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Rostock Rostock: 500 Migranten bald obdachlos?
Mecklenburg Rostock Rostock: 500 Migranten bald obdachlos?
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07:06 23.11.2018
Die Asylbewerberunterkunft in der Satower Straße in Rostock: Die Hälfte der Bewohner hat schon jetzt einen Anspruch auf eine eigene Wohnung. Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

Spätestens Mitte 2019 bekommt Rostock ein massives Problem: Wenn Bürgerschaft und Verwaltung nicht schnellstmöglich neue Unterkünfte schaffen, stehen am 1. Juli rund 500 Migranten in der Hansestadt auf der Straße. Denn Rostock muss zwei der vier Flüchtlingsunterkünfte schließen. Bereits Ende November wird jene in der Möllner Straße dichtgemacht, im Juni 2019 folgt dann die Einrichtung an der Bonhoefferstraße in Reutershagen. „Für diese Menschen müssen wir eine neue Bleibe finden. Aber das ist auf dem angespannten Wohnungsmarkt in Rostock mehr als schwierig“, sagt der zuständige Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke). Er will neue Unterkünfte bauen – nicht nur für Geflüchtete, sondern auch für Auszubildende, Studenten, Montage-Arbeiter. Aber er darf nicht.

Zahl der Flüchtlinge sinkt weiter

An der Möllner Straße in Lichtenhagen waren zu den Hochzeiten der Flüchtlingskrise 250 Personen untergebracht. „Bereits seit Jahresbeginn bringen wir dort keine neuen Menschen unter. Wir werden die verbliebenen Bewohner auf andere Unterkünfte – zum Beispiel an der Satower Straße oder in Langenort – verteilen. Einige sind auch schon aus Rostock weggezogen oder haben eigene Wohnungen gefunden“, sagt Bockhahn. Problematisch werde es aber 2019. Wenn auch die Bonhoefferstraße schließt. „Dort leben derzeit noch 120 Menschen. Hauptsächlich große Familien mit mehreren Kindern. Und für die haben wir in Rostock einfach keinen Wohnraum.“ Und die Stadtverwaltung hat derzeit auch keine Ahnung, wie sie das Problem lösen soll.

Denn die Unterkünfte einfach weiterzubetreiben, komme nicht infrage. Das will die Landesregierung nicht. Für die Gemeinschaftsunterkünfte bekommt die Hansestadt nämlich sämtliche Kosten aus Schwerin erstattet – jedenfalls für alle jene Bewohner, deren Asylverfahren noch läuft und die noch auf eine Anerkennung als Flüchtling warten. Doch die Zahl der „neuen“ Asylbewerber in der Hansestadt ist weiter rückläufig. „Wir haben aktuell deutlich weniger als 400 Personen, die noch auf einen Aufenthaltstitel warten“, sagt Bockhahn. In den Landkreisen habe das zuständige Innenministerium schon vor Monaten die Kapazitäten „dramatisch“ runtergefahren und Gemeinschaftsunterkünfte komplett schließen lassen. „Uns in Rostock ist das Land lange entgegengekommen. Wir haben die Unterkünfte deutlich länger betreiben dürfen – weil natürlich auch das zuständige Innenministerium um die Wohnungsnot in der Hansestadt weiß“, so Bockhahn. Doch nun sei Schluss.

Das ehemalige Gymnasium Reutershagen an der Bonhoefferstraße dient noch als Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber, muss aber bis Mitte 2019 geschlossen werden. Quelle: Ove Arscholl

500 Menschen warten auf Wohnungen

Die beiden Heime in Reutershagen und Lichtenhagen in städtische Regie und komplett auf städtische Rechnung zu übernehmen, sei ebenfalls nicht möglich: „In den Gemeinschaftsunterkünften sollen nur Menschen leben, die noch keine Anerkennung haben. Alle anderen haben ein Anrecht auf eine Wohnung.“ Schon jetzt müsse die Hansestadt davon Ausnahmen machen. Gut die Hälfte der 400 Bewohner in der Unterkunft Satower Straße müsste eigentlich längst aus- und in Wohnungen umgezogen sein. Insgesamt gehe es 2019 um 500 Menschen, für die eine neue Bleibe gefunden werden müsse.

Außerdem: Die Immobilie an der Möllner Straße gehört dem Landesbetrieb für Bau und Liegenschaften. Und der habe mit dem Standort andere Pläne. Wo einst die angehenden Grundschullehrer und Juristen an der Uni unterrichtet wurden, könnte ein neues Wohngebiet entstehen. „An der Bonhoefferstraße ist der Zustand der Immobilie mehr als grenzwertig“, so Bockhahn. Er spricht von schweren Mängeln und von Schimmel, der bereits das eigene Gesundheitsamt auf den Plan gerufen habe.

Senator will neu bauen

Bockhahn will nun neu bauen, um das Problem zu lösen. „Wir brauchen in Rostock Wohnheime. Mit Unterkünften, die auch für Familien groß genug und dennoch nicht allzu teuer in der Miete sind.“ Migranten mit Anspruch auf ein eigenes Zuhause will er dort unterbringen. „Aber nicht nur“, betont der Senator. Andere Städte hätten sogar gute Erfahrungen damit gemacht, diese Wohnheime auch von den Bewohnern her „zu durchmischen“: „Wir brauchen die Wohnheime auch für Studenten. Schon jetzt müssen angehende Akademiker in Wismar in Studentenheimen leben und jeden Tag an die Warnow pendeln – weil es bei uns keinen Wohnraum für sie gibt.“ Bei Auszubildenden und Fachkräften, die nur einige Monate „auf Montage“ in der Stadt, zum Beispiel auf den Werften, sind, sehe es ähnlich problematisch aus.

„Wir könnten mehrere Probleme mit diesen Projekten lösen“, sagt Bockhahn. Bei seinen Senatskollegen und auch Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) habe er das Thema mehrfach angesprochen. „Ich und meine Amtsleiter haben um Mittel und Unterstützung gebeten.“ Bisher ohne Erfolg. Dabei hat Rostock nur noch sechs Monate Zeit, um das Problem zu lösen.

Andreas Meyer

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