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Rostock Wiro-Chef: Warum Rostock keinen Mietdeckel braucht
Mecklenburg Rostock Wiro-Chef: Warum Rostock keinen Mietdeckel braucht
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05:30 01.07.2019
Ist zufrieden mit dem Geschäftsjahr 2018: Wiro-Geschäftsführer Ralf Zimlich auf dem Dach der Firmenzentrale.
Ist zufrieden mit dem Geschäftsjahr 2018: Wiro-Geschäftsführer Ralf Zimlich auf dem Dach der Firmenzentrale. Quelle: OVE ARSCHOLL
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Rostock

Der größte Vermieter des Landes zieht Bilanz: Auch 2018 fuhr die stadteigene Wohnungsgesellschaft Wiro wieder Millionen-Gewinne ein. Warum es dem Unternehmen aber nicht um Rekorde geht, was die Wiro plant und weshalb jeder in Rostock eine Bleibe findet, verrät der Vorsitzende der Geschäftsführung, Ralf Zimlich, im OZ-Interview.

Herr Zimlich, 31,2 Millionen Euro Gewinn hat die Wiro 2018 gemacht. 14 Millionen Euro davon gehen in die Stadtkasse. Sind Sie zufrieden?

Wir stellen uns natürlich jedes Jahr die Frage, was erwarten wir und wie entwickelt sich der Markt. Und wenn das so eintritt – ja, dann sind wir bei der Wiro zufrieden. Dabei geht es uns aber nicht allein um die Höhe des Gewinns.

Der ist ja etwas kleiner als noch 2017 ausgefallen – 1,6 Millionen Euro kleiner ...

Der Vorteil eines kommunalen Unternehmens ist, ich habe keine Aktionäre, denen ich geringere Gewinne erklären muss. Wir dürfen auch an die Kunden denken. Dass wir etwas weniger Gewinn gemacht haben, ist auch eine bilanzielle Sache – ein Thema der Zu- und Abschreibungen. Aber noch mal: Unser Ziel ist es nicht, von Rekord zu Rekord zu jagen. Wir wollen unsere Mieter und unsere Gesellschafter zufriedenstellen – und brauchen ein gutes Ansehen bei den Banken.

Wieso das?

Die Wiro wird in den kommenden Jahren 1500 neue Wohnungen in Rostock bauen. Wir wollten das eigentlich über einen längeren Zeitraum verteilen, nun gehen wir viele Projekte gleichzeitig an. Das kostet nicht nur Kraft, sondern auch eigenes Geld. Ohne Eigenkapital geht es nicht mehr. Wir brauchen also Bares. Und dann muss uns dabei noch der Spagat gelingen, die Mieten möglichst flach zu halten.

Stichwort Mieten: Im Oberbürgermeister- und auch Bürgerschaftswahlkampf ging es häufig genau um dieses Thema, um steigende Mieten. In Berlin wurde nun sogar ein Mietdeckel beschlossen. Macht das nicht auch in Rostock Sinn?

Wir haben uns bei der Wiro vorgenommen, die Mieten in drei Jahren um maximal zehn Euro anzupassen – und zwar auf die Wohnungen gerechnet, nicht auf den Quadratmeter. Das halten wir für mehr als sozial-verträglich. Also wir brauchen definitiv keinen Mietdeckel.

Aber fehlt nicht auch in Rostock bezahlbarer Wohnraum?

Aktuell haben allein wir 158 freie Wohnungen im Angebot. Ich will das Problem nicht klein reden. Sicherlich fehlen in der Hansestadt große Wohnungen – für Familien zum Beispiel. Das ist eindeutig so. Aber gleichzeitig haben wir Bewerber, die vier angebotene Wohnungen ablehnen. Wer wirklich eine Wohnung braucht, der bekommt bei uns auch eine. Ein aktuelles Beispiel: Eine Servicekraft in Warnemünde, die dort eine Ein-Raum-Wohnung suchte, hat innerhalb von vier Wochen auch eine bekommen.

Ja, aber zu welchem Preis?

Die Durchschnittsmiete unserer 35 200 eigenen Wohnungen liegt bei 6,08 Euro je Quadratmeter. Mal zum Vergleich: In den Förderprogrammen des Landes gelten 6,60 Euro als sozialer Wohnungsbau. Ein durchschnittlicher Mieter bei uns gibt 24 Prozent seines Einkommens für die Miete aus. Das liegt weit unter dem Bundesdurchschnitt, der tatsächlich in den vergangenen Jahren stark gestiegen ist.

Dann ist ja alles gut auf dem Rostocker Wohnungsmarkt ...

Nein, wir spüren schon einen gewissen Druck. Wie gesagt: Wenn eine Familie mit kleinem Einkommen in Rostock eine große Wohnung sucht, hat sie ein Problem. Genau deshalb investieren wir ja beispielsweise in der Südstadt in die Aufstockung von Wohnblöcken. Dort entstehen in den neuen, aufgestockten Etagen größere Wohnungen.

Aber gibt es die Neubauten auch für sechs Euro Miete?

Für sechs Euro je Quadratmeter können Sie heute nicht mehr neu bauen. Ein großer Teil des Problems ist die Überregulierung von staatlicher Seite. Alles, was wir zusätzlich beim Bau berücksichtigen müssen, steigert den Preis. Und: Sie finden fast keine Firmen mehr, die Ihnen die Wohnungen bauen. Wir haben aktuell zudem Preissteigerungen von zehn Prozent pro Jahr. Unter neun Euro Miete können Sie heute nicht mehr neu bauen.

Der Gesellschafter - die Hansestadt – fordert mehr Neubauten von Ihnen. Was planen Sie 2019?

Wir haben in der Thierfelder Straße mit der Erschließung begonnen. Bis zu 160 Wohnungen entstehen dort. Dann wollen wir an der Möllner Straße starten – mit dem Bau von 330 neuen Wohnungen. Und dann ist auch schon das Werftdreieck dran. Dort sind 750 Wohnungen geplant.

Die großen Wohngebiete – die Plattenbauten in Lütten Klein etwa und in der Südstadt – sind über 50 Jahre alt. Wie lange stehen die Blöcke noch?

Lange. Wir haben die Wohnungen und Gebäude dort nach der Wende komplett saniert, sind jetzt in der zweiten Sanierungswelle. Über die ,Platte’ diskutieren wir nicht: Die Wohnungen haben auch heute noch moderne Grundrisse. Diese Gebäude sind besser als ihr Ruf. Wir denken sogar darüber nach, einige Häuser aufzustocken – und dann auch Fahrstühle anzubauen.

Stichwort Klimaschutz. Welchen Beitrag kann die Wiro leisten?

Das ist ein großes Thema. Wir haben ja eine eigene Energie-Tochter und denken über verschiedene Projekte nach. Ein Stichwort ist „Mieter-Strom“. Wir wollen Strom auf unseren Dächern für unsere Mieter im Haus erzeugen. Nur: Wenn die Sonne scheint, sind unsere Mieter bei der Arbeit – und verbrauchen keinen Strom. Nachts, wenn sie ihn abnehmen, scheint die Sonne nicht. Also brauchen wir Speicher. Und da denken wir zum Beispiel über Heizungen nach, die wir tagsüber mit Strom vom Dach „füttern“ und die dann nachts ihre Wärme abgeben.

Andreas Meyer