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Rostock Wohnungslos in Rostock: Mann sucht seit fünf Jahren eine eigene Bleibe
Mecklenburg Rostock Wohnungslos in Rostock: Mann sucht seit fünf Jahren eine eigene Bleibe
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20:00 25.08.2019
Stephan Müller (Name von der Redaktion geändert, 27) steht vor der Geschäftsstelle der Wohnungsgenossenschaft Warnow. Er sucht seit fünf Jahren eine Wohnung in Rostock. Quelle: André Horn
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Rostock

Der Traum von einem besseren Leben hat ihn nach Rostock gebracht: Vor fünf Jahren ist Stephan Müller (Name von der Redaktion geändert) aus Halle/Saale an die Ostsee gekommen, um noch einmal von vorne anzufangen. „Neue Umgebung, andere Einflüsse“, sagt der 27-Jährige. Müller war in seiner alten Heimat auf die schiefe Bahn geraten: Er war mehr als drei Jahre in Haft. „Wegen Körperverletzung, Schwarzfahren und ähnlichen Sachen.“ Doch in der Hansestadt fand er bis heute keine Wohnung.

Der Neustart misslang: Auch in Rostock musste Müller wieder ins Gefängnis. Brandstiftung. Zwei Jahre und sechs Monate. „Ich habe ein Auto angezündet“, sagt er. Als er 2017 aus der Haft entlassen wurde, kam er wieder in die Unterkunft für Wohnungslose am Hawermannweg. „Ich habe schon im Gefängnis versucht, eine Wohnung zu bekommen. Aber ich habe nie eine Antwort erhalten.“

Haftstrafen vollständig abgesessen

Im August 2018 heuerte Müller dann als Leiharbeiter bei einer Rostocker Metallbau-Firma an. Ein knappes Jahr später ist er fest übernommen worden. Wohnungsangebote hat er aber dennoch nicht bekommen, wie der junge Mann kopfschüttelnd sagt. „Ich bekomme immer die gleichen Schreiben: Sie stehen auf der Warteliste. Oder: Wir haben sie registriert. Aber es meldet sich keiner. Dabei habe ich eine Anschrift und ein monatliches Einkommen.“

Müller kann das nicht verstehen: „Ich habe meine Haftstrafen vollständig abgesessen, habe mein altes Leben komplett hinter mir gelassen und habe alles getan, um ein normales Leben zu führen.“ Ihm würde eine Ein-Raum-Wohnung reichen. Am liebsten in Lütten Klein, Innenstadt, Dierkow oder Toitenwinkel – damit der Weg zur Arbeit nicht so weit ist. „In diesen Stadtteilen gibt es viele Wohnungsangebote, da müsste genug frei sein.“

Er könne sich eine Warmmiete von bis zu 500 Euro leisten. Als Antwort bekomme er aber: „Tut uns leid. Die Wohnung ist bereits anderweitig vergeben worden“, schildert Müller.

Bessere Chancen haben wohnungslose Familien

Rolf Gauck von der Rostocker Stadtmission kennt das Problem. Die Diakonie betreibt das Integrative Betreuungszentrum am Hawermannweg. Zum geschilderten Fall könne er im Einzelnen nichts sagen. Aber: „Auch wir bekommen die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt zu spüren. Eine Wohnung für Menschen aus unserer Einrichtung zu finden, dauert heute länger“, sagt Gauck.

Beste Chancen hätten wohnungslose Familien. „Diese erhalten in der Regel sofort eine Wohnung“, so Gauck. Die Zahl der Betroffen sei in den vergangenen Jahren relativ konstant geblieben. „Nur bei den Frauen haben wir einen leichten Anstieg.“ Insgesamt gebe es in der Unterkunft im Hawermanweg 120 Plätze – um die 90 Prozent seien durchgehend belegt, schildert Gauck. Das Nachtasyl am Güterbahnhof verfüge über 30 Plätze.

