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Rostock Wolfsunfall bei Rostock: Jäger beobachten immer mehr Tiere
Mecklenburg Rostock Wolfsunfall bei Rostock: Jäger beobachten immer mehr Tiere
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18:13 16.05.2019
Auf einer Landstraße bei Niendorf in Mecklenburg-Vorpommern wurde am Mittwochabend ein Wolf bei einem Unfall getötet. Quelle: Stefan Tretropp
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Niendorf

Bei einem Verkehrsunfall am Mittwochabend ist auf der Landesstraße 132 zwischen Buchholz-Heide und Niendorf ein Wolf getötet worden. Der 49-jährige Fahrer des Pkw, der das aus dem Rapsfeld kommende Tier erfasst hatte, blieb unverletzt.

Das tote Tier wurde vom ehrenamtlichen Wolfsbeauftragten Thorsten Manthey am Unfallort begutachtet. Nach einer Nacht in der Kühlzelle wurde der Kadaver am Donnerstag zur weiteren Untersuchung nach Berlin zum Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung gebracht.

Auf einer Landstraße bei Niendorf in Mecklenburg-Vorpommern wurde ein Wolf bei einem Unfall getötet.

Wolfskadaver zur Untersuchung in Berlin

Hier würden Todesursache und Allgemeinzustand untersucht. „Außerdem werden Genproben genommen, um die Herkunft des Tieres zu rekonstruieren“, informiert Eva Klaußner-Ziebarth, Sprecherin des Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt. Hier wird bislang von sechs bekannten Wolfsrudeln in Mecklenburg-Vorpommern ausgegangen.

„Für weitere Gebiete mit regelmäßigen Wolfsnachweisen ist der Status noch unklar“, sagt Klaußner-Ziebarth. Ob es sich dort um territoriale Einzelwölfe oder Wolfspaare handelt, solle das kontinuierlich durchgeführte Monitoring klären. Immer wieder würden in loser Folge einzelne Tiere gesichtet, „bei denen es sich oft auch um wandernde Wölfe handelt“, so die Sprecherin.

Jungtier folgte einem Rehwechsel

Der Wolfsunfall auf der L 132 ereignete sich gegen 18.45 Uhr. „Das Tier war sofort tot“, sagt Rostocks Stadtjägermeister Manfred Wahl, der sein Jagdrevier in der Region Buchholz hat, und zur Unfallstelle gerufen wurde. Schon morgens habe ihn eine Anwohnerin angerufen, weil sie einen herumlaufenden Wolf beobachtet hatte. Wahl habe dann sofort die Umgebung abgesucht. Ohne Erfolg.

„Der Wolf ist offensichtlich ins Rapsfeld abgedriftet“, berichtet der Jäger. „Vermutlich ist er einem Rehwechsel gefolgt“, denn nahe der Unfallstelle hätte Wahl selbst nur wenige Tage zuvor einen Autounfall mit einem Rehbock gehabt.

Bei dem getöteten Wolf handle es sich um einen etwa ein- bis eineinhalbjährigen Rüde, wie Wahl informiert. Mit einer Länge von 1,50 Meter und 65 Zentimetern Risthöhe sei das Jungtier für sein Alter schon sehr groß gewesen. „Ich hätte nie geglaubt, in meinem Revier mal einen Wolf zu sehen“, sagt Wahl.

Jäger beobachtet Wolfsfamilie in Benitz

Auch für Gerhard Kusch, Vorsitzender des Kreisjagdverbandes Rostock, war es der erste echte Wolf, den er am Mittwochabend tot auf der Straße gesehen hat. Lebend habe er die Tiere jedoch schon auf Kamerabildern sogenannter Fotofallen erlebt.

In Bernitt bei Bützow wurde erst am Montag ein Wolf gesehen, der ganz gelassen durch den Ort schlenderte. Bei Stäbelow beobachteten Jäger einen Wolf, bei einer Treibjagd, in der Rostocker Heide wurden zwei Wölfe gesichtet und in seinem Eigenjagdrevier bei Benitz weiß Dr. Matthias Schwarz von einer Wölfin mit vier Jungen. „Zwei kleine habe ich im Oktober vergangenen Jahres sogar fotografiert“, berichtet Schwarz.

