Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Warum dieser Bischof seine Villa für alle öffnen will
Mecklenburg Rostock Warum dieser Bischof seine Villa für alle öffnen will
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:15 28.10.2019
Tilman Jeremias ist der neue Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern. Quelle: Marcelo Hernandez
Anzeige
Greifswald/Rostock

Der Rostocker Pfarrer Tilman Jeremias ist künftig der einzige evangelische Bischof in MV und für die Kirchenkreise Mecklenburg und Pommern gleichermaßen zuständig. Mitglied der Kirche sind im Nordosten noch weniger als 20 Prozent der Menschen. Im Gespräch mit der OSTSEE-ZEITUNG erklärt Jeremias, warum er diesen Job trotzdem haben wollte.

Herr Jeremias, Sie werden am Reformationstag in Ihr neues Amt als Bischof für die Kirchenkreise Mecklenburg und Pommern eingeführt. Der festliche Gottesdienst dazu wird im Greifswalder Dom stattfinden, wo Sie am 1. März bereits gewählt worden sind. Sie sind dann der einzige evangelische Bischof in Mecklenburg-Vorpommern.

Tilman Jeremias: Ja, nach einer Übergangszeit, die so in der Verfassung bei der Fusion festgelegt war, gab es zwei Bischöfe, Andreas von Maltzahn in Schwerin und Hans-Jürgen Abromeit in Greifswald. Jetzt gibt es – wie in den anderen Sprengeln der Nordkirche auch – einen Bischof. Ich freue mich schon darauf, das Zusammenwachsen im Sprengel mitgestalten zu können und insbesondere mit den beiden Kirchenkreisen eng zusammenzuarbeiten.

Sie haben damals im ersten Wahlgang exakt die erforderliche Stimmenzahl erreicht. Wie bewerten Sie dieses Ergebnis? Waren Sie froh, dass es gleich im ersten Anlauf gereicht hat oder hätten Sie mehr erwartet?

Ich habe meinen Gegenkandidaten erst am Tag der Wahl selbst kennengelernt und ihn als sehr sympathisch empfunden. Aber bei einer Bischofswahl ist ein Ergebnis bereits im ersten Wahlgang schon ein Erfolg. Für dieses Vertrauen bin ich dankbar. Zudem hat dieses knappe Resultat von 79 zu 64 Stimmen gezeigt, dass mein Gegenkandidat, der Dresdner Superintendent Christian Behr, und ich beide geeignete Kandidaten waren. Also insofern war es in mehrfacher Hinsicht ein Wahlergebnis, mit dem ich zufrieden bin.

Was waren Ihre Beweggründe, dieses Amt anzustreben?

Das Verfahren ist so angelegt, dass ich mich gar nicht bewegen muss, sondern der Bischofswahlausschuss der Landeskirche auf einen zukommt. Ich habe nicht zuvor gesagt: Ich bin der Richtige, nehmt mich mal, sondern man wird angefragt. Danach musste ich mich natürlich zu dieser Anfrage irgendwie verhalten. Als Ergebnis eines längeren inneren Prozesses habe ich schließlich zugesagt. Ich muss zugeben, ich hatte zwischendurch auch Zweifel, da ich einen enormen Respekt vor dem Amt habe. Der Bischofswahlausschuss hat mich dann für würdig gehalten, zu kandidieren.

Und nun werden Sie fortan nur noch mit Herr Bischof angesprochen.

Ja, die Leute kamen schon nach der Wahl anders auf mich zu. Und natürlich ist es ein größerer Schritt, diese Gesamtverantwortung als Bischof zu übernehmen. Insofern war ich dankbar, dass zwischen der Wahl und meiner Einführung ins Amt noch ein etwas längerer Zeitraum lag, um den Start insgesamt gut vorzubereiten.

Fiel Ihnen der Abschied aus Rostock schwer?

Ich fühle mich nach wie vor in Rostock sehr wohl. Dort ist mein soziales Netzwerk. Aber Greifswald ist schön. Ich habe hier viele offene Türen und Herzen vorgefunden und erlebe eine große Freundlichkeit. Hinzu kommt, dass ich mit der Bischofsvilla jetzt ein Wohnumfeld habe, das es einem nicht gerade schwer macht, auch in dieser Hinsicht hier anzukommen. Die Möglichkeit so wohnen zu dürfen, ist natürlich enorm.

Die Villa befindet sich in der besten Lage Greifswalds. Sie planen aber eine Veränderung und wollen das Haus in Zukunft stärker öffnen. Für wen?

Ja, das wäre der Wunsch von meiner Lebensgefährtin und mir. Dieses Haus ist für uns viel zu groß. Wir wollen darin zu zweit im Dachgeschoss wohnen. Die Perlen des Hauses sind aber die großen repräsentativen Räume unten, mit all ihrem Stuck und den Verzierungen. Mein Traum wäre, dass dort Leben reinkommt, und für dieses Projekt werbe ich auch: Feste feiern, Vorträge hören, Andachten halten und Kultur erleben. Dies entspricht auch dem Kirchenbild, was mir wichtig ist, dass wir uns nicht hinter Mauern und Türen verstecken, sondern die Schwellen niedrig halten und gastfreundlich sind.

Gestatten Sie eine private Frage: Sie sind geschieden und leben jetzt mit Ihrer Lebensgefährtin zusammen. Eine Scheidung war selbst für Pastoren lange Zeit mit beruflichen Konsequenzen verbunden. War das im Zuge Ihrer Wahl ein Thema?

