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Rostock Wohnen in Rostock wird teurer: Warum die Wiro jetzt die Mieten erhöht
Mecklenburg Rostock

Wohnen in Rostock wird teurer: Warum die Wiro jetzt die Mieten erhöht

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11:23 25.01.2020
Die Rostocker Wohnungsgesellschaft Wiro erhöht ab April die Mieten. Quelle: OVE ARSCHOLL
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Rostock

Unliebsame Post für Wiro-Kunden: Rostocks größtes Wohnungsunternehmern erhöht die Mieten. Derzeit flattert vielen Hansestädtern Briefe ins Haus. Inhalt: Sie müssen demnächst mehr für ihre Kaltmiete hinblättern. Die Wiro begründet das mit der Pflege und Weiterentwicklung des Wohnungsbestandes sowie mit der Preissteigerung und der Mietentwicklung insgesamt.

Betroffen sind diejenigen, bei denen die jüngste Mieterhöhung drei Jahre zurück- und deren Miete innerhalb der ortsüblichen Vergleichsmiete liegt. „Die monatliche Nettokaltmiete wird maximal um zehn Euro pro Wohnung erhöht. Den Zehner schöpfen wir in vielen Fällen aber nicht voll aus“, sagt Carsten Klehn, Sprecher der kommunalen Wohnungsgesellschaft. So müsse mancher Mieter nur drei oder vier Euro mehr pro Monat einplanen. Die Wiro bleibe weit unter dem, was gesetzlich zulässig ist.

Miete soll bei Zustimmung drei Jahre konstant bleiben

Die Bescheide werden nicht zu einem Stichtag, sondern nach und nach an die Haushalte verschickt. Entsprechend unterschiedlich ist der Termin, an dem die höhere Miete erstmals fällig wird, so Klehn. Wer das sogenannte Mieterhöhungsverlangen erhält und diesem zustimmt, könne sicher sein, dass seine Miete für die kommenden drei Jahre konstant bleibt. Ausgenommen davon sind Modernisierungsumlagen. „Aber auch die halten sich bei uns im Rahmen“, so der Wiro-Sprecher.

„Mieterhöhungen in laufenden Verträgen fallen bei der Wiro immer sehr moderat aus. Sie stiegen 2019 um durchschnittlich acht Cent je Quadratmeter und Monat auf durchschnittlich 6,09 Euro“, führt Carsten Klehn aus. Wohin fließen die Mehreinnahmen? „Gemeinsam mit den Genossenschaften stabilisieren wir mit unseren Mieten die Wohnquartiere. Mieterhöhungen sind notwendig, um die Bewirtschaftung der Bestände, Modernisierungen und Neubau zu finanzieren.“

Letzteres passiert in der Möllner Straße. Hier will die Wiro in diesem Jahr mit dem Bau von 318 Wohnungen beginnen. In der Thierfelder Straße haben die Bagger den Baugrund vorbereitet, Strom- und Wasserleitungen sind verlegt. Im Herbst soll dort der Hochbau beginnen. Entstehen sollen auf dem 2,4 Hektar großen Areal bis zu 180 Wohnungen, verteilt auf Drei- und Fünfgeschosser.

WG Schiffahrt Hafen will keine Erhöhungen

Wer Mitglied der WG Schiffahrt Hafen ist, muss keine Mehrausgaben für seine Wohnung befürchten. „Unsere Politik ist es, Bestandsmieten nicht zu erhöhen“, erklärt Vorstand Roland Blank. Aktuell liege die durchschnittliche Nettokaltmiete bei 5,35 Euro.

6,12 Euro pro Quadratmeter

Der durchschnittliche Mietpreis liegt laut Mietspiegel 2019 in Rostock bei 6,12 Euro je Quadratmeter und hat sich im Vergleich zum Mietspiegel 2017 um 23 Cent erhöht. In beliebten Stadtteilen wie Stadtmitte und Kröpeliner-Tor-Vorstadt sind Quadratmeterpreise von bis zu zwölf Euro und mehr fällig.

Die WG will in diesem Jahr 19 Millionen Euro in Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen investieren und zugleich neue Bauprojekte umsetzen: Am Rosengarten sollen ab Februar die Kräne aufgebaut werden, um im März mit dem Hochbau zu beginnen. Vier fünfgeschossige Stadthäuser mit insgesamt 154 Einheiten, vornehmlich Zwei- bis Dreiraumwohnungen, sollen hier bis Ende 2022 entstehen. Blank: „Wir sind genau im Zeitplan.“

Im Spätsommer starten die Arbeiten auf dem zwölf Hektar großes Grundstück auf einer Grünfläche zwischen Bertolt-Brecht-Straße und der Straßenbahnschleife am Martin-Anderson-Nexö-Ring. Hier entsteht zunächst ein sechsgeschossiger Häuserriegel als sozialer Wohnungsbau mit 65 Wohneinheiten plus Parkhaus. Später folgen zwei Fünfgeschosser. Ab Herbst werde dann in der Südstadt gebaut, so Blank: In der Ziolkowskistraße sollen ein Fünf- und ein Sechsgeschosser ab Ende 2022 insgesamt 36 Wohnungen für Singles, Familien und Senioren bieten.  

Mieterverein mit Entwicklung auf dem Markt unzufrieden

Solche Post flattert derzeit vielen Wiro-Mietern ins Haus. Quelle: OZ

Indes nimmt die Zahl unvermieteter Wohnungen in Rostock zu – wenn auch in überschaubarem Rahmen. Von den rund 32 500 Mietobjekten im Bestand der Wiro stehen aktuell 1,4 Prozent leer. Im vergangenen Jahr waren es nur 1,25 Prozent. Bei Rostocks Wohnungsgenossenschaften fällt die Leerstandsquote noch niedriger aus: Bei den etwa 9831 Wohnungen der WG Schiffahrt Hafen liegt sie bei unter einem Prozent. Die WG Warnow berichtet von weniger als 0,5 Prozent bei knapp 3600 Wohnungen.

Rostocks Mieterverein ist mit der Entwicklung des hiesigen Mietmarktes unzufrieden. Hauptkritikpunkt: Es würden nach wie vor zu wenige Wohnungen neu gebaut. Vor allem größere Familien hätten es schwer, eine passende und bezahlbare Bleibe zu finden. Vom „angestrebten nachfragegerechten Wohnungsangebot“ könne – trotz gestiegener Leerstandsquote – in der Hansestadt jedenfalls keine Rede sein, beklagte jüngst Vereinsgeschäftsführer Kay-Uwe Glause, und prognostiziert, dass die Mieten im Vierjahreszeitraum von 2019 bis 2022 um insgesamt etwa sieben Prozent steigen könnten. Zu lösen sei das Problem nur durch Neubauprojekte, deren Umsetzung die Stadt besser als bisher unterstützen müsse, so Glause.

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Von Antje Bernstein