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Rostock Forscher erklären den überraschenden Robben-Besuch am Strand von Warnemünde
Mecklenburg Rostock Forscher erklären den überraschenden Robben-Besuch am Strand von Warnemünde
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20:57 05.07.2019
Überraschung am Strand von Warnemünde: Eine Robbe ist am Sonntagnachmittag an den gut besuchten Strand gerobbt. Quelle: Stefanie Büssing
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Rostock

Es war die Überraschung am vergangenen Wochenende. Während zahlreiche Besucher am Sonntagnachmittag die sommerlichen Temperaturen am Strand von Warnemünde genossen, gesellte sich ein ganz besonderer Gast zu ihnen. Eine Robbe legte sich unweit des Wassers in den Sand und ruhte sich aus. Von den Schaulustigen ließ sie sich nicht beirren.

Auch wenige Tage nach ihrem Besuch am Strand, wurde sie immer wieder ganz in der Nähe der Küste gesichtet. Im sozialen Netzwerk Facebook kursieren derzeit einige Schnappschüsse von dem Tier. Doch was führt die Robbe nach Warnemünde und was ist zu beachten, wenn sich solch ein Tier in Menschennähe niederlässt?

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Wachsende Population

„Dass Kegelrobben sich hier bei uns aufhalten, passiert immer häufiger“, bestätigt Prof. Guido Dehnhardt, Leiter des Marine Science Centers in Hohe Düne. Rund 40 000 Tiere sind derzeit in der Ostsee zu Hause. Vor allem an den Küsten Dänemarks und Schwedens fühlen sie sich wohl. Felsen, die über das Meer ragen, tiefes Wasser und große Fischbestände bieten ihnen einen idealen Lebensraum.

Das Wachstum der Population in diesen Regionen bewirke jedoch eine Abwanderung einiger Tiere. „Das liegt daran, dass dort nicht mehr genügend Platz vorhanden ist“, erklärt der Wissenschaftler. Von daher sei es nur selbstverständlich, dass die Robben nun auch vermehrt in der südlichen Ostseeregion gesichtet werden.

Abstand halten vom Raubtier

Doch was tun, wenn eine Robbe am Stand auftaucht oder gar verletzt ist? „Es ist wichtig, die Tiere nicht zu belagern“, betont Dehnhardt. Auch wenn Kegelrobben sich im Gegensatz zu Seehunden nicht ganz so schnell von Menschenmassen abschrecken lassen, so handelt es sich bei ihnen um Raubtiere. „Und von denen sollte man dringend die Finger lassen“, sagt der Experte mit Nachdruck.

Selbst wenn die Tiere Verletzungen aufweisen, gebe es keinen Grund zur Aufregung, wie Dehnhardt berichtet. „Kegelrobben können untereinander ganz schön aggressiv sein. Die Wunden verheilen in den meisten Fällen ganz von alleine und müssen nicht versorgt werden.“ Zudem sei es nicht ungewöhnlich, dass sie Tiere mehrer Stunden oder sogar Tage am Strand verweilen, ohne ins Wasser zu gehen. „Das ist ganz normal und bedeutet nicht, dass sie krank sind.“

Nichtsdestotrotz sei in solchen Fällen, wie am vergangenen Wochenende die Tierrettung der Feuerwehr über die Leitstelle zu benachrichtigen. „Die wissen, was zu tun ist“, meint der Wissenschaftler. Eine großräumige Absperrung sei dringend notwendig, um sowohl das Tier als auch die Schaulustigen zu schützen. „Meistens schließen sich die Rettungskräfte mit uns kurz und wir prüfen, ob die Robbe Hilfe benötigen.“

Robben-Forschungs­zentrum

Im Robben-Forschungszentrum versucht das Team um Professor Dehnhardt vor allem die Sinnes­systeme und die Orientierungs­mechanismen der Robben in ihrem natürlichen Lebensraum zu entschlüsseln. Dabei gehen sie den Fragen nach, wie die Tiere im trüben Wasser Nahrung finden und wie sie den Weg von Schweden nach Warnemünde erkennen. „Im Meer gibt es schließlich keine Ampeln, die ihnen den Weg weisen“, veranschaulicht der Stationsleiter.

Zwölf Tiere, darunter neun Seehunde, zwei kalifornische Seelöwen und ein südafrikanischer Seebär werden im Forschungszentrum beherbergt. Die Arbeit mit ihnen hat den Wissenschaftlern bereits einige Erkenntnisse geliefert. „Wir können beispielsweise sagen, dass die Tiere Wasserbewegungen anhand ihrer Barthaare wahrnehmen.“ Selbst über große Distanzen können sie die Spuren kleiner Fische nach verfolgen.

Tierisches Jubiläum

Gegründet wurde das Forschungszentrum 2009. Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums lädt das Team am 11. Juli zu einem kleinen Fest auf der Station ein. Wer also mehr über die Arbeit der Wissenschaftler erfahren möchte, der hat am Donnerstag die Chance die heimischen Raubtiere hautnah zu erleben. Der Eintrittspreis an diesem Tag ist so hoch, wie es die Gäste selbst für angemessen erachten. „Die Besucher erhalten einen Eindruck von dem, was wir hier tagtäglich machen“, berichtet Lars Miersch, technischer Leiter.

Pünktlich um 10 Uhr öffnet die Robbenstation ihre Pforten. Ab 12 Uhr startet ein buntes Programm mit Kinder- und Gewinnspielen. Was genau die Gäste erwartet, verrät Miersch noch nicht. Nur so viel: Zu gewinnen gibt es neben einigen Kleinigkeiten jeweils einen Gutschein für das Angebot „Seehund hautnah“ und „Schwimmen mit Seehunden“. „Abschließend wollen wir den Tag gemeinsam mit den Besuchern bei Sonnenuntergang und grillen ausklingen lassen“, so der technische Leiter.

Das größte heimische Raubtier

Rund 40 000 Kegelrobben leben in der Ostsee. Während sie vor einigen Jahren hauptsächlich an den Küsten Schwedens und Dänemarks aufzufinden waren, werden sie hierzulande immer häufiger gesichtet. Grund sei das Wachstum der Populationen.

Kegelrobben sind das größte heimische Raubtier. Die Bullen können über 300 Kilogramm schwer und 230 Zentimeter lang werden. Die Weibchen hingegen bringen mit 150 Kilogramm nur die Hälfte auf die Waage.

Diese geschlechtsspezifischen Unterschiede sind bei Robben stark ausgeprägt. Sowohl die Kopfform, als auch die Nackenpartie sind bei den männlichen Tieren deutlich robuster und massiger.

Bei ihren bis zu 20 Minuten dauernden Tauchgängen erreichen Kegelrobben Tiefen von 140 Meter. Jede ausgewachsene Robbe benötigt etwa fünf bis zehn Kilogramm Fisch pro Tag.

In wenigen Tagen können sich die Tiere mehrere hundert Kilometer von ihren Liegeplätzen entfernen. Mit bis 35 Kilometern pro Stunde sind sie schnelle Schwimmer und erfolgreiche Räuber.

Susanne Gidzinski

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