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Wirtschaft Ist Rostock eine Billiglohn-Stadt?
Mecklenburg Rostock Wirtschaft Ist Rostock eine Billiglohn-Stadt?
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05:30 28.06.2019
In den alten Speicher am Stadthafen will die Versicherung HDI einziehen. Kommt sie nur nach Rostock, weil die Löhne im Nordosten so niedrig sind? Quelle: OVE ARSCHOLL
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Rostock

Die Freude bei Rostocks Wirtschaftslenkern war riesig – beim Wirtschaftsförderer Rostock Business, ebenso im Rathaus: Einer der größten deutschen VersicherungskonzerneTalanx aus Hannover – will an der Warnow. In der Hansestadt baut das Unternehmen sein „Servicecenter der Zukunft“ auf, schafft 200 neue Jobs. Doch was für Rostock gute Nachrichten sind, sorgt nun in Hannover für Wirbel. Denn dort baut Talanx – bekannt für seine Marke HDI – zeitgleich mehr als 350 Stellen ab. Der Vorwurf der Gewerkschaft Verdi: Talanx gehe nur nach Rostock, weil dort die Löhne viel niedriger sind als in Hannover.

Verdi: „Die Pläne sind eine Sauerei“

Jörg Reinbrecht, Landesfachbereichsleiter Finanzen im Verdi-Landesbezirk Niedersachsen/Bremen, findet deutlich Worte für die Pläne des Talanx-Konzerns in Rostock: „Im Grund sind die eine Sauerei.“ Insgesamt 930 Stellen baue die Versicherung in den kommenden zwei Jahren ab – in Hannover, in Saarbrücken, Essen und auch Stuttgart. Schon in den vergangenen Jahren habe HDI in Tochterfirmen unter Tarif bezahlt. „Aber offenbar sind selbst diese Löhne Talanx noch zu hoch. Deshalb gehen sie jetzt in eine Region, in der sie noch günstigere Arbeitskräfte zu finden hoffen.“ Er meint damit Rostock.

In der Tat liegt der Durchschnittsverdienst an der Warnow deutlich unter dem in der niedersächsischen Landeshauptstadt: Für Rostock etwa weist das Internet-Portal „Gehaltsvergleich“ einen durchschnittlichen Brutto-Monatslohn von 2689 Euro aus. In Hannover liege der Schnitt bei 3382 Euro monatlich. Verdi-Bereichsleiter Reinbrecht sagt: 150 Mitarbeitern in Hannover wurde angeboten, an die Warnow zu gehen. „Damit der Konzern Geld spart.“

Rostock Business: „Sind keine Billigstadt“

Die Kritik aus Niedersachsen – sie kommt in Rostock überhaupt nicht gut an. „Ja, vor 15 Jahren mögen die Löhne ein Argument für Firmen gewesen sein, nach Rostock zu ziehen“, sagt der Chef-Wirtschaftsförderer der Hansestadt, Christian Weiß. „Aber das hatten wir auch um die 20 Prozent Arbeitslosigkeit. Wir hatten viele Menschen, die Arbeit gesucht haben.“ Heute sei das anders: Die Arbeitslosenquote liegt im niedrigen einstelligen Prozent-Bereich, in bestimmten Branchen werden auch in Rostock Fachkräfte zur Mangelware. Die großen Werften an der Warnow etwa zahlen vielen Mitarbeitern schon mehr als im Tarifvertrag festgelegt. „Die Löhne steigen auch bei uns spürbar. Wir sind definitiv keine Billiglohn-Stadt“, schimpft Weiß.

HDI habe sich für sein neues Kundencenter Rostock ausgesucht, weil die Stadt zu den aufstrebendsten in ganz Deutschland gehöre: „Wir sind ein begehrter Standort.“ Und Firmen, die nur auf „billig“ setzen, habe die Hansestadt auch nicht mehr nötig: „Wir sind längst ein Qualitätsstandort. In Verhandlungen über Neuansiedlungen spielt das Gehalt keine Rolle mehr. Wir punkten mit Fachkräften, mit unserer Lage, mit innovativen Firmen und Forschern in den unseren Hochschulen.“

HDI weist Vorwürfe zurück

Auch HDI selbst weist die Anschuldigungen der Gewerkschaft, es würde mit den Plänen in der Hansestadt nur ums Geldsparen gehen, zurück: „Rostock ist definitiv keine Billiglohn-Stadt mehr“, sagt Talanx-Konzernsprecherin Kerstin Bartels. Als das Unternehmen nach einem Standort für sein neues Servicecenter gesucht habe, seien mehrere Standorte im Rennen gewesen: „Aber nur in Rostock haben wir all die Bedingungen vorgefunden, die wir für ein modernes, innovatives und ganz neues Arbeitskonzept in der Branche brauchten“, so Bartels. Für die Hansestadt habe zudem auch gesprochen, dass es dort noch keine anderen Versicherungen am Standort gibt – also auch keinen „Kampf um (Arbeits-)Kräfte“. „Wir bieten den Mitarbeitern in Rostock marktübliche Konditionen und eine Reihe von Zusatzleistungen.“ So sollen alle Angestellten einen Computer für daheim geschenkt bekommen.

Dass Talanx in Hannover Stellen streicht, sei aber richtig: „Es geht um 190 der 3000 Mitarbeiter in der Landeshauptstadt.“ Und ja, auch das bestätigt Bartels, den Betroffenen seien auch Jobs an anderen Standorten angeboten worden. Auch in Rostock.

Andreas Meyer

Einen der größten deutschen Versicherungskonzerne zieht es nach Rostock: Für seine Marke HDI baut die Talanx-Gruppe in der Hansestadt das Servicecenter der Zukunft auf. 200 neue Jobs sollen entstehen – und das ist nur der Anfang.

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