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Wirtschaft Möbel Kraft baut in Rostock: Warum die Wirtschaft dagegen rebelliert
Mecklenburg Rostock Wirtschaft Möbel Kraft baut in Rostock: Warum die Wirtschaft dagegen rebelliert
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12:26 10.07.2019
In unmittelbarer Nachbarschaft von Ikea will die Krieger-Gruppe in den kommenden Jahren einen Möbel Kraft-Markt bauen. Quelle: OVE ARSCHOLL
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Rostock

Im Winter laufen Kinder dort Schlittschuh auf einem gefrorenen Tümpel, im Sommer gehört der Acker den Bauern. Doch mit Beidem ist bald Schluss: Nach jahrelangem Stillstand kommt nun Bewegung in die Pläne für ein neues, riesiges Möbelhaus auf einem Feld in Schutow.

Noch in diesem Jahr sollen Stadtverwaltung und Bürgerschaft Baurecht für einen neuen Möbel Kraft-Markt schaffen. Der Investor, die Krieger-Gruppe, bestätigt: „Ja, wir wollen in Schutow neu bauen“, so Expansionsleiterin Edda Metz. In der Rostocker Wirtschaft kommt diese Nachricht aber gar nicht gut an.

Krieger-Gruppe will zwei Märkte bauen

Die Fläche zwischen der Messestraße und der Bundesstraße 105 – gleich gegenüber von Ikea – gehört schon seit Jahren der Krieger-Gruppe. Zu dem Familienunternehmen gehören unter anderem die Marken Möbel Kraft, Höffner und Sconto. Nach dem schwedischen Branchenprimus Ikea ist Krieger Deutschlands zweitgrößtem Möbelhändler – mit mehr als zwei Milliarden Euro Jahresumsatz und knapp 10 000 Mitarbeitern.

Höffner, Möbel Kraft und Sconto: Diese Möbel-Häuser gehören Kurt Krieger.

In der Region Rostock ist Krieger bereits mit Höffner in Bentwisch und mit der Discount-Marke Skonto vertreten. Auch das Grundstück in Schutow gehört Krieger schon seit geraumer Zeit. Erste Pläne für ein weiteres Möbel-Haus machte die Gruppe selbst 2014 publik. Doch seitdem ruhten die Planungen – jedenfalls offiziell. Vor wenigen Tagen aber traf sich nun Krieger-Chef Kurt Krieger persönlich mit Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (UFR), Bausenator Holger Matthäus (Grüne) und Vertretern der Ämtern, um wieder Bewegung in das Thema zu bringen. Und die Entscheidung, endlich in Schutow loszulegen, ist gefallen: „Auf der Fläche soll Möbel Kraft- und ein Sconto-Markt entstehen“, sagt Krieger-Expansionschefin Metz auf Nachfrage.

Rostock will Möbelstadt werden

Offenbar sind die Vorbereitungen hinter den Kulissen bereits weiter fortgeschritten als bisher bekannt war: Noch in diesem Jahr soll für das Areal ein neuer Bebauungsplan aufgestellt werden. „Wir bereiten alles für das Offenlegen des B-Plans vor“, so Metz. Bei dem Termin mit der Rathaus-Spitze sei es bereits um konkrete Details gegangen: „Offen sind noch Fragen zu Ausgleichsflächen und zur Erschließeung“, sagt Stadtsprecher Ulrich Kunze. Doch diese Punkte sollen in den kommenden Wochen geklärt werden. Weitere Fragen – zur Größe der neuen Märkte, zum Zeitrahmen für das Vorhaben, zu neuen Arbeitsplätzen, zum Investitionsvolumen – lassen beide Seiten noch offen.

Nur so viel sagt Stadtsprecher Kunze: „Die Hansestadt hält an dem Ziel fest, die Möbelstadt im Nordosten zu werden. Dass die Krieger-Gruppe ihr Engagement ausbauen will, begrüßt die Stadtverwaltung deshalb ganz ausdrücklich.“ Der Standort Schutow sei ideal: Ikea hat sich dort bereits angesiedelt, Möbel Wikinger und weitere Händler aus der Branche. Auch die französische Sportartikel-Kette Decathlon will dort bauen. Auf einer Fläche neben dem geplanten neuen Möbel-Riesen.

IHK warnt vor Verdrängung

In der Rostocker Wirtschaft hingegen hält sich die Begeisterung darüber, dass Krieger seine Pläne nun in die Tat umsetzen will, in Grenzen. Sowohl vom Handelsverband als auch der Industrie- und Handelskammer kommt Kritik an dem Projekt: Bereits 2014 hatte das Büro „Stadt + Handel“ aus Dortmund im Auftrag der Hansestadt ein so genanntes „Branchenkonzept Möbel“ für Rostock erstellt. „Die Fachleute haben den Ist-Zustand und die Potenziale in der Hansestadt analysiert“, sagt Peter Volkmann, Leiter des Geschäftsbereichs Handel bei der IHK. Ergebnis: „Die Gutachten sagen, Rostock verträgt im Möbel-Segment maximal 16 000 zusätzliche Quadratmeter Verkaufsfläche. Die Krieger-Gruppe plant aber 33 000 Quadratmeter bei Möbel Kraft und weitere 7000 Quadratmeter bei Sconto.“ Die Befürchtung der IHK: „Es wird zu einem Verdrängungswettbewerb kommen – und unter dem werden vor allem kleine, mittelständische Händler in der Innenstadt leiden.“

Bildergalerie: Diese Möbelhäuser gibt es in Rostock

Möbelgeschäfte in Rostock von Bentwisch bis Schmarl

Das befürchtet auch der Handelsverband: Ja, Möbel Kraft werden auch mehr Kunden aus anderen Regionen des Landes nach Rostock locken. Und ebenfalls ja: Die Kaufkraft für Möbel sei in den vergangenen Jahren auch in MV gestiegen. Dann kommt das große Aber von Handelsverbands-Chef Kay-Uwe Teetz: „Erstens hat auch im Segment Möbel der Online-Handel in den vergangenen Jahren kräftig zugelegt und zweitens wird die Rostocker City von diesen zusätzlichen Kunden rein gar nichts haben.“ Wer beispielsweise aus Stralsund, Greifswald oder Wismar zum Möbel-Kauf nach Schutow fahre, wird allenfalls nochmal im Ostseepark in Sievershagen shoppen. „Aber der Kunden fährt nicht mehr in die City.“ 45 Möbel-Händler gäbe es bereits in der Hansestadt und im direkten Umland. Zusammen haben sie mehr als 100 000 Quadratmeter Verkaufsfläche. Dass die Stadt trotz der Bedenken an den Krieger-Plänen festhalte: „Wir können das nicht verstehen.“

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Andreas Meyer

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