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Rostock „Wir haben Platz“ – Wie Rostocker Aktivisten Geflüchteten helfen wollen
Mecklenburg Rostock

„Wir haben Platz“ – Wie Rostocker Aktivisten Geflüchteten helfen wollen

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21:31 08.02.2020
Ein Teil der Aktivisten am Samstag auf dem Rostocker Gertrudenplatz. Hanna Seifert (3. v. r.) war bereits als Helferin vor Ort in den griechischen Flüchtlingscamps und kennt die miserablen Bedingungen dort. Quelle: Claudia Labude-Gericke
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Rostock

Hanna Seifert hat die Zustände vor Ort gesehen – und wird die Bilder aus Samos nie mehr vergessen: „Die medizinische Versorgung der Menschen ist kaum möglich, die hygienischen Bedingungen sind eine Katastrophe“, erzählt sie von ihrer Zeit als ehrenamtliche Helferin im griechischen Flüchtlingscamp. „Dort stehen Container, die für 700 Menschen gedacht sind. Aber tatsächlich sind 4000 bis 5000 Menschen vor Ort“, sagt die Rostockerin.

Statt wie geplant nur rund 14 Tage zur Erstaufnahme im Camp zu verbringen, müssten die Geflüchteten bis zu zwei Jahre in den Containern und der darum herum entstandenen Zeltstadt aushalten. Und das auch im Winter, bei teilweise eisigen Temperaturen und Dauerregen. Neben Nahrung fehlen vor Ort auch Bildungsangebote für die große Zahl an Minderjährigen in den Camps.

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Rostock hat Platz – und will sicherer Hafen sein

„Das ist unmenschlich und nicht hinnehmbar – vor allem, weil wir freie Kapazitäten haben“, sagt Ronja Thiede von Rostock hilft. Das Bündnis hatte deshalb zum bundesweiten Seebrücken-Aktionstag am Sonnabend auf dem Gertrudenplatz in der Rostocker KTV Zelte aufgebaut. „Wir haben Platz“, lautete das Motto der kurzen Demonstration.

Rostock hat schon einmal bewiesen, dass die Stadt eine starke Zivilgesellschaft hat, die es aushalten kann. Und vor allem die Kapazität hat, Flüchtende aufzunehmen“, so Ronja Thiede. Schließlich wären mittlerweile bereits zwei frühere Unterkünfte für Flüchtlinge geschlossen worden und in den bestehenden Einrichtungen noch Plätze frei.

Zudem hätte sich Rostock bereits vor einiger Zeit dem Bündnis “Sichere Häfen” angeschlossen und sich damit bereit erklärt, Geflüchtete aufzunehmen die über das Mittelmeer nach Europa kommen. „Dieser Aufnahmebereitschaft der Städte steht lediglich Horst Seehofer im Weg. Diese Blockadehaltung muss ein Ende haben.“, erklärt die Aktivistin.

Schnelles Handeln zum Schutz der Menschen gefordert

Griechenland hat keine Chance, mit der Situation vor Ort alleine klarzukommen“, sagt Hanna Seifert. „Denn die Geflüchteten bleiben ja im Land, auch wenn sie das Lager verlassen. Es muss eine europaweite und bessere Aufteilung der Menschen geben“, sagt sie.

„Der Umgang Europas mit Schutzsuchenden ist beschämend“, findet auch Ronja Thiede. Die Bundesregierung müsse sofort reagieren und Hilfe anbieten. „Die Zustände vor Ort verlangen schnelles Handeln“, sagt die Aktivistin von Rostock hilft. Weil Hanna Seifert das aus eigenem Erleben kennt, plant sie einen weiteren Einsatz in Griechenland – verbunden mit der Hoffnung, dass der bundesweite Protest vom Sonnabend an den entscheidenden Stellen Gehör findet.

Von Claudia Labude-Gericke