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Rostock Warum Rostocks Segelschiff „Santa Barbara Anna“ dringend Hilfe braucht
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Warum Rostocks Segelschiff „Santa Barbara Anna“ dringend Hilfe braucht

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13:00 12.06.2021
Vereinsvorsitzender Olaf Kalweit steht am Steuerhaus der „Santa Barbara Anna“, das dringend erneuert werden muss.
Vereinsvorsitzender Olaf Kalweit steht am Steuerhaus der „Santa Barbara Anna“, das dringend erneuert werden muss. Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

Im Alter kommen die Zipperlein: Die „Santa Barbara Anna“ feiert in diesem Jahr 70. Geburtstag. Dass der Traditionssegler ganz prächtig aussieht, wenn er im Sonnenschein an der Kaikante des Rostocker Stadthafens liegt, ist vor allem dem Bramschot-Betreiberverein zu verdanken. „Unsere Mitglieder stecken jedes Jahr etwa 19 000 Arbeitsstunden in das Schiff“, sagt Vorsitzender Olaf Kalweit.

Um für das Jubiläum und die Zukunft gut gerüstet zu sein, hatte die „Santa Barbara Anna“ gerade im vergangenen Oktober einen Werftaufenthalt, der bereits länger und teurer war als vom Verein gedacht. Bei den ersten Probefahrten vor wenigen Wochen dann der Schock: „Plötzlich haben wir Schleifgeräusche im Bereich der hinteren Wellenanlage festgestellt“, erzählt Kalweit, der sogar einen Taucher ins Wasser schickte, um zu schauen, woran es liegt. Seit Mittwoch ist der Segler nun noch einmal in der Wolgaster Werft, um den Schaden zu beheben und wie geplant am 3. und 10. Juli mit den ersten öffentlichen Törns starten zu können.

So können Sie helfen

Die Spendenaktion der „Santa Barbara Anna“ läuft über die „99 Funken“-Aktion der Ostseesparkasse. Dort kann jeder – egal ob Kunde der Bank oder nicht – für Projekte aus der Region spenden. Je nach Höhe des Betrags gibt es Prämien. Bei der „Santa Barbara Anna“ beispielsweise auch einen Tagestörn für alle, die jeweils 300 Euro geben.

Mindestens 10 000 Euro müssen bis Ende Juli zusammenkommen. Die ersten 1500 Euro werden von der Ospa verdoppelt. Sollte diese Schwelle nicht erreicht werden, erhalten die Spender ihr Geld zurück.

Hier ist die Aktion zu finden: https://www.99funken.de/santa-barbara-anna

Corona reißt Loch in die Kasse

Schon der letzte Werftaufenthalt, der sechsstellige Kosten verursachte, hätte die Rücklagen des Vereins aufgebraucht. „Und durch die Pandemie hatten wir ja deutlich weniger Einnahmen. Wir haben es 2020 gerade mal knapp geschafft, die laufenden Kosten zu decken“, nennt Kalweit die Herausforderungen. Denn für alles, was an und unter Deck anfällt, ist der Betreiberverein finanziell in der Pflicht. Eigner Joey Kelly hat das vernachlässigte Schiff 1993 erworben und später den Ehrenamtlern von Bramschot kostenlos überlassen. Weil er in den sozialen und gemeinnützigen Projekten, die der Verein realisiert, einen wichtigen und unterstützenswerten gesellschaftlichen Beitrag sieht.

Normalerweise kann der Verein – vor allem durch Ausfahrten – Einnahmen erzielen und diese wieder in den Erhalt des Seglers und die Projekte investieren. Ein Modell, das durch Corona deutlich schwieriger wurde.

Steuermann Klaus Apel steht in der Kombüse der „Santa Barbara Anna“, die dringend erneuert werden muss. Quelle: Ove Arscholl

„Dabei stehen jetzt drei größere und dringende Reparaturen an, für die unser ehrenamtlicher Einsatz und die finanziellen Möglichkeiten nicht mehr ausreichen. Wir brauchen jetzt Geld – und Profi-Handwerker“, so Kalweit. Als Erstes müsste das Be- und Entlüftungssystem des Maschinenraumes erneuert werden. Der Kostenvoranschlag beläuft sich auf rund 17 300 Euro. Weiterhin steht die Sanierung von Kombüse und Deckshaus an. Selbst wenn die geschickten Vereinsmitglieder dabei mitanpacken, kommen dafür noch einmal Kosten von etwa 42 000 Euro zusammen.

