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Rostock Wo bleibt Rostocks Weltrekord?
Mecklenburg Rostock Wo bleibt Rostocks Weltrekord?
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05:00 24.01.2019
Eine mehr als 1500 Meter lange Strecke haben zahlreiche große und kleine Rostocker am 4. Juli aus Streichholzschachtel-Giebelhäusern durch die Innenstadt gelegt. Die Anerkennung als Weltrekord steht noch aus. Quelle: Johanna Hegermann
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Rostock

Das größte Jo-Jo, das schnellste Gokart mit Düsenantrieb und die größte Skulptur aus Zahnstochern – das Guinness-Buch der Weltrekorde 2019 hat auf 256 Seiten wieder Spektakuläres zu bieten. Rostock kommt darin allerdings nicht vor. Dabei hatten am 4. Juli vergangenen Jahres Hunderte Schüler und Erwachsene alles gegeben, um der Hansestadt einen Weltrekord zu sichern. Vom Neuen Markt bis zum Kröpeliner Tor legten die Rostocker eine ununterbrochene Strecke aus Streichholzschachteln, die vorher als Giebelhäuser gestaltet worden waren. Der sogenannte Schachtelmarathon war ein gefeierter Teil des Stadtjubiläums. Eine Rekordmeldung gibt es allerdings bis heute nicht.

Unterlagen wurden Anfang Oktober eingereicht

Laut Franziska Nagorny seien die notwendigen umfangreichen Unterlagen am 8. Oktober 2018 offiziell beim Guinness-Verlag eingereicht worden. Zu spät für das neue Rekord-Buch, das bereits seit September im Handel liegt. Warum die Rostocker Rekord-Bemühungen allerdings bis heute noch nicht einmal anerkannt wurden – das weiß die Chefin des Doppeljubiläumsbüros auch nicht. Nach Angaben des Londoner Guinness-Verlages könne es bis zu zwölf Wochen dauern, bis nach Eingang der Anmeldung eine Antwort kommt. Schließlich müssten dort rund 1000 Bewerbungen pro Woche gesichtet werden. Aber auch diese Frist ist bereits knapp verstrichen. Eine entsprechende OZ-Anfrage beim Verlag blieb bis gestern Abend unbeantwortet.

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Film-Dokumentation schon im Juli übergeben

Deutlich schneller als das Jubiläumsbüro hat Andreas Duerst seine Hausaufgaben gemacht. Der Inhaber des Studios 301 in Marienehe hatte mit seinem fünfköpfigen Team die Dokumentation des Schachtelmarathons übernommen. „Das war eine herausfordernde Aufgabe, die wir im Vorfeld auch mehrfach geprobt haben. Es durfte ja nichts schiefgehen“, erinnert sich Duerst. Zahlreiche Kameras waren im Einsatz, unter anderem an einem umgebauten Kinder-Fahrradanhänger, um während des Ablaufens der gelegten Strecke immer die gleiche Perspektive auf die Schachteln zu haben.

Andreas Duerst (2. v. l.) und sein Team dokumentierten den Schachtelmarathon für die Guinness-Preisrichter. Quelle: Ard Schenk

„Dazu kamen noch eine Kamera am Rolltacho der Polizei-Zeugen und die Bilder für einen Livestream im Internet“, so Duerst. Vorgabe sei eine kontinuierliche Dokumentation ohne Schnitte gewesen, um Manipulationen auszuschließen. „Der Film dauert anderthalb Stunden und wir haben ihm am 30. Juli fertig ans Jubiläumsbüro gesendet“, erklärt der Studio-Inhaber, der als Sponsor für das Stadtjubiläum auf einen Großteil des Honorars für die Dokumentation verzichtete.

1000 Meter Strecke als Voraussetzung

Ganz unentgeltlich hatten sich auch unzählige Schüler und Erwachsene am Rekordversuch beteiligt, um die notwendige Zahl kleiner Giebelhaus-Schachteln zusammenzubekommen. Die Idee dazu stammte von den Kunstlehrerinnen Antje Sell und Anja Janda. Beide holten Kollegen und Schüler mit ins Boot. Auch Ältere waren fleißig beim Basteln: Bewohner von fünf Seniorenheimen in Rostock und einem Heim in Kühlungsborn haben insgesamt 800 Schachteln für den Schachtelmarathon gestaltet.

Nachdem am stürmischen Veranstaltungstag der Wind die Aktion fast sabotiert hatte, waren alle Beteiligten stolz, als am Ende mehr als 1500 Meter Strecke zusammenkamen. Weil es bisher keinen Rekord dieser Art gibt, den die Rostocker hätten überbieten können, waren von den Guinnessbuch-Verantwortlichen mindestens 1000 Meter zusammenhängende Strecke gefordert worden.

Teil der Schachteln für den guten Zweck verkauft

Während die Anerkennung der Rostocker Rekordleistungen noch auf sich warten lässt, seien die verzierten Schachteln laut Franziska Nagorny sicher eingelagert. „Auf Anfrage werden sie als Collagen verkauft“, sagt sie. Für insgesamt sechs solcher Collagen sowie für zwei Adventskalender aus diversen Streichholzschachteln gaben die Käufer bereits mehrere hundert Euro aus, die an den Kinderschutzbund sowie den Schulverein der Borwinschule gespendet wurden. Vorbestellungen für die Schachtel-Kunstwerke lägen aber nicht vor.

Wann erhalten die Schulprojekte ihr Geld?

Ebenfalls offen ist ein Versprechen, das Roland Methling (UFR) allen kleinen Mitstreitern des Rekordversuchs gegeben hatte. Der Oberbürgermeister wollte für jede der gelegten Schachteln – immerhin über 40 000 Stück – einen Euro für Schulprojekte in der Hansestadt spenden. Ob das bereits passiert ist und wofür – auch diese Frage wurde gestern im Rathaus nicht beantwortet.

Claudia Labude-Gericke