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Rostock Wasserversorgung: Rostock plant für Starkregen und Dürre
Mecklenburg Rostock Wasserversorgung: Rostock plant für Starkregen und Dürre
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09:51 23.03.2019
Michaela Link (v. l.), Katja Gödke und Ulf Altmann stoßen mit Rostocker Wasser an: WWAV und Nordwasser arbeiten an Plänen für die künftige Wasserversorgung der Hansestadt. Quelle: OVE ARSCHOLL
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Rostock

Die kommenden Jahre – sie werden für Rostocks Wasserversorger Nordwasser und auch für den Warnow-Wasser- und Abwasser-Verband (WWAV) richtig teuer: Denn die Hansestadt muss Millionen in ihr Wassernetz investieren. „Wir müssen uns auf klimatische Veränderungen – aber auch auf Rostocks Wachstum – einstellen“, so WWAV-Chefin Katja Gödke. Die dringendste Aufgabe: Die Regenwasser-Leitungen in der Hansestadt sollen erweitert werden. Damit es kein „Land unter“ mehr an der Warnow gibt.

Planungen laufen seit Jahren

Dass Rostock etwas tun muss, ist seit Jahren bekannt – und bei Starkregen auch regelmäßig sichtbar: Dann nämlich läuft die S-Bahn-Unterführung an der Parkstraße regelmäßig voll. Auch in der Reuter-Straße gibt es Probleme und in der Südstadt ebenso. „Wir rechnen damit, dass in den kommenden Jahren noch mehr Regenwasser im Netz anfällt“, sagt Gödke. Denn je mehr in der Hansestadt gebaut wird, desto mehr Flächen werden auch versiegelt. „Und das Wasser von den neuen Dächern und Grundstücken landet nun einmal in unserem System.“ Da wäre aber auch noch das Thema „Klimawandel“: „Alle Experten sagen voraus, dass die Anzahl der Starkregen-Ereignisse in unserer Region zunehmen wird“, so der technische Geschäftsführer von Nordwasser, Ulf Altmann.

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Gemeinsam mit der Hansestadt und dem Wasser- und Bodenverband sollen nun in den betroffenen Stadtteilen neue Leitungen gebaut werden. Größer, ausgelegt für mehr Regen. „Wir müssen jetzt loslegen“, sagt Gödke. Und auch Altmann betont: „Wir müssen etwas tun, um die Stadt und ihre Bürger zu schützen.“ Das erste Projekt soll die Ertüchtigung von Leitungen und Netzen rund um die Hasenbäk sein. „Die verläuft vom Barnstorfer Wald bis zur Warnow“, so Gödke. Allein dieses Vorhaben wird rund sechs Millionen Euro kosten. Wie viel der gesamte Ausbau der Regenwasser-Leitungen kosten wird – das sei noch offen, hänge von den konkreten Planungen ab.

In diesem Zusammenhang untersuchen die Partner auch ein Gebiet, das für Rostocks Zukunft entscheidend sein könnte: „Wir befassen uns derzeit mit dem Thema Groß Biestow“, verrät Gödke. Denn die Planungen für den möglichen neuen Stadtteil mit bis zu 13 500 Einwohnern laufen hinter den Kulissen weiter. Auch in puncto Wasserverorgung: „Vorher muss klar sein, wie wir dort mit dem Regenwasser umgehen. Wo leiten wir es ab? Oder können wir es irgendwie zurückhalten und vor Ort speichern? Brauchen wir neue Entwässerungsachsen?“

Rostock braucht Trinkwasser

Und noch ein Thema beschäftigt die Fachleute beim WWAV und bei Nordwasser: Wie kann die Hansestadt auch in Zukunft mit sauberem Trinkwasser versorgt werden? Bisher bezieht Rostock sein Wasser aus der Warnow. Das sogenannte Oberflächenwasser wird gereinigt und dann in die Haushalte gepumpt. Am 1. Juni 2018 – dem bisherigen Rekordtag – waren es 45,5 Millionen Liter, die in nur 24 Stunden aus der Warnow geholt wurden. Das Problem: Die Lebensader Rostocks ist verwundbar. Schadstoff-Einträge aus der Natur, Terror-Angriffe auf das Wasser und nicht zuletzt auch durch Wetterphänomene. Der Rekord-Sommer 2018 hatte die Wasserquelle Warnow an ihre Grenzen gebracht.

Nordwasser sucht Alternativen. Der Plan, künftig Wasser aus der Region Nordwestmecklenburg quer durch das Land in die Hansestadt zu pumpen, ist allerdings vom Tisch: „Diese Idee haben wir verworfen“, sagt WWAV-Chefin Gödke. Zwar verfüge der Nordwesten des Landes über die größten Grundwasser-Vorräte in MV, aber auch rund um Rostock gebe es noch Quellen, die bisher nicht angezapft wurden. Zwischen Tessin und Sanitz etwa. Wobei auch das Grundwasser nicht ganz unproblematisch ist: Bei einer Expertentagung im Hause Nordwasser verriet Anne Oelscher vom Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt, dass der Sommer 2018 auch tief unter MV Spuren hinterlassen haben. Der Grundwasserpegel liege vielerorts im Land noch immer unter den Mittelwerten. Es habe seit der Hitzeperiode noch nicht ausreichend geregnet, um die Wasserspeicher im Erdreich aufzufüllen.

„Wir sind eine Region, die wächst und sich entwickelt. Natürlich machen wir uns Gedanken, wie wir den Bedarf an Trinkwasser in Zukunft stillen werden“, betont Nordwasser-Geschäftsführerin Michaela Link. Bis Ende des Jahres wollen sie und ihr Kollege Altmann einen Zukunftsplan vorlegen. Stand jetzt seien die Anlagen von Nordwasser aber ausreichend: „Das gilt sowohl für unsere Wasserquellen als auch für das Klärwerk“, so Technik-Chef Altmann.

Andreas Meyer

23.03.2019
22.03.2019
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