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Rostock Weg mit überflüssigen Kilos!
Mecklenburg Rostock Weg mit überflüssigen Kilos!
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03:55 27.02.2018
Dr. Simone Gärtner von der Unimedizin Greifswald führt bei Claudia Ertelt (46, l.) aus Gransebieth bei Grimmen eine sogenannte Bioelektrische Impedanzanalyse durch. Diese dient der Bestimmung der Körperzusammensetzung.
Dr. Simone Gärtner von der Unimedizin Greifswald führt bei Claudia Ertelt (46, l.) aus Gransebieth bei Grimmen eine sogenannte Bioelektrische Impedanzanalyse durch. Diese dient der Bestimmung der Körperzusammensetzung. Quelle: Mathias Otto
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Rostock

Rund 60 Prozent der Einwohner in Mecklenburg-Vorpommern sind übergewichtig. Damit leben hierzulande die dicksten Deutschen bundesweit. Und die Zahl der krankhaft fettleibigen Frauen und Männer steigt rasant.Um Lesern dabei zu helfen, überschüssige Pfunde loszuwerden, Medikamente abzusetzen und sich gesünder zu ernähren, hat die OSTSEE-ZEITUNG mit vier Kliniken und medizinischen Einrichtungen im Land das Programm „MV speckt ab“ gestartet. Es ist Teil der „Fit und Gesund“-Serie der OZ, die am Sonnabend beginnt.

Es gibt viele Gründe, um abzunehmen. Constanze Abbas (53) beispielsweise lebte 17 Jahre lang in Damaskus (Syrien) und Prag (Tschechien). Sie ist Mutter von sieben Kindern. „Durch Sport und gesunde Ernährung habe ich mein Gewicht lange bei 82 Kilogramm halten können. Mehrere Aspekte, etwa der Umzug zurück nach Deutschland, eine veränderte Ernährung und wenig Bewegung, führten dazu, dass das Gewicht bis auf 130 Kilogramm angewachsen ist“, sagt die Güstrowerin, die sich im Rostocker Südstadtklinikum am Magen operieren lassen möchte. „Das letzte Mal, als ich mich wohlgefühlt habe, wog ich 92 Kilo. Diesen Werte möchte ich wieder erreichen.“

Die Rostockerin Petra Prasser hingegen steckt schon mitten in den OP-Vorbereitungen. Am nächsten Montag wird bei ihr der chirurgische Eingriff vorgenommen. In Rostock. „Diese Entscheidung steht schon länger fest. Ich habe viele Diäten gemacht. Dabei nahm ich ab und wieder zu – meistens hatte ich am Ende noch mehr Kilos als vorher drauf. Ich weiß, dass ich nach der Magen-OP konsequent gesund leben muss“, so die 59-Jährige.

„Zunächst wird versucht, dass die Patienten durch mehr Bewegung und veränderte Ernährung abnehmen. Wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind und die konservative Behandlung keinen Erfolg gebracht hat, ist ein operativer Eingriff nötig“, erklärt Ärztin Dr. Nicole Strater. Dieser sei vor allem bei Patienten nötig, die einen Body-Mass-Index von 40 und mehr haben. Wichtig sei auch, dass die Betreffenden nicht an Nebenerkrankungen, wie Bluthochdruck oder Schlafapnoe, leiden. Jährlich kommen 150 bis 200 adipöse Patienten allein nach Rostock ins Adipositaszentrum, wovon rund 80 aufgrund ihrer Erkrankung operiert werden müssen.

„Die Anzeige auf meiner Waage bleibt derzeit bei 115 Kilogramm stehen. Dabei wollte ich die 108er-Marke nie überschreiten“, sagt Andreas Prager aus Trassenheide auf der Insel Usedom. Dabei ernähre sich der 55-Jährige gesund. „Und trotzdem nehme ich weiter zu“. 2016 wurde bei ihm Diabetes diagnostiziert. „Ich bin an einem Punkt angelangt, an dem ich etwas ändern muss. Ich möchte gezielt abnehmen. 102 Kilogramm sind mein Wunschgewicht.“

Deshalb vertraut er sich mit acht weiteren Frauen und Männern jetzt Medizinern und Therapeuten des Klinikums Karlsburg bei Greifswald an. In einem mehrwöchigen Kurs werden hier konkrete Wege aufgezeigt, wie sie abnehmen können. Für Ernährungsberaterin Dana Fehlau besonders wichtig: gesundes Abnehmen. Sie warnt vor Berichten, die verheißen, „jeden Tag ein Pfund verlieren“. „Diese Crash-Diäten sind zum Scheitern verurteilt“, sagt sie. Sie würden nur Dauerstress für den Körper bedeuten und sogenannte Jo-Jo-Effekte hervorrufen. Die Teilnehmer sollen deshalb ein Ernährungstagebuch führen. „Damit können wir schädliche Gewohnheiten aufdecken, die man aber leicht im Alltag umstellen kann“, erklärt die Fachfrau.

