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Rostock Was tun mit Rostocks Millionen?
Mecklenburg Rostock Was tun mit Rostocks Millionen?
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21:48 24.02.2018
Ab 2020 will die Hansestadt ihre Schatzkammer mit bis zu zehn Millionen Euro pro Jahr füllen – für schlechte Zeiten (Symbolbild). Quelle: Foto: Ove Arscholl
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Stadtmitte

Ein neues Theater für mehr als 100 Millionen Euro, eine Feuerwache für 60 Millionen und ein Landesmuseum am Stadthafen für um die zehn Millionen: Rostock hat in den kommenden Jahren Großes vor. Die Hansestadt kann es sich schließlich wieder leisten. Bis zu 100 Millionen Euro Plus könnte die Stadt allein im Jahr 2020 erzielen. Doch wer glaubt, die Zeiten des Sparens seien vorbei, der irrt: Finanzsenator Chris Müller-von Wrycz Rekowski (SPD) tritt schon jetzt auf die Ausgaben- Bremse. Er will einen Großteil der Überschüsse sparen – für schlechte Zeiten. Doch was tun mit so vielen Millionen auf dem Sparbuch?

„„Denkbar wäre beispielsweise, dass die Hansestadt ihre Überschüsse für ein, zwei Jahre als Festgeld anlegt. Das bringt Zinsen und ist zu 100 Prozent sicher. Es droht keinerlei Risiko.“Axel Neubert Vorstand VR-Bank Rostock Quelle: Foto: Schmidtbauer
„„Die hervorragende Konjunktur wird sich wieder eintrüben. Wir müssen daher jetzt Rücklagen für die Zeiten schaffen, in denen die Steuereinnahmen nicht mehr so gut sind.“Chris Müller-von Wrycz Rekowski (SPD) Finanzsenator Quelle: Foto: Arscholl

6,6 Milliarden Euro

an Strafzinsen mussten die europäischen

Banken im vergangenen Jahr an die Europäische Zentralbank zahlen,

weil sie ihr Geld dort

geparkt haben.

120

Millionen Euro

nimmt die Hansestadt

Rostock allein

in diesem Jahr

durch die Gewerbesteuer ein.

Überschuss soll gedrittelt werden

Schon vor einigen Wochen hat der SPD-Senator seine Vision für die Haushalte der kommenden Jahre vorgelegt. Die Millionen-Gewinne will er dritteln: 30 Prozent sollen in die Sanierung und den Ausbau der Infrastruktur fließen – in Straßen und Wege, Brücken und Gebäude. Das zweite Drittel ist für all die Projekte vorgesehen, die Rostock seit Jahren plant, bisher aber nicht umsetzen konnte – das Theater etwa oder auch das neue maritime Museum im Iga-Park. „Und ein Drittel“, so Müller-von Wrycz Rekowski, „müssen wir nutzen, um Rücklagen zu bilden“.

Wie viel Geld Rostock pro Jahr „auf die hohe Kante“ legen wird, kann er noch nicht genau beziffern: „Stand jetzt dürfte es pro Jahr um einen Betrag im hohen siebenstelligen Bereich gehen.“ Heißt: bis zu zehn Millionen Euro. Aus Sicht des Finanzchefs der Stadt macht das Sinn: Denn die satten ÜberschüsseRostock hat sie vor allem der sprudelnden Gewerbesteuer zu verdanken. Allein in diesem Jahr überweisen Firmen 120 Millionen Euro. So viel wie nie. Aber: „Die hervorragende Konjunktur wird sich in absehbarer Zeit wieder eintrüben“, so Müller-von Wrycz Rekowski. Im Klartext: Am Horizont sind erste Signale für ein Ende des Aufschwungs zu erkennen. „Und für diese Zeiten müssen wir gerüstet sein. Wir müssen jetzt Rücklagen schaffen, um auch in einigen Jahren – in schlechteren Zeiten – den Haushalt ausgleichen zu können, ohne wieder Schulden machen zu müssen.“

Was tun mit dem vielen Geld?

