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Rostock Trödel oder Kostbarkeit? Rostocker Wissenschaftler ordnen Erbstücke ein
Mecklenburg Rostock Trödel oder Kostbarkeit? Rostocker Wissenschaftler ordnen Erbstücke ein
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21:04 09.10.2019
Dr. Susanne Knuth vom Kulturhistorischen Museum schätzt das Gemälde von Veronika Nitzsche ein. Quelle: Frank Hormann/ nordlicht
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Rostock

Sorgfältig betrachtet Susanne Knuth das Gemälde von Veronika Nitzsche – erst den majestätischen Watzmann am Königssee, dann die Wallfahrtskirche St. Bartholomä und zuletzt den großen dunklen Baum im Vordergrund. „Die Farben sind wirklich schön, die Malweise sehr gekonnt“, urteilt die Fachfrau vom Kulturhistorischen Museum. Nitzsches Bild ist nur eines der Erbstücke, die am Dienstag in der alten Klosteranlage von Wissenschaftlern eingeschätzt worden sind. Ein Mal im Jahr erhalten Menschen aus ganz Mecklenburg-Vorpommern dort die Chance, ihre Familienschätze vorzustellen.

„Das Bild stammt von meiner Oma. Es hing jahrelang in ihrer Wohnung“, erzählt Nitzsche. Wie genau das Gemälde in den Besitz der Familie kam, weiß die 68-Jährige nicht. Sie vermutet aber, dass es ein Hochzeitsgeschenk für ihre Großmutter war. Nach ihrem Tod übernahm Nitzsches Mutter das Bild. Nachdem diese auch verstorben ist, vererbte sie es an ihre Tochter. „Ich mag das Gemälde sehr, weiß aber nicht viel darüber. Es müsste etwa aus den 1920er Jahren stammen.“

Königssee ist beliebtes Motiv

Susanne Knuth hätte es sogar noch etwas älter geschätzt. „Schade ist, dass es keine Signatur gibt“, so die Wissenschaftlerin. Weder unten rechts im Bild, noch auf der Rückseite ließ sich ein Hinweis auf den Maler finden. „Das Motiv ist zwar sehr beliebt, aufgrund der fehlenden Signatur würde ich aber darauf schließen, dass der Künstler sogar aus der Gegend kam.“

Das Bild von Veronika Nitzsche zeigt die Wallfahrtskirche St. Bartholomä vor dem Königssee. Quelle: Frank Hormann/nordlicht

„Was ist mit dem Rahmen? Ist der noch in Ordnung“, fragt Nitzsche weiter. Vorsichtig bewegt Knuth das Bild hin und her. „Der Rahmen ist super und sehr stimmig zum Bild. Er sitzt aber etwas locker“, antwortet die Fachfrau. Das sorge für Reibung und beschädige auf lange Sicht das Gemälde. Bei dem Werk lohne es sich aber, das durch einen Fachmann ausbessern zu lassen. „Das Bild ist zwar kein Stück für ein Museum, aber schön für Liebhaber. Ich würde es an ihrer Stelle unbedingt wieder aufhängen“, rät Knuth.

Das ist auch Nitzsches Plan: „Ich wollte und würde es niemals verkaufen“, so die Rostockerin. Stattdessen wolle sie es lieber an ihre Kinder weiter vererben. Die besäßen zwar derzeit noch einen anderen Geschmack. „Vielleicht erfreuen sie sich aber später einmal daran“, sagt die Rentnerin und wickelt das Gemälde wieder behutsam ein.

Großer ideeller Wert

Gudrun Pagel brachte gleich zwei Bilder aus einer noch größeren Serie zur Einschätzung in das Kulturhistorische Museum mit. Darauf abgebildet sind maritime Motive. „Die Bilder hat mein Mann in den 1990er Jahren eines Tages von der Arbeit mitgebracht“, berichtet die 54-Jährige. Als Maurer sei er bei mehreren Haushaltsauflösungen zu jener Zeit dabei gewesen.