Als ich für das Bischofsamt angefragt worden bin, war meine erste Gegenfrage: Aber Sie wissen schon, dass ich geschieden bin? Das war damals noch recht frisch. Aber damit konnte man gut leben. Dennoch ist eine Scheidung natürlich ein persönlicher Knick. Das war eine schwere Zeit für mich. Wir haben drei gemeinsame Kinder, von denen die jüngsten Zwillinge sind, die jetzt das Abitur machen. Wir kümmern uns einvernehmlich um die Kinder. Ich verstehe, dass das Thema die Menschen interessiert, zumal es dabei natürlich automatisch um das evangelische Eheverständnis geht, aber dies lässt eben die Möglichkeit des Scheiterns und des Neuanfangs auch zu. Meine jetzige Lebensgefährtin oder besser, meine Verlobte, arbeitet derzeit als Sonderpädagogin in Berlin und wird erst nach dem Ende des laufenden Schuljahres nach Greifswald wechseln, in der Hoffnung dann hier auch einen Job zu finden.

Bisher gab es im Sprengel mit zwei Kirchenkreisen in MV zwei Bischöfe, nun sind Sie alleiniger Bischof. Wie wollen Sie das allein schaffen?

Natürlich bin ich nur einer und nicht zwei. Das wird auch zu merken sein. Auf der anderen Seite endet mit der Zeit, in der es zwei Bischöfe in diesem Sprengel gab, eine Übergangsphase, die nach der Bildung der Nordkirche vorgesehen war. Für mich wird dadurch auch das Gefühl der Zusammengehörigkeit zwischen Mecklenburg und Pommern stärker. Es gibt bereits eine Reihe von engen Kooperationen zwischen den beiden Kirchenkreisen, zum Beispiel in der Pressearbeit und beim gemeinsamen Internetauftritt, beim Frauenwerk oder auch in der Zusammenarbeit der Kirchenkreisräte. So können wir noch mehr Möglichkeiten ausloten, künftig enger zusammenzuarbeiten. Man muss konstatieren, dass die mecklenburgische und die pommersche Landeskirche, als es sie noch gab, es nicht geschafft haben, sich zu einer gemeinsamen Landeskirche zusammenzuschließen – das gehört aber zum Glück der Vergangenheit an. Deshalb habe ich wenig Verständnis für Äußerungen wie: Recknitz und Trebel sind so tief, dass man sie kaum durchqueren kann. Die Christinnen und Christen in Pommern und Mecklenburg haben durchaus die gleichen Probleme. Nämlich, dass wir hier in einer Region leben, in der weiter weniger als 20 Prozent der Menschen noch Mitglied der Kirche sind, womit wir uns von Hamburg und Schleswig-Holstein innerhalb der großen Nordkirche sehr unterscheiden. Deshalb brauchen wir eine gemeinsame Stimme für unsere Region.

Was haben Sie vor 30 Jahren gemacht, als die Mauer fiel?

Ich stamme aus Bayern, aus der Nähe von München und war in dieser Zeit zum Studium in Jerusalem. Ich war allein von der religiösen und politischen Situation dort völlig absorbiert. Dieser 9. November war für uns wie eine Nachricht aus dem All. Als sie kam, hat das zunächst von uns keiner geglaubt. Später, als ich zurück war, habe ich entschieden, im Osten zu studieren und bin zunächst in Leipzig gelandet. 1992 suchte Mecklenburg Pastoren. Über die Partnerschaft der mecklenburgischen mit der bayerischen Landeskirche kam ich direkt nach meinem Examen hierher. Ich habe mich rasch wohl gefühlt. Auch, weil die Kirche hier weniger hierarchisch, dafür dynamischer war als in Bayern. Schwierig war es oft für diejenigen aus dem Westen, die hier nach der Wende mit einem gewissen Sendungsbewusstsein angetreten sind und den Leuten die richtige Wirtschaft und eben auch den richtigen Glauben beibringen wollten. Das geht immer schief. So habe ich mich aber nie verstanden und nie ernsthaft erwogen, wieder zurückzugehen. Ich habe mich hier von Anfang an zu Hause gefühlt.

Mehr zum Thema:

Der neue Bischof trägt ein Kreuz für ganz MV

Ein Strandkorb ist künftig „Bischofssitz“ für Hans-Jürgen Abromeit

Pommerns letzter eigener Bischof geht von Bord

Amtszeit des Bischofs endet

Von Benjamin Fischer

Kinderrechte ins Grundgesetz: Das ist die Forderung von Niklas Genz. Der 13-jährige Rostocker ist vor kurzem in den Kinder- und Jugendbeirat des Deutschen Kinderhilfswerks berufen worden. Zuvor war er schon in einem anderen Gremium aktiv.

28.10.2019

Unbekannte haben am Sonnabend zwei Jugendliche in der Nähe der Neptun-Schwimmhalle in Rostock verfolgt und zusammengeschlagen, weil sie die beiden für Fans des gegnerischen Teams aus München gehalten haben. Doch die beiden Letten nahmen nur an einem Schwimmwettbewerb teil.

28.10.2019

Auch in diesem Jahr erhält die Rostocker Straßenbahn AG Fördermittel aus dem Ländertopf. Infrastrukturminister Pegel überreichte am Montag den Bescheid über 2,67 Millionen Euro an den Vorstand.

28.10.2019