Nicht zuletzt der Kopf ist beim Thema Abnehmen wichtig. „Die entscheidende Rolle spielt der Diabetiker selbst, da er die Therapie selbstverantwortlich im Alltag umsetzen muss – und das dauerhaft. Psychologische Hilfe kann deshalb sehr wichtig sein“, betont Psychologin Mandy Kuschel.

Jeder Einzelne solle sich kurz- und langfristige Ziele stecken, raten Experten. Wieder in die Sitze der Achterbahnen passen – das möchte beispielsweise Claudia Ertelt (45) aus Gransebieth bei Grimmen. Mit einem Gewicht von 130 Kilogramm war dies in der vergangenen Zeit kaum möglich. Im Juni 2017 hatte sie sich schließlich fachliche Hilfe in der Unimedizin Greifswald geholt und seitdem viele Pfunde verloren. „Momentan steht die Waage bei 110,3 Kilo. Das macht mich schon ein bisschen stolz“, sagt sie. Früher gab es im Hause Ertelt deftiges und herzhaftes Essen, verbunden mit Kartoffeln, Nudeln, Brötchen und Brot. „Deftig wird immer noch gekocht, aber Kohlenhydrate lasse ich jetzt oft weg. Stattdessen gibt es Gemüse, wie Kohlrabi oder Möhren“, berichtet die 45-Jährige. Und zum Spielfilmgucken auf der Couch können es auch mal Frischkäse-Chips sein.

Regelmäßig besucht sie die Ernährungswissenschaftlerin Dr. Simone Gärtner in der Unimedizin. „Ein halbes bis ein Kilogramm Gewichtsverlust pro Woche sind unbedenklich“, so die Expertin. Wichtig sei auch, sich kleine, langfristige Ziele zu stecken. So wie Claudia Ertelt. „Aber Achtung: Sich zu viele Regeln aufzuerlegen, funktioniert in der Praxis nicht so erfolgreich“, erklärt die Ökotrophologin.

Wie erfolgreich ein Abnehmprogramm sein kann, zeigt Dirk Krüger aus Ribnitz-Damgarten. Er war im vergangenen Jahr Teilnehmer eines sogenannten Stoffwechselprogramms bei „Medprevio“ in Rostock. Er hatte Übergewicht und sein Blutdruck lag weit über 200 zu 183. Als optimal gelten Werte von 120 zu 80. Krügers Puls lag bei 97 Schlägen pro Minute.

„Nach einer Reha-Maßnahme habe ich mich zum Trainieren bei ,Medprevio’ angemeldet. Hier wurden die viel zu hohen Werte festgestellt“, sagt er. Krüger vertraut auf das Stoffwechselprogramm, das hier Dr. Philip Michel, Ärztlicher Leiter des Reha- und Präventionszentrums, anbietet. Das sogenannte Leberfasten mit gleichzeitiger Schulung für eine dauerhafte gesunde Ernährung bieten der Mediziner und sein Team regelmäßig am Rostocker Stadthafen an.

„Aktuell liegt der Blutdruck des Norddeutschen bei 150 zu 89. Er hat seit August seine Ernährung umgestellt und war regelmäßig bei uns im Fitnessraum“, berichtet Dr. Michel. 25 Kilogramm hat der 52-Jährige seitdem abgespeckt. „Das habe ich durch die veränderte Ernährung und intensives Sporttreiben erreicht. Ich habe wieder mehr Elan und fühle mich fitter“, so Dirk Krüger. Er will sich weiterhin ohne oder mit nur wenigen Kohlenhydraten ernähren. „Mein Gewicht soll nie wieder so hoch sein wie im vergangenen Jahr“, sagt er.

Mathias Otto

27.02.2018
27.02.2018
27.02.2018