen und dabei von tausenden Menschen beobachtet zu werden, das sei etwas gewesen, was sie erst im Laufe der Zeit gelernt hätte. Eines sei jedoch immer gleich geblieben: „Ich verfolge mit meinem Profil keinen Plan und passe in keine Schublade, bin weder Fashion-, noch Familien- oder Lifestyleblogger“, sagt Kim. „Ich kann alles ein bisschen, aber nichts richtig.“ Und das kommt scheinbar an, denn mit Hass im Netz hat Kim kaum Erfahrung gemacht. Die Reaktionen seien positiv. „Wenn mich jemand anstrengend findet, dann steht es ihm frei, zu gehen. Ich bleibe sachlich und wünsche noch einen schönen Tag“, erklärt die selbstbewusste junge Frau. Auch bezüglich ihrer Krankheit seien die Online-Reaktionen durchweg positiv. „Wenn man selbst positiv und selbstbewusst damit umgeht, dann sagen die Leute eher ,wow’ statt ,iihh’.“

Erstes Publikum waren Kinder

Bevor Zehntausende zumeist Unbekannte ihre Zuschauer wurden, bestand Kims Publikum vor allem aus Kindern. Nach der Ausbildung in Rostock zog es sie ins Ausland, drei Jahre lang als Kinderanimateurin abwechselnd nach Griechenland und Österreich. „Aber ohne die Ostsee hab ich es nicht ausgehalten, ich wollte zurück in die Heimat.“ 2009 begann sie dann in der Yachthafenresidenz Hohe Düne, ebenfalls als Kinderbetreuerin. Neben denen der Urlauber kümmerte sich Kim aber auch liebevoll um die zwei eigenen Kinder, die sie mit Ehemann Hannes hat.

Zwillingsschwester existiert nur online

Während der Gatte mit Strandfußball bei den Rostocker Robben einer sportlichen Leidenschaft nachgeht, widmet sich Kim Zeidler den sozialen Medien. Bald 1000 Fotos hat sie bei Instagram schon mit der Öffentlichkeit geteilt. „Wenn einem dann Menschen schreiben, dass sie sich darüber freuen und man ihren Tag erhellt, dann ist das das schönste Kompliment.“

Viel mehr sind ihre Anhänger aber von den Videoschnipseln begeistert, die „Storys“ genannt werden. Denn ein Großteil der Bewegtbilder zeigt nicht Kim selbst, sondern ihre Zwillingsschwester „Gimborly“, die dem Profil den Namen gibt und nur im Internet existiert. Mithilfe einer Videofilter-Funktion wird aus der attraktiven Kim ihr etwas minderbemittelter, aber unheimlich witziger Klon, der den Abonnenten die Welt erklärt. Zum Beispiel, dass Passatwinde dann entstehen, wenn man auf dem Bordstein steht und ein Auto dieser Marke zu schnell an einem vorbeifährt.

„Ich denke da nicht lange darüber nach oder schreibe mir etwas auf. Das sprudelt einfach aus mir raus. Vielleicht bedeutet das, dass ich auch selber nicht die hellste Kerze auf der Torte bin“, sagt Kim schmunzelnd. Genau diese Selbstironie ist es auch, die ihre Follower lieben. Ihre große Klappe und die (ihrer Meinung nach) zu kleinen Brüste – all das wird thematisiert. „Man muss schon Humor haben, um mir zu folgen.“

Nachdenken über Nachhaltigkeit

Doch es geht nicht nur um Jux und Dallerei, sondern auch um Inhalte. „Ich möchte die Leute auch zum Nachdenken anregen, über Nachhaltigkeit oder die Müllverschmutzung der Meere“, sagt Kim und hebt beim Strandspaziergang ohne groß darüber nachzudenken eine zerfledderte Tüte und einen abgebrochenen Plastiklöffel auf, um sie später wegzuwerfen. „Alte Regel: Immer drei Sachen mehr vom Strand mitnehmen als hinbringen.“

Natürlich gibt es aber auch auf dem Profil der Warnemünderin Produktempfehlungen, mit denen sie Geld verdient. Solche Kooperationen sind mittlerweile für viele Influencer ein einträgliches Geschäft. „Mir ist aber wichtig, dass es nicht zu viel ist und das ich hinter dem Produkt oder der Firma stehe“, sagt Kim, die zum Beispiel für Ökostromanbieter und eine Gemüseretter-Box Werbung gemacht hat und auch eine eigene T-Shirt-Kollektion designte.

Durch Instagram zum neuen Job

Aus einer der Kooperationen ist nun auch ihr Hauptberuf geworden. Seit Januar ist die Warnemünderin als Social-Media-Managerin Teil des Rostocker Modelabels „Heimatmeer“. Dass Instagram ihr Leben verändert – „und das bisher immer zum Guten“ – das hat Kim Zeidler noch vor Jahren nie gedacht. Deshalb hätte sie auch kein Problem damit, wenn ihre sechsjährige Tochter auch mal Influencerin werden wollen würde. „Sie kann alles werden, was sie möchte. Hauptsache, sie ist glücklich und kann damit auch etwas bewegen“, erklärt Kim. So, wie es sie es selbst täglich tut.

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