Der Mann von der Stadtmission betont aber auch: „Wenn jemand gewillt ist, bekommt er in Rostock viel eher eine Miet-Wohnung als in anderen Städten, wie Hamburg, Köln oder Berlin.“

Wiro: Gefängnis-Aufenthalt spielt keine Rolle

Carsten Klehn von der Wohnungsgesellschaft Wiro sagt zu dem Fall von Stephan Müller: „Leider konnten wir hier trotz intensiver Suche bisher kein passendes Angebot unterbreiten.“ Klehn gehe aber davon aus, dass die Vermietungsabteilung der Wiro noch in diesem Jahr ein verbindliches Angebot machen könne. Er betont: „Wir behandeln alle Mieter und Mietinteressenten gleich.“

Laut Klehn erhalten bei der Wiro immer die Interessenten ein Angebot, die zu einer Wohnung passen. „Ablehnungen sind immer sachlich gerechtfertigt.“ Zum Beispiel müsse die Miete zum Einkommen passen, ebenso der früheste mögliche Einzugstermin des Interessenten zum Zeitpunkt an dem eine Wohnung bezogen werden kann. „Wir berücksichtigen außerdem die Wartezeit und haben auch eine stabile Bewohnerstruktur in einem Wohnhaus im Blick“, so Klehn.

Ein Gefängnis-Aufenthalt spiele dabei keine Rolle: „Denn wir wissen das nicht“, sagt der Wiro-Sprecher. Aus Datenschutzgründen. „Wir dürfen nur die personenbezogenen Daten des Interessenten/Mieters erheben, die zwingend benötigt werden – Kontaktdaten zum Beispiel oder die Bankverbindung.“

WG Warnow vermietet zuerst an Mitglieder

Die Wohnungsgenossenschaft WG Warnow räumt hingegen ein, dass ein Großteil der gekündigten Wohnungen aus dem Bestand direkt an Mitglieder gingen. „Sie genießen bei der Wohnungssuche Vorrang“, sagt Michael Klaschik, Abteilungsleiter des Bestandsmanagements der WG.

Ein Gefängnisaufenthalt sei kein Kriterium, um einem Interessenten einen Wohnungswunsch gänzlich zu verwehren, so Klaschik weiter. Aber: „Oftmals gehen mit diesem Aufenthalt jedoch Unsicherheiten der wirtschaftlichen Lebenssituation einher, durch die es anschließend zu keiner Wohnraumversorgung durch die WG Warnow kommt.“ Grund sei der verantwortungsvolle Umgang mit dem Eigentum der Genossenschaft sowie deren Genossenschaftsmitgliedern. Finanzieller Risiken müssen gemindert werden, so Klaschik.

Genossenschaft unterbreitet fünf Angebote

Im Fall von Müller habe die WG Warnow allerdings fünf Wohnungsangebote unterbreitet. Darauf angesprochen, antwortet der Metallbauer: „Die WG Warnow hat mir Angebote geschickt. Diese liegen aber nicht im Budget oder die Besichtigungstermine wären zu Uhrzeiten, zu denen ich arbeiten bin.“

Trotz der Schwierigkeiten würde Müller gern seinen Traum vom neuen Leben in Rostock verwirklichen. „Ich würde gern bleiben, weil ich hier eine Freundin gefunden habe und ich vielleicht demnächst Papa werde.“ Solange warte er jeden Tag auf ein passendes Angebot.

Wiro-Leerstand bei 1,25 Prozent

Die WohnungsgenossenschaftWG Warnow umfasst derzeit einen Bestand von 3555 Wohnungen mit einem Leerstand von vier Wohneinheiten zum 31. Dezember 2018.

Die Wohnungsgesellschaft Wiro hatte am Ende 2018 35 182 eigene Mietwohnungen im Bestand. Die Fluktuationsrate lag 2018 bei 9,66 Prozent. Heißt: Im vergangenen Jahr hat die WIRO circa 3500 neue Mietverträge abgeschlossen. Zum Jahreswechsel lag der Leerstand bei 1,25 Prozent.

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