Gudrun Pagel mit zwei Bildern aus ihrem Besitz im Kulturhistorischen Museum Rostock. Quelle: Frank Hormann/nordlicht

Für Susanne Knuth reicht ein kurzer Blick auf die Werke, um zu sehen: „Das sind leider keine Gemälde, sondern nur Drucke. Damit sind sie nichts wert“, sagt die Wissenschaftlerin. Doch darum ging es Pagel auch nicht, sie wollte nur mehr über ihre Herkunft erfahren – zudem haben die Bilder für sie einen viel größeren ideellen Wert. „Mein Mann ist schon verstorben und seitdem ich die Bilder beim Ausmisten auf dem Dachboden entdeckt habe, würde ich sie gern als Erinnerung an ihn aufhängen.“

Geschichte von Familienschätzen

Den Erbstücken einen konkreten Wert zu geben, ist auch nicht das Anliegen des Kulturhistorischen Museums. „Unser Ziel ist es, den Familien zu helfen, mehr über ihre Schätze herauszufinden“, sagt Dörte Mulsow, die auf Keramik spezialisiert ist. Flohmarktfundstücke oder auch Reise-Mitbringsel seien daher nur ungern bei der Sprechstunde gesehen. Dennoch kämen auch immer wieder einige Menschen, die sich für den Wert ihrer Stücke interessieren und diese weiterverkaufen möchten.

Burkhard Rau weiß noch nicht genau, ob er die Gemälde seiner kürzlich verstorbenen Tante behalten möchte. Mit dem Gedanken spiele er aber schon. „Über die Herkunft weiß ich nichts. Meine Tante hat die Bilder aus Ostpreußen, wo sie ursprünglich herkommt, mitgebracht“, erzählt der 54-Jährige. Wie diese an ein Bild von einem wahrscheinlich englischen Künstler kommt, ist für Susanne Knuth ein Rätsel. Denn bei näherer Betrachtung des eines Werkes fiel ihr nicht nur die Signatur „J. K. Heath“, sondern auch die Inschrift eines Londoner Fachgeschäftes auf der Rückseite der Leinwand auf.

Der Rostocker Burkhard Rau brachte zwei Gemälde seiner kürzlich verstorbenen Tante zur Sprechstunde ins Kulturhistorische Museum mit. Quelle: Pauline Rabe

„Beide Gemälde haben leider schon bessere Zeiten gesehen“, sagt Susanne Knuth. Während das eine kleine Löcher in der Leinwand aufweist, hat das andere sogar einen Pilzbefall. Eine Restauration beider würde nach Einschätzung der Wissenschaftlerin nicht im Verhältnis zu dem Wert der Bilder stehen.

Besondere Alltagsgegenstände

Erika Genz wollte ihr Erbstück schon fast wegwerfen. Sie hat einen kleinen Löffel mit in das Kulturhistorische Museum gebracht. „Als ich ihn dann beim Aufräumen in der Hand hatte, dachte ich mir, dass er doch zu besonders aussieht, als dass man ihn einfach in den Müll tun könnte“, erzählt die 79-Jährige. Durch Zufall hätte sie dann auch noch von der Sprechstunde der Rostocker Fachleute gelesen und sich entschieden, ihn begutachten zu lassen.

Die Rostockerin Erika Genz hat einen Löffel in das Museum mitgebracht. Quelle: Pauline Rabe

„Das ist wirklich ein ganz tolles Teil“, sagt Annelen Karge, die sich unter anderem auf Hausrat spezialisiert hat. Wofür der Löffel genau benutzt worden ist, konnte die Wissenschaftlerin nicht klären, aber fest steht: Es handelt sich bei dem Erbstück um keinen normalen Speiselöffel. „Den benutzt man nicht zum Essen, dafür ist er zu schwer, die Proportionen stimmen nicht und die Verzierungen sind zu aufwendig.“

Das hat sich auch schon Genz gedacht. „Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht genau, wie der Löffel in meinen Besitz gekommen ist. Ich glaube aber, er lag immer in der Gartenlaube meiner Mutter“, so die Rentnerin. Karge vermutet, dass der Löffel im 19. Jahrhundert vielleicht für Zucker oder auch Schlagsahne verwendet worden ist. „Zu jener Zeit gab es Zucker nur in Brocken, die man erst einmal zerkleinern musste.“ Mit dem Rückteil des Löffels könnte dies gut funktionieren – das sei aber nicht mehr als nur eine Vermutung.

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Über die Autorin

Von Pauline Rabe

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