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Rostock Warnemünderin schneidert historische Trachten modern
Mecklenburg Rostock Warnemünderin schneidert historische Trachten modern
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20:37 04.12.2019
Die Warnemünder Designerin Ann Kruth mit einem von ihr entworfenen und geschneiderten Kleid, für das sie sich Anregungen von Mecklenburger Trachten holte Quelle: Werner Geske
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Warnemünde

Dass sie einmal so viel Freude am Schneidern haben würde, hätte sie früher nicht gedacht. Doch es war die Musik, die Ann Kruth (38) zum fantasievollen Umgang mit Nadel, Faden und schönen Stoffen verführte. Und das vor gut 20 Jahren. Damals fand die gebürtige Kröpelinerin nämlich Gefallen an der Rockabilly-Szene. Diese Spielart des Rock ’n’ Roll, die Mitte der 1950er Jahre in den Südstaaten der USA entstand und bis heute ihre Anhänger hat, traf den Geschmack der damals 18-Jährigen.

„Die Mode der 50er Jahre hat mich magisch angezogen, besonders der figurbetonte New Look, der von Dior schon 1947 kreiert worden war, tat es mir an. Weil ich mich genauso kleiden wollte, habe ich mir Schnittmuster und Nähmaschine besorgt – und los ging es. Offenbar sind mir gleich die ersten Kleider und Röcke gut gelungen, denn ich wurde immer wieder gefragt, woher ich die Sachen habe“, sagt Ann Kruth. So viel Lob macht Mut. Von nun an saß sie oft an ihrer Maschine und schneiderte Kleidermode im Stil der 1930er, 40er und 50er Jahre für sich und Freunde.

Vom Nebenerwerb zum Hauptgeschäft

Nachdem sie über Jahre ihrer Leidenschaft hobbymäßig nachgegangen war, entschloss sich die junge Frau 2012 dazu, das Schneidern in einer kleinen Nähwerkstatt am Kröpeliner Marktplatz im Nebenerwerb zu betreiben. „Damals habe ich aber noch Biologie studiert. Da blieb natürlich nicht so viel Zeit für die Arbeit an der Nähmaschine“, sagt sie. Nach dem Abschluss des Studiums entschloss sie sich zum Schritt in die Selbstständigkeit und ist nunmehr hauptberuflich Maßschneiderin für Damen und Herren.

Ihr Geschäft in der Warnemünder Alexandrinenstraße 3 betreibt sie seit dem 1. Dezember 2018. Das Ostseebad hat sie mit Bedacht für ihr Atelier gewählt: „Warnemünde besitzt eine eigene kreative Modeszene. Das motiviert mich dazu, hier eigene Akzente zu setzen.“ Um welche es dabei unter anderem geht, wird zurzeit schon beim Blick in das Schaufenster des Ladens deutlich. Schaufensterpuppen posieren dort in Dirndl-Kleidern, die historischen mecklenburgischen Trachten nachempfunden und dabei modisch hochaktuell sind.

Tradition wird modern

„Ich möchte beweisen, dass unsere wunderschönen alten Volkstrachten, egal ob die Warnemünder oder die Biestower Trachten, durchaus in unsere Zeit passen, wenn sie entsprechend gestaltet sind“, erklärt die Designerin. Deshalb übersetzt sie Historisches in die Modesprache unserer Zeit – Trachten im aktuellen Gewand – und hofft damit sowohl junge Frauen als auch reifere Damen anzusprechen. Für die Kleidung verwendet sie hochwertige Stoffe deutscher und internationaler Hersteller. „Was die Accessoires betrifft, so bin ich eher zurückhaltend und verzichte absichtlich auf zu dominante Schmuckelemente. Ich setze auf Tücher, Schals oder Gürtel“, betont sie.

Was Korsage und Korsett betrifft, so nimmt die Schneiderin Anleihen aus Zeiten des Viktorianischen Zeitalters und integriert diese figurbetonende Unterkleidung in ihre Schöpfungen. Das hat den Vorteil, dass die Trägerinnen auch dann noch in ihre Abendrobe schlüpfen können, wenn sich ihre Maße ändern sollten. Anregen lässt sich die Designerin nicht allein von historischen Vorlagen. Auch die internationale Modewelt, die immer wieder Anleihen an den Trachten nimmt, inspiriert sie.

Ein Trend expandiert

Bei ihrem Engagement für Trachtenmode liegt sie auch mit dem Tourismusverband MV auf einer Wellenlänge. Der Verband lobte vor gut einem Jahr einen Wettbewerb aus, um dieser traditionellen Bekleidung wieder Platz im Leben unseres Landes zu geben. „Leider konnte ich wegen der Geburt meiner Tochter nicht daran teilnehmen, doch den Gedanken, Trachtenmode wiederzubeleben, begrüße ich sehr“, unterstreicht Ann Kruth.

Dass sie da mit ihren sowohl im Alltag als auch bei Festlichkeiten tragbaren Schöpfungen genau richtig liegt, bestätigt ihr inzwischen auch die Kundschaft: „Viele haben erlebt, dass solche Kleider in anderen Bundesländern zu verschiedensten Anlässen getragen werden und waren davon angetan. Ich meine, Mecklenburg kann dabei durchaus mithalten, wenn ich nur daran denke, mit welch schönen Kleidern die Warnemünder Trachtengruppe begeistert.“ Ann Kruth ist fest davon überzeugt, dass sie mit ihren schicken und vor allem tragbaren Kreationen den Beweis dafür antreten kann, dass Trachten eine Zukunft haben.

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Von Werner Geske

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