Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Wie das Rostocker Schuhhaus Höppner den großen Ketten aus dem Westen trotzte
Mecklenburg Rostock Wie das Rostocker Schuhhaus Höppner den großen Ketten aus dem Westen trotzte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:00 26.10.2019
Michael und Roswitha Höppner (v. l.) haben das gleichnamige Rostocker Schuhgeschäft an ihren Sohn Andreas Höppner (r.) übergeben. Gemeinsam führen sie die Geschäfte und beschäftigen rund 70 Mitarbeiter an verschiedenen Standorten. Quelle: Ove Arscholl
Anzeige
Rostock

Das Schuhhaus gibt es in Rostock seit 1816. Der Inhaber Andreas Höppner (41), der die Firma von seinen Eltern übernommen hat, führt das Geschäft in sechster Generation. Er ist Herr über 70 Mitarbeiter in sieben Schuhgeschäften – vier Mal in Rostock, dazu Warnemünde, Stralsund, Greifswald.

Die Familie hatte das Haus, in dem das Schuhgeschäft am Kröpeliner Tor ein Fixpunkt und Besuchermagnet ist, in den 1920er-Jahren erworben – und 1972 im Sozialismus verloren.

Der Mauerfall brachte die lang ersehnte Wende für die Familie

Die Wende sei für ihn als Unternehmer wie ein Aufbruch gewesen, erinnert sich Michael Höppner (64). Sein Sohn sei 1989 elf gewesen. Höppner erinnert sich mit dem nostalgischen Lächeln eines Vaters, der seinen Spross groß gekriegt hat. „Wir haben in so ’nem Mietshaus gewohnt – ’89. Andreas ist am Tag nach dem Mauerfall morgens mit seinem Tornister diesen ewig langen Flur runtergetrottet, nach 20 Metern zurückgekehrt und hat gefragt, ob er jetzt endlich in der Schule erzählen dürfe, dass die Grenzen offen sind.“ Seine Frau Roswitha (63) nickt. Als Unternehmer hat man sich danach gesehnt.

Gegen die großen Schuhketten durfte man keine Fehler machen

Nach der Wende habe man kämpfen müssen. Michael Höppner: „Strukturwandel? Kennen wir, ist ja nicht der Erste! Wir mussten gleich gegen die großen Filialen aus dem Westen mit den vollen Kriegskassen ran und wussten, dass wir keine Fehler machen dürfen.“ Auch um das Grundstück mit Geschäftshaus in der Kröpi musste die Familie kämpfen. „War alles nicht einfach, aber wir sind stolz drauf, dass wir es geschafft haben“, sagt Höppner. Als Familie, als Team.

So viele Familienbetriebe gebe es im Handel in Rostock gar nicht mehr: Modehaus Nikolaus, Tabakwaren Nitz, Brillen-Krille, Schuhhaus Höppner. Das war’s fast, sagt er. Die meisten Familienbetriebe hätten ja den Sozialismus nicht überstanden. Und obwohl Höppner 2016 das 200-jährige Bestehen als Familienbetrieb feiern konnte, sei man bei einer IHK-Studie zu den ältesten Firmen in MV nicht einmal unter die ersten 20 gekommen.

Höppner: Rostock wird sich weiter gut entwickeln

Andreas Höppner ist über die Entwicklung in Rostock glücklich. „Wie die Innenstadt aufgestellt ist – alles gut. Der Proporz stimmt noch nicht ganz. Wir brauchen einen größeren Branchenmix und mehr Textil.“ Außerdem sei die Verkaufsfläche von 75 000 Quadratmetern angesichts der Größe der Fußgängerzone zu gering. „Wir müssten bei einer Stadt wie Rostock um die 100 000 haben“. Aber das passe schon. Das kommt.

Als Familie habe man in der Unternehmensführung eine Struktur geschaffen, in der jeder seine Aufgaben habe. Da dürfe der Patriarch auch mal Läuschen aus seiner Kindheit erzählen, sagt Andreas Höppner und grinst.

Über den Autor

Alle Beiträge zu Teil 5 der OZ-Serie „Wem gehört das Land“: Kröpeliner Straße in Rostock

Legendäre Kröpi:
Die Eigentümer hinter Rostocks teuerster Straße

Erfolgsstory KTC:
Das sind die Macher hinter dem Rostocker Shopping-Center

ScanHaus-Chef Friedemann Kunz:
Warum er große Teile Rostocks kaufte

Rostocker Familientradition:
Ur-Ur-Ur-Ur-Opa gründete Brillen Krille

Schuhhaus Höppner:
Wie die Firma den großen Ketten aus dem Westen trotzte

Hedgefonds und Immobilienmogule:
Die Phantome der Rostocker Fußgängerzone

Experte:
„Wer in der Rostocker Innenstadt eine Immobilie besitzt, sollte sie behalten!“

OZ-Serie „Wem gehört das Land?“

Die OZ stellt in der Serie „Wem gehört das Land?“ Eigentümer in wichtigen Orten und Lagen in Mecklenburg-Vorpommern vor. Denn sie bestimmen durch ihre Aktivitäten maßgeblich die Entwicklung mit. Die Kröpeliner Straße in Rostock ist der fünfte Teil der Reihe. Zuvor erschienen sind Binz auf Rügen, ein Überblick zu Eigentümern in der Landwirtschaft, die Halbinsel Wustrow und die Usedomer Kaiserbäder.

Lesen Sie mehr Teile der OZ-Serie:

„Wem gehört das Land?“

Von Michael Meyer

Rostock Wem gehört das Land – Kröpeliner Straße in Rostock Legendäre Kröpi: Das sind die Eigentümer hinter Rostocks teuerster Straße

Während andere Städte in Ost und West mit verwaisten Fußgängerzonen und Preisverfall zu kämpfen haben, hat sich die Kröpeliner Straße in Rostock zu einem Juwel auf dem Immobilienmark entwickelt – Leerstand gibt es hier praktisch nicht. Doch wem gehört die Fußgängerzone eigentlich?

26.10.2019
Rostock Wem gehört das Land – Kröpeliner Straße in Rostock Hedgefonds und Immobilienmogule: Die Phantome der Rostocker Fußgängerzone

Der größte Teil der Immobilien in der Rostocker Kröpi ist im Besitz anonymer Immobilien-Gesellschaften, von Fonds und Hedgefonds oder Versicherungen.Über ihr Eigentum zu reden, gehört nicht zum Kerngeschäft.

26.10.2019
Rostock Wem gehört das Land – Kröpeliner Straße in Rostock Rostocker Familientradition: Ur-Ur-Ur-Ur-Opa gründete Brillen Krille

Frank Ammenn (54) ist Inhaber des Rostocker Optik-Fachgeschäfts in sechster Generation und schaut zuversichtlich in die Zukunft. Sein Sohn Onno (19) steht als Azubi bald für die Nachfolge bereit.

26.10.2019