Die Kämmerer der Stadt stehen aber nun vor einem neuen Problem: Was tun mit den Millionen auf dem Sparbuch? Denn die niedrigen Zinsen könnten nicht nur die „normalen“ Sparer, sondern auch die Hansestadt hart treffen: Bei vielen Banken gibt es auf Guthaben von mehr als 100000 Euro schon seit einigen Jahren keine Zinsen mehr. Im Gegenteil: Die Kunden müssen „Negativzinsen“ an die Banken zahlen. Auch die Kreditinstitute, die ihr Geld wiederum bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken, zahlen für Guthaben obendrauf: Nach Berechnungen des „Handelsblattes“ haben die europäischen Banken 2017 fast sieben Milliarden Euro an Strafzinsen an die EZB gezahlt. Auch Rostock droht nun, dass das angesparte Geld mit der Zeit immer weniger wird – wenn das Amt keine Lösung für das Zins-Dilemma findet.

Einen echten Plan scheint das Rathaus noch nicht zu haben: „Die Verwaltung der Geldanlagen erfolgt durch das Finanzverwaltungsamt der Hansestadt“, antwortet Müller-von Wrycz Rekowski auf die Frage, wer sich um die Überschüsse kümmern soll. „Wir deponieren die Salden zunächst bei Banken.“ Gewinnbringende Anlageformen, wie Aktien, Renten- oder Immobilienfonds, kommen für die Stadt jedoch nicht infrage: „Zumindest derzeit kommen längerfristige Anlagen für uns noch nicht infrage“, sagt der Finanzsenator. Dass die Hansestadt sich als Investor an Unternehmen beteiligt, scheide auch aus: „Wir werden keine Anlagen verfolgen, die spekulativer Natur sind oder ein Verlustrisiko in sich tragen.“

Ospa und VR-Bank betreuen bereits Kommunen

Als Partner für die Geldanlage bieten sich die regionalen Banken an. Denn nur bei denen ist das Geld sicher: Seit Herbst 2017 jedenfalls fallen die Guthaben von Städten und Gemeinden, die bei Privatbanken liegen, nicht mehr unter deren freiwillige Einlagensicherung. Geht die Privatbank pleite, ist auch das Geld der Steuerzahler weg. Die Rostocker Ostseesparkasse hingegen bietet sich der Stadt bereits als Partner an: „Wir betreuen bereits für mehrere Kommunen aus dem Land die Rücklagen“, sagt Bank- Vorstand Karsten Pannwitt. Und: „Wir würden auch keine Strafzinsen auf Guthaben nehmen.“ Wenn die Stadt langfristig Geld anlegen will, rät er zu einer Mischung aus Renten- und Immobilienfonds, Aktien und festverzinslichen Wertpapieren: „100-prozentige Sicherheit gibt es nicht.

Aber 99,9-prozentige.“ Die Hansestadt könnte ihr Vermögen so mehren: „Auf fünf bis sieben Jahre sind zwei bis drei Prozent Rendite möglich.“ Bei zehn Millionen auf der „hohen Kante“ wären das 300

000 Euro pro Jahr.

Auch die Rostocker VR-Bank bietet sich als „Schatzkammer“ für die Hansestadt an: „Wir stehen natürlich auch als Ansprechpartner für Kommunen bereit, haben bereits Gemeinden und kommunale Einrichtungen als Kunden“, sagt Bankvorstand Axel Neubert. Namen nennen die verschwiegenen Bänker natürlich nicht. Strafzinsen würde auch die VR-Bank nicht von der Stadt verlangen: „Denkbar wäre beispielsweise, dass die Hansestadt ihre Überschüsse für ein, zwei Jahre als Festgeld anlegt.“ Das sei zu 100 Prozent sicher.

Andreas Meyer

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