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Rostock Weiter über 30 Grad: Rostock löst Hitze-Plan aus
Mecklenburg Rostock Weiter über 30 Grad: Rostock löst Hitze-Plan aus
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19:03 26.07.2019
Wassersäcke stehen an den Bäumen in der Rostocker August-Bebel-Straße. Quelle:  
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Rostock

Temperatur-Rekord jenseits der 40-Grad-Marke gab es in der Hansestadt Tagen nicht. „Wir haben Glück, die Ostsee und ihre frischen Brisen“, sagt Rostocks Umweltsenator Holger Matthäus (Grüne). Doch weil auch an der Warnow das Thermometer um die 30 Grad anzeigt und es seit Wochen kaum geregnet hat, hat Matthäus den „Hitzeaktionsplan“ in Kraft gesetzt. Ein Problem dieser Tage wird der aber nicht lösen können: „Wir müssen unsere Straßenbahnen mit Klimaanlagen ausstatten. Das sind fahrende Gewächshäuser“, sagt Matthäus.

Bereits 2018 hatte die Stadtverwaltung angefangen, einen Maßnahmen-Katalog für extreme Wärme-Perioden zu erarbeiten. Denn neueste Studien von Klimaforschern gehen davon aus, dass heiße Sommer künftig die Regel werden. Die Stadt will darauf reagieren: „Vor allem Kinder und Ältere sind bei diesen Wetterlagen gesundheitlich gefährdet“, sagt der Umweltsenator. Deshalb wird an Konzepten gearbeitet, wie Kitas, Schulen und auch Pflegeheime „gekühlt“ werden können.

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Mehr Schatten, mehr Wasser

„Es geht um ein Schatten- und Wassermanagement in der Stadt“, so Matthäus. Bei allen neuen Bauplänen fordere die Stadt nun hydrologische Gutachten: Wie viel Regen fällt in dem Bereich? Wie kann er für trockene Zeiten gespeichert werden? Gibt es Grundwasser-Leiter? Was ist bei Starkregen? Ein erster Schritt: Rostock soll mehr Brunnen bekommen. „2020 wollen wir den Brinckmanbrunnen sanieren. Damit dort wieder ein Ort zum Abkühlen entsteht“, verrät Matthäus. Für den Kirchplatz in Warnemünde sei ein neues Wasserspiel in Planungen. Was ihn ärgert: Die Wasserspiele am Lichtenhäger Brink seien seit zwei Jahren nicht mehr nutzbar.

Bewässerungseinsatz

Die Stadt hat begonnen, das Grün in Rostock zu wässern: „Unsere 16 Blumenwiesen wären sonst längst eingegangen“, sagt der Umweltsenator. „Auch unsere Jungbäume müssen wir retten.“ 2018 hatte das Amt bereits 25 Wassersäcke angeschafft, um Bäume zu versorgen, jetzt sind es 150. „Ärgerlich ist aber, dass die ersten bereits gestohlen wurden“, sagt Mattäus. Auf Rasenflächen und in den Parks musste die Stadt bisher noch nicht wässern: „Dort geht es den Pflanzen noch halbwegs gut.“ Die Wasserversorgung sei derzeit auch noch kein Problem: „Ich habe mit dem Versorger Nordwasser gesprochen. Wir haben noch ausreichend Kapazitäten an Trinkwasser.“

Straßenbahn ist ein Problem

Was Matthäus aber Sorgen macht: „Unsere alten Straßenbahnen sind derzeit unerträglich heiß“, weiß er aus eigener Erfahrung. Die Fahrzeuge aus den 1990er Jahren würden nicht über Klimaanlagen verfügen. „Das haben nur die neuen Bahnen. Wir müssen uns mit dem Thema befassen – und dringend Kühltechnik nachrüsten.“ Für die Fahrgästen seien die Temperaturen nicht zumutbar. „Ich habe selbst beobachtet, dass Fahrgäste zwischendurch aussteigen, sich kurz an der Luft erfrischen und dann die nächste Bahn nehmen.“

Recyclingcenter mussten aufrüsten

Ein Problem aus dem Vorjahr soll es indes 2019 nicht mehr geben: Damals brannten gleich mehrfach Recyclinganlagen in der Hansestadt. Eine Anlage von Veolia in Hinrichsdorf brannte sogar zwei Mal, muss jetzt neu aufgebaut werden. „Wir haben insgesamt zehn Anlagen in der Hansestadt, in der relevanter Abfall behandelt und gelagert wird. Wir haben uns alle angesehen und gemeinsam mit dem Brandschutz- und Rettungsamt sowie dem Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Auflagen gemacht.“ Die Unternehmen mussten beispielsweise neue Löschtechnik und Brandmeldeanlage installieren, größere Wasservorräte anlegen. „Da gehen wir auf Nummer sicher.“

Andreas Meyer