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Wirtschaft Einzigartig: Aida baut Wasserstoff-Antrieb für Kreuzfahrtschiffe
Mecklenburg Rostock Wirtschaft Einzigartig: Aida baut Wasserstoff-Antrieb für Kreuzfahrtschiffe
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19:14 10.10.2019
Die „Aidanova“ ist das neueste Schiff der Rostocker Reederei. Es soll nun auch mit Brennstoffzellen ausgestattet werden. Quelle: Aida Cruises
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Rostock

Der Rostocker Branchen-Primus will in der Kreuzfahrt-Branche erneut Maßstäbe setzen: Als erste Kreuzfahrt-Reederei der Welt wird Aida Cruises ab 2021 Brennstoff-Zellen an Bord eines Luxusliners testen. Denn Brennstoffzellen nutzen als Treibstoff Wasserstoff. Bei der Verbrennung entstehen Wasser und Sauerstoff, aber keine schädlichen Klimagase wie zum Beispiel CO2.

„An Bord der ,Aidanova’ wollen wir die Technologie unter realen Bedingungen testen. Unser Ziel bleibt es, spätestens bis 2050 Kreuzfahrten ganz ohne Abgase anzubieten“, sagt Aida-Vize-Präsident Hansjörg Kunze.

Kreuzfahrten in der Kritik

Weltweit steht die Kreuzfahrt-Branche immer stärker in der Kritik – vor allem wegen des hohen Schadstoff-Ausstoßes der Riesen-Schiffe. Zuletzt kam es in Kiel und Hamburg zu Protesten. Auch in Helsinki blockierten Aktivisten das Auslaufen der Luxusliner. Mehr und mehr werden grüne Technologien an Bord deshalb auch zu einem Marketinginstrument: Eine steigende Zahl von Passagieren entscheidet auch anhand von Umweltkriterien, ob sie eine Reise an Bord bucht – und wenn ja, bei welcher Reederei.

Bildergalerie: „Aidaprima“ in Warnemünde

Die schönsten Bilder vom Überraschungsbesuch des Kreuzfahrtriesen an der Warnow.

Aida gilt in der Branche als so etwas wie der „Saubermann“ – und als Vorreiter: Die Rostocker waren die Ersten, die ihre Schiffe im Hamburger Hafen „an das Kabel“ legten. Statt die Schiffsdiesel während der Liegezeit laufen zu lassen, werden die Kussmund-Schiffe mit Landstrom versorgt. Der Motor bleibt aus, der Schornstein auch. In Kiel und Warnemünde sind ähnliche Anlagen bereits geplant. Bis Ende 2020 werden zwölf von 14 Aida-Schiffen mit Landstrom-Anschlüssen an Bord ausgerüstet sein.

LNG-Technologie aus Rostock

Und: Die „Aidanova“ – seit Ende 2018 im Dienst – ist das erste Kreuzfahrtschiff weltweit, dass bereits komplett mit dem Flüssiggas LNG angetrieben wird. LNG gilt deutlich emissionsärmer als Diesel. Die LNG-Technologie für die neueste Generation der Aida-Schiffe stammt übrigens aus Rostock: Die Maschinenraum-Sektionen samt der Gastanks werden auf der Neptun-Werft gebaut, die Motoren stammen aus dem benachbarten Werk von Caterpillar.

Auch das Schwesterschiff der „Aidanova“, das am Dienstag in Rostock auf Kiel gelegt wird und Ende 2021 in See stechen soll, wird komplett mit LNG angetrieben. „Das ist für uns aber nur ein weiterer Schritt auf dem Weg zu grünen Kreuzfahrten“, sagt Aida-Vize Kunze.

Konkurrenz zieht mit

Inzwischen setzen auch andere Reedereien – unter anderem die Aida-Schwester Costa, aber auch der Mitbewerber MSC – auf Schiffe mit Gas-Antrieb. Die norwegische Reederei Hurtigruten führte in diesem Jahr erstmals Schiffe mit einem Hybridantrieb und Akku-Speicher an Bord ein.

Multimedia-Reportage:
Auf zum größten Kreuzfahrtschiff der Welt

Die MV Werften setzen beimBau der weltweit größten Kreuzfahrtschiffe, die derzeit in Warnemünde und Wismar entstehen, auf moderne Katalysatoren und so genannte „Scrubber“. Das sind Filter, die Schadstoffe aus den Abgasen filtern.

Brennstoff-Zellen im Test

Gemeinsam mit der Meyer-Werft in Papenburg und Freudenberg Sealing Technologies will Aida nun in die „Aidanova“ auch eine Brennstoff-Zelle einbauen. „Die Räume dafür sind vorhanden, waren bereits beim Bau des Schiffes eingeplant“, so Kunze. Die Brennstoff-Zelle soll zunächst mit Ethanol oder Methanol betrieben, noch nicht aus eigenen Wasserstofftanks. „Es geht bei dem Projekt darum, den Einsatz zu erproben und zu testen.“ Die erzeugte, saubere Energie soll in das Bordnetz der „Aidanova“ eingespeist werden. „Das wird zunächst nur einen kleinen Anteil ausmachen“, sagt Kunze.

Das Projekt wird vom Bund gefördert und trägt den Titel „Pa-X-ell2“. Langfristig sei es das Ziel, Schiffe komplett mit Wasserstoff anzutreiben. Wissenschaftler werden das Projekt begleiten und überwachen. „Auch bei der Produktion des Wasserstoffs wollen wir auf regenerative Quellen setzen.“

Bildergalerie: So schön war das Auslaufen der „Aidaprima

Die schönsten Bilder von dem bisher einmaligen Besuch im Kreuzfahrthafen.

Aida-Präsident Felix Eichhorn spricht von einem „einen weiteren wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur emissionsneutralen Kreuzfahrt“. Auch die Passagiere an Bord sollen von der neuen Technologie profitieren: Brennstoffzellen sind leiser und vibrationsärmer als herkömmliche Schiffsmotoren.

Batterien für die „Aidaperla“

Bereits 2020 will die Rostocker Reederei einen riesigen Batteriespeicher in die „Aidaperla“ einbauen. Das bisher größte Batteriesystem an Bord eines Kreuzfahrtschiffes soll eine Gesamtleistung von zehn Megawattstunden bringen – und ebenfalls dazu eingesetzt werden, Abgase während der Liegezeiten zu vermeiden und den Treibstoffverbrauch an Bord zu reduzieren.

Zudem hat Aida Geld für Forschungsprojekte ausgegeben, die sich mit der Herstellung von Flüssiggas aus nachwachsenden Quellen befassen – zum Beispiel aus so genannten Biogas-Anlagen. Wie viel Aida insgesamt in die neuen, „grünen“ Technologien investiert, sagt die Reederei nicht.

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