Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock „Wildwest auf der Warnow“
Mecklenburg Rostock „Wildwest auf der Warnow“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:05 19.08.2017
Der Auslöser der Debatte: Den Augenblick der Kollission zwischen dem historischen Dampfeisbrecher „Stettin“ und der Fähre „Finnsky“ haben Segler auf einem Video festgehalten. Quelle: Foto: Youtube/privat
Stadthafen

Als am vergangenen Sonnabend die ersten Nachrichten von einem schweren Schiffsunglück auf der Rostocker Hanse Sail die Runde machen, ist Gerd Simonn wenig überrascht: „Dass es die ,Stettin’ treffen wird – das habe er natürlich nicht geahnt. Doch dass es irgendwann krachen wird auf der Sail – das war nur eine Frage der Zeit“, sagt der Kapitän des Traditionsseglers „Santa Barbara Anna“. Schon seit Jahren komme es immer wieder zu Beinahe-Kollisionen beim größten Segelfest des Landes. „Die kritischen Situationen häufen sich“, so Simonn. Auch die Wasserschutzpolizei spricht von „zu viel Wildwest auf dem Wasser“. Simonn fordert nun einen „runden Tisch“ für mehr Sicherheit auf See – und strengere Regeln für die Sail.

Nach „Stettin“-Unglück: Skipper fordern strengere Verkehrsregeln für die Hanse Sail

Die kritischen Situationen auf der Hanse Sail häufen sich. Da wird mir Angst und Bange.

Gerd Simonn Skipper der

Santa Barbara Anna“

Enges Revier auf der Warnow

„Das Schifffahrtsrevier in Rostock ist speziell“, sagt der erfahrene Skipper Simonn. „Bei der Kieler Woche zum Beispiel haben die Schiffe Platz, die Förde ist breit genug. In Rostock aber sind fast 200 Schiffe auf der engen Warnow unterwegs.“ Er selbst wäre mit der „Santa Barbara Anna“ in diesem Jahr fast in ein Unglück verwickelt worden – in Höhe des Molenkopfes in Warnemünde: „Wir liefen gerade aus. Wie es sich gehört, auf der rechten Fahrwasser-Seite. Die Fähre ,Berlin’ lief und in der Mitte überholte uns dann plötzlich noch die ,Kruzenshtern’. Das war eng, da kriegst Du als Kapitän Angst“, berichtet Simonn. Und solche Szenen gehören bei der Sail leider mittlerweile zum Alltag: „Auf der Warnow müssen die Skipper äußerst diszipliniert sein. Doch das sind nicht alle.“

Neue Regeln sollen die Sail sicherer machen

Simonn spricht sich für zusätzliche Verkehrsregeln bei der Sail aus: „Es gibt beispielsweise eine Höchstgeschwindigkeit – 6,5 Knoten. Aber es gibt keine Mindestgeschwindigkeit. Allzu oft halten aber kleine, langsame Schiffe den Verkehr auf der Sail auf – und dann kommt es zu abenteuerlichen Überholmanövern.“ Und noch ein Punkt: „Die Fähren, Frachter und Kreuzliner werden zwar von der Polizei in den Hafen begleitet. Aber es wäre wichtig, dass die Verkehrszentrale alle Schiffe im Revier per Funk informiert, wo gerade einer der ,Großen’ dreht, manövriert oder verholt.“ Simonn macht sich dafür stark, dass sich Hanse Sail- Büro, Hafenamt, die Verkehrszentrale und der Polizei gemeinsam mit den Skippern an einen Tisch setzen – „und dann müssen wir über das Thema Sicherheit reden. An Land ist das ja auch gelungen bei der Sail“. Nun soll auch auf See was geschehen.

Ordnungshüter sehen Handlungsbedarf

Robert Stahlberg, Sprecher der Landeswasserschutzpolizei, begrüßt die Initiative der „Santa Barbara Anna“-Crew: „Ja, wir wären bei einem solchen runden Tisch dabei“, sagt er. Zwar liege die Zahl der Unglücke auf der Sail in den vergangenen Jahren „im einstelligen Bereich“, Handlungsbedarf sehen die Ordnungshüter aber dennoch: „Das Fahrwasser ist sehr eng, die Berufsschifffahrt legt für die Sail keine Pause ein und auf dem Fluss ist jede Menge los.“ Die Wasserschutzpolizei sei bei der Sail zwar mit 50 Beamten auf dem Wasser im Einsatz, aber: „Wir begleiten unter anderem die großen Schiffe.

