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Rostock „Churchill war der King“: Am Welteisbärentag unterwegs im Rostocker Zoo
Mecklenburg Rostock „Churchill war der King“: Am Welteisbärentag unterwegs im Rostocker Zoo
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16:30 27.02.2019
Churchills Enkel Akiak genießt die Sonne im neuen Polarium des Rostocker Zoos. Quelle: Benjamin Barz
Rostock

Ein Drei-Meter-Riese mit scharfen Krallen – so empfängt der Eisbär Churchill die Besucher der Zoologischen Sammlung der Universität Rostock. Zu Lebzeiten war er 560 Kilo schwer. Churchill starb 2013 mit 34 Jahren – als einer der ältesten Eisbären der Welt.

Ihm und seinen Artgenossen ist der Welteisbärentag am 27. Februar gewidmet. Ein Verband amerikanischer Zoos initiierte den Gedenktag erstmals 2004, um auf die Gefährdung des Raubtieres aufmerksam zu machen. Sein Lebensraum schmilzt durch die globale Erwärmung.

Impressionen aus Bärenburg und Polarium

„Churchill war der King“

Eisbär Churchill war fast schon ein Star“, sagt Matthias Petzholdt. Er war über 20 Jahre lang Churchills Pfleger und erinnert sich gut an ihn: „Churchill war der King, der absolute und uneingeschränkte Herrscher.“ Als Petzholdt vor 30 Jahren im Rostocker Zoo anfing, haben die weißen Bären ihn noch zu Tode erschreckt. „Ich bin fast an der Wand lang gekrochen.“ Aber irgendwann gewöhne man sich an die Tiere.

Angst hat der gelernte Tierpfleger heute nicht mehr. Eisbären seien sehr sensible Tiere. Deshalb müssen die Pfleger ruhig arbeiten, dürfen sich nicht plötzlich bewegen. Besonders gern soll der Polarbär Rind, Fisch und Kopfsalat gegessen haben. „Wenn Churchill signalisiert hat, dass ein Stück Fleisch sein Futter ist, dann haben die anderen Bären das besser so akzeptiert“, erzählt der 47-Jährige weiter. Bis auf die Eisbärin Vienna soll es keiner gewagt haben, ihm sein Futter streitig zu machen.

„Eine große Tier-Persönlichkeit“

Mit Vienna zeugte Churchill sechs von insgesamt zehn Kindern. „Damit ist er eine große Tierpersönlichkeit gewesen“, meint Antje Zimmermann, studierte Biologin und Kuratorin des Rostocker Zoos. Seine Nachkommen sind in der ganzen Welt, etwa in Finnland oder Kanada, untergekommen. „Eisbären werden übrigens nicht gekauft“, stellt Zimmermann klar. Meist werden sich Zoos in einem Tauschhandel einig. „Wir schauen bei der Wahl unserer Partner auf gute Haltungsbedingungen“, erklärt die Kuratorin. Die aktuellen Bewohner des Rostocker Polariums, die jungen Eisbären Sizzel (4), Noria (3) und Churchills Enkel Akiak (4), sind aus Rotterdam (Niederlande), Brno (Tschechien) und Rhenen (Niederlande) an die Ostsee gezogen.

Stammbaum des Rostocker Eisbären Akiak Quelle: Cassandra Voigt

Der Zoo Rostock hofft durch sie auf weiteren Nachwuchs. „Aber das hat noch Zeit“, so die Zoo-Biologin, „Eisbären werden erst mit vier bis fünf Jahren geschlechtsreif.“ Die Zucht sei anspruchsvoll, ihr Fortpflanzungsverhalten nicht einfach. Die Tiere wählen sich ihren Partner gerne selbst aus, daher sei es wichtig, die richtigen Paare zusammenzubringen. Weil die Tiere von Natur aus Einzelgänger sind, sei es wichtig, den Tieren genügend Distanz zueinander zu bieten. Das Polarium erfülle diese Bedingung.

Eisbären-Zucht im Rostocker Zoo Quelle: Cassandra Voigt

Enkel Akiak könnte Churchill übertrumpfen

Akiak hat als Enkel von Churchill gute Chancen, seinen Großvater in Körpergröße und Gewicht zu übertrumpfen. Informationen wie diese werden im sogenannten Zuchtbuch gesammelt und mit Wissenschaftlern ausgetauscht, so die Expertin. So können auch Rückschlüsse auf die Lebensweise und die Fortpflanzung der in der freien Wildbahn lebenden Tiere gezogen werden. Das Ziel der Forschung sei es, die Eisbärenpopulation in der Natur zu stabilisieren. Zimmermann fasst zusammen: „Nur wenn wir die Tiere kennen, können wir die Tiere und ihren Lebensraum auch schützen.“

Eisbären ohne Eis

Der Eisbär ist das größte an Land lebende Raubtier. Aktuell wird sein Bestand von Wissenschaftlern auf circa 25 000 Tiere geschätzt. Seit 2006 wird er in der Kategorie „gefährdet“ auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN geführt. Sein Lebensraum schmilzt durch die globale Erwärmung. Aber auch die Meeresverschmutzung, die zunehmende Schifffahrt sowie die Förderung von Öl- und Gas in der Arktis gefährden die Spezies.

Der Rostocker Zoo arbeitet seit zwei Jahren mit Polar Bears International (PBI) zusammen. Als Teil des Projektes wurde eine frei lebende Eisbärin mit einem Sender ausgestattet. Sie wurde nach der Rostocker Bärin Vilma benannt. Auf www.polarbearsinternational.org kann ihre Route verfolgt werden.

Auch der WWF (World Wide Fund For Nature) befürwortet die Arbeit von Zoos auf dem Gebiet des Artenschutzes. Die Umweltorganisation sieht die Aufgabe der Zoologischen Gärten und Tierparks darin, das Verhalten von bedrohten Arten zu erforschen.

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Lena Hackauf