Kreisjagdverband: Obergrenze für Bestand festlegen

„Wir haben inzwischen überall Wölfe“, ist sich Verbandschef Kusch sicher. Die Zahl 1000 sei in Deutschland längst überschritten. Die Politik müsse reagieren und „unbedingt Obergrenzen für den Wolfsbestand festlegen“. In Frankreich mit weniger Einwohnern und mehr Territorium liegt die Höchstgrenze bei 500 Wölfen, im kaum besiedelten Schweden bei rund 300, wie Kusch sagt. „Wenn wir so weitermachen, ist die Zahl der Wölfe bald nicht mehr beherrschbar.“

OZ-Umfrage: Wie stehen Sie zum Wolf?

Jäger Schwarz macht eine einfache Rechnung auf. Von seiner sechsköpfigen Wolfsfamilie – „ein Rüde gehört ja auf jeden Fall auch noch dazu“ – würden zwei weibliche Jungtiere, Fähen, auf jeden Fall Nachwuchs bekommen. Eine Wölfin wirft zwischen vier und sechs Welpen. Da käme es schnell zur Explosion der Population.

„Ich bin ein Wolfsgegner“, stellt Schwarz klar. „Wir brauchen keinen Wolf in unserer Kultur.“ Er fordert von der Politik, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen, also zum Abschuss freizugeben.

Umweltminister in der Zwickmühle

Eine Regulierung der Wolfspopulation kommt aus rechtlichen Gründen gegenwärtig nicht in Betracht, heißt es aus dem Ministerium in Schwerin. Der Wolf ist eine streng geschützte Art und Umweltminister Till Backhaus (SPD) in der Zwickmühle.

Zum einen sehe er die Rückkehr des Wolfes als Erfolg für den Arten- und Naturschutz: „Der Wolf hat ein Recht, bei uns zu leben.“ Trotz allem müssten sichere Bedingungen für Landwirtschaft und Bevölkerung geschaffen und gegen „auffällige Wölfe“ vorgegangen werden. „Die Menschen erwarten völlig zu Recht von der Politik, dass sie ihre Sorgen ernst nimmt und handelt“, betont Backhaus.

Er fordert bundesweit einheitliche Kriterien, „um auffällige Wölfe abschießen zu können, wenn die Tiere zur Gefahr für den Menschen werden“. Das werden gesunde, wilde Wölfe nach Auffassung der Jägerschaft eigentlich nicht. „Die finden genug Nahrung in der Natur“, sagt Kreisjagdverbandschef Kusch. Aber von alten, kranken Tieren, die vom Rudel ausgestoßen würden und auf Nahrungssuche seien, könne schon eine Gefahr ausgehen.

2019 schon 16 Rissvorfälle auf Weiden in MV

Besorgt sind vor allem Landwirte, die immer wieder Wolfsrisse auf ihren Weiden zu beklagen haben. Im vergangenen Jahr gab es in MV 23 Vorfälle, mit 120 getöteten und 42 verletzten Tieren. 2019 sind bislang 16 Rissvorfälle mit insgesamt 58 getöteten und zehn verletzten Nutztieren registriert worden, bei denen ein Wolf als Verursacher festgestellt oder nicht ausgeschlossen werden konnte. Die Landwirte erhalten einen Schadensausgleich, seit 2007 wurden rund 93 000 Euro ausgezahlt. In der Zeit wurden 437 Tiere getötet und 155 verletzt, zumeist Schafe.

Backhaus setzt sich für die Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes ein, in dem geregelt ist, dass zur Abwendung erheblicher landwirtschaftlicher Schäden, auch im Falle streng geschützter Arten wie dem Wolf, Ausnahmen vom Tötungsverbot zugelassen werden können. Bislang gilt dies jedoch nur bei existenzbedrohenden Schäden, die für Hobbytierhaltungen kaum gelten.

Ruf nach klaren Regeln wird lauter

Statt von „erheblichen Schäden“ soll künftig von „ernsten Schäden“ gesprochen werden. „Im Gesetz soll deutlich werden, dass der entstandene Schaden von mehr als geringerem Umfang sein muss, eine Existenzgefährdung aber nicht voraussetzt“, erläutert Backhaus.

Der Ruf nach klaren Regeln im Umgang mit dem Wolf wird immer lauter. 14 Verbände von Landnutzern und Weidetierhaltern in MV haben erst Ende April ein gemeinsames Positionspapier verabschiedet. „Wir wollen, dass der Wolf so behandelt wird wie andere Wildtiere auch“, betont der Präsident des Bauernverbandes, Detlef Kurreck.

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