Aber wir können auch nicht überall sein.“ Allzu oft finde „Wildwest auf der Warnow“ statt. „Aus unserer Sicht ist die Sail dennoch sicher – auch auf See. Aber besser geht es natürlich immer.“ Das Wasser- und Schifffahrtsamt Stralsund (WSA), zuständig für die Warnow, macht Simonn hingegen noch keine klare Zusage: „Wir müssen erst mal die Ereignisse der Sail 2017 auswerten. Klar ist schon jetzt, dass da viele Dinge passiert sind, die so nicht passieren dürfen und die wir nicht hinnehmen können“, sagt Jan Schulze, der stellvertretende Leiter des WSA. Vor jeder Sail finde eine Risikobewertung durch die Behörden statt: „Aber menschliches Versagen kann niemand ausschließen.“

Sail-Chef und Hafenkapitän: „Die Sail ist sicher“

Bei Holger Bellgardt, dem Chef der Sail, sind bisher noch keine Klagen wie die von Skipper Simonn aufgelaufen: „Wir haben alle Vorkehrungen für einen sicheren Ablauf auch auf dem Wasser getroffen, befassen uns jedes Jahr wieder mit dem Thema.“ So sei das Feuerwerk in Warnemünde bereits um 22 Uhr abgefeuert worden, das im Stadthafen erst 22.40 Uhr: „Damit entlasten wir den Stadthafen. Denn die Fahrgastschiffe können ihren Gästen das Feuerwerk in Warnemünde anbieten. Weniger Verkehr im Stadthafen bedeutet mehr Sicherheit.“ Bellgardt sieht derzeit keinen Anlass für neue Regeln, aber: „Reden mit den Skippern wollen wir natürlich.“ Gisbert Ruhnke, Leiter des Hafenamtes, spricht von einem „erhöhten Risiko“ während der Sail: „Wir hatten jetzt seit Jahren das erste Mal einen größeren Unfall. Aus unserer Sicht ist alles in Ordnung.“ Reden will aber auch er.

Stettin“ läuft heute nach Hamburg aus

Neuigkeiten gibt es indes vom historischen Dampfeisbrecher „Stettin“. Das Traditionsschiff – seit der ersten Hanse Sail immer in Rostock beim Segelfest mit dabei – wird Rostock heute mit Kurs Heimathafen Hamburg verlassen. Die „Stettin“ war am Sonnabend mit der Fähre „Finnsky“ kollidiert. Das Unglück, bei dem ein zwei Meter langer Riss in dem Eisbrecher entstand, hat die Debatte über die Sicherheit ausgelöst. Der Schaden wurde inzwischen notdürftig repariert. Zur Unglücksursache oder der Schuldfrage macht die Wasserschutzpolizei weiterhin keine Angaben: „Die Ermittlungen laufen noch.

Wir werten unter anderem die digitalen Positionsdaten der beiden beteiligten Schiffe aus“, so Polizeisprecher Stahlberg. Erst danach werde der Vorgang an die Staatsanwaltschaft übergeben: Die ermittelt wegen Körperverletzung: Zehn der 145 Passagiere an Bord der „Stettin“ waren beim Zusammenstoß verletzt worden.

Andreas Meyer

Rostock OZ-Schulnavigator Teil 24: Die Krusensternschule - 330 Schüler, 15 Länder und eine Schule

Die gebundene Ganztagsschule setzt auf vorbildliche Berufsorientierung und die Förderung von Schülern aus allen Nationen.

02.02.2018
Rostock OZ-Schulnavigator Teil 22: Das Förderzentrum am Schwanenteich - Diese Schule ist eine Chance

Das Sonderpädagogische Förderzentrum setzt den Schwerpunkt auf das Lernen. Auch die berufliche Vorbereitung wird gefördert.

07.02.2018
Rostock OZ-Schulnavigator Teil 21: Die Störtebeker-Schule in Groß Klein - Hier zählt besonders der Zusammenhalt

270 Mädchen und Jungen werden unterrichtet. Die Atmosphäre ist familiär. Der Fokus im Schulalltag liegt auf der Vorbereitung für das Berufsleben.

07.02.2018