Moderne Kombüse, neue Lüfter und saniertes Steuerhaus

„Die anstehende Saison mit den Ausfahrten ist dadurch nicht eingeschränkt, wir haben volle Schwimmfähigkeit“, erklärt der Vereinsvorsitzende. Im kommenden Winter sollen die Reparaturen aber vorgenommen werden. Deshalb hat sich der Verein an die Ostseesparkasse gewandt und sammelt mit Hilfe der Rostocker Bank nun Spenden bei einem sogenannten „Crowdfunding“, also einer Massenfinanzierung. Jeder kann dabei mitmachen und geben, wie viel er mag. Die Ostseesparkasse verdoppelt die ersten eingezahlten Euros bis auf maximal 3000 Euro.

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Ziel ist es, bei der Sammlung bis Ende Juli insgesamt 43 755 Euro zusammenzubekommen. Ausgezahlt werden die Spenden aber bereits, sobald der Schwellenwert von 10 000 Euro überschritten ist. Kommt weniger zusammen, erhalten die Spender ihr Geld zurück. Für die Unterstützer gibt es zudem diverse Prämien. Je nach Höhe des Beitrags reichen die vom Anstecker über das T-Shirt bis hin zum Tagestörn.

Blick in das Steuerhaus der „Santa Barbara Anna“, deren Dach undicht ist Quelle: Ove Arscholl

Olaf Kalweit hofft inständig, dass die Hansestädter ihr Rostocker Segelschiff unterstützen und mithelfen, die „Santa Barbara Anna“ für viele weitere Jahre fit zu machen. Schließlich trägt der Segler anschaulich dazu dabei, auch jüngeren Generationen die maritimen Traditionen erlebbar zu machen. Und das nicht nur bei Ausfahrten. Im Projekt „School@Sea“ können beispielsweise ganze Klassen jeweils für einen Tag an Bord kommen. Dort werden den Jugendlichen Grundbegriffe, wie Knoten, Wurfleine, Rudergehen, Segelphysik oder Ausguck, vermittelt. Im Anschluss wird bei einem Törn auf der Ostsee das Gelernte direkt praktisch angewendet. All das ist aber nur möglich, wenn der Großsegler weiter gut in Schuss bleibt.

Neben Geld wird auch ein Bordkoch benötigt

„Und je älter das Schiff wird, desto reparaturaufwendiger ist es“, so Kalweit. Die aktuellen Einbauten stammen noch aus den 80er Jahren, als die „Santa Barbara Anna“ zum Segler umgebaut wurde. Nicht nur dass die Kombüse nicht mehr modernen Anforderungen für die Versorgung von Crew und Passagieren entspricht: „Beim Deckshaus haben wir das Problem, dass das Dach undicht ist. Und das ist eine Gefahr für die moderne Navigationstechnik, die wir schon an Bord haben“, erzählt der Vereinsvorsitzende.

Apropos an Bord: Der Bramschot-Verein freut sich nicht nur über Spenden, sondern auch über neue Mitstreiter. Derzeit ist einer der wichtigsten Posten an Bord zu besetzen: „Wir suchen jemanden, der bei den Törns kocht“, so Kalweit. Der oder die neue Smutje müsse zwar in diesem Jahr noch mit den vorhandenen Bedingungen und dem haushaltsüblichen Herd klarkommen. Aber sobald es mit den Spenden klappt, ist ja eine neue Bordküche vorgesehen, in der dann leckere Gerichte gezaubert werden können.

So können Sie mitsegeln

Normalerweise läuft die Saison der „Santa Barbara Anna“ immer „von O bis O“, wie der Chef des Betreibervereins, Olaf Kalweit, erzählt. Corona hatte schon im Vorjahr Auswirkungen auf die Törns. Auch in diesem Jahr geht es später los. Dafür sind am 3. sowie 10. Juli, jeweils zwischen 10 und 16 Uhr, öffentliche Törns geplant, für die es noch Plätze gibt. Gebucht werden können diese über die Webseite des Segelschiffes. Die Teilnehmer werden vom Verein auch über geltende Corona-Regeln informiert, falls es zu diesem Zeitpunkt noch Einschränkungen geben sollte.

Von Claudia Labude-Gericke