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Rostock Wünsch dir was: Rostocker dürfen bei Stadtentwicklung mitreden
Mecklenburg Rostock Wünsch dir was: Rostocker dürfen bei Stadtentwicklung mitreden
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16:24 22.11.2019
Viele Lütten Kleiner wollten beim Forum mitreden, wie sich ihr Stadtteil künftig verändern soll. Quelle: Claudia Labude-Gericke
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Rostock

Ein öffentlicher Stadtgarten für alle Generationen, Nahverkehr bis vor die Haustür, Parkgaragen und ein Hochhaus samt Schwimmbad auf dem Dach – mit zahlreichen Wunschzetteln sind die Rostocker Stadtplaner am Dienstagabend nach Hause gegangen. Rund 100 Einwohner aus dem Nordwesten der Hansestadt waren nach Lütten Klein gekommen, um gemeinsam zu überlegen, wie sich ihre Wohnviertel künftig verändern und verbessern können. Die Veranstaltung war der Auftakt dreier Bürgerforen zum Rostocker Zukunftsplan, die kommende Woche fortgesetzt werden.

„Ich freue mich wirklich über die Resonanz und die rege Beteiligung“, sagte Ralph Müller, Chef des Rostocker Stadtplanungsamtes. Er hörte interessiert zu, was bei den Teilnehmern auf den Tisch kam. „Schade, dass relativ wenig junge Leute gekommen sind“, sagte Müller. Schließlich soll Rostocks Innenverdichtung nicht nur Älteren, sondern auch Lehrlingen, Studenten oder Familien zugutekommen.

Bunte Klebepunkte zeigen Bedarfe auf

Doch das Bedauern des Rostocker Chefplaners war unnötig. In den einzelnen Arbeitsgruppen wurde auch so genug über die Ansiedlung von Kindertagesstätten, Horten oder Spielplätzen gesprochen. Mit unterschiedlich farbigen Klebepunkten markierten die Menschen, was sie sich in ihren Quartieren wünschen und wo es noch Potenzial für Wohnungsbau oder Gewerbe gibt.

Engagiert für Schmarl: Stadtteilmanagerin Monika Schmidt, Gerd Proba von Rostock Business, Ortsbeiratsvorsitzender Manfred Berger, Patrick Schmidt vom Stadtplanungsamt und Sabine Dudy (v.l.). Quelle: Claudia Labude-Gericke

„Ich bin überrascht, wie viele Ideen hier auf den Tisch kommen“, erklärte Sabine Dudy. Sie war nach Lütten Klein gekommen, obwohl sie nicht im Nordwesten, sondern in Kassebohm lebt. „Aber ich interessiere mich für die Stadt und will zu allen drei Terminen gehen. Deshalb war mir das Auftaktforum wichtig, um zu sehen, wie es überhaupt funktionieren soll“, erklärte die begeisterte Hansestädterin.

Eigene Wünsche mit den Nachbarn abgleichen

„Die bisherige Entwicklung ist doch schon so positiv, dass man stolz sein kann, in Rostock zu leben“, sagte Dudy, die ihre Anregungen für den Stadtteil Schmarl einbrachte. „Es ist doch gut, wenn sich der Blick der Bewohner auch mal mit dem von Außen mischt“, bilanzierte sie nach mehr als einer Stunde kreativen Austauschs.

Wünsche der Forumsteilnehmer für Warnemünde und Diedrichshagen Quelle: Claudia Labude-Gericke

Am Ende waren auf dem großen Plan für den Stadtteil Schmarl einige rote Klebepunkte für neue Wohnbebauung zu sehen. Die könne laut Ralph Müller auf verschiedene Weise geschehen – als Neubau, Lückenschluss, durch Aufstockung auf bestehende Häuser oder mit Anbauten, die nicht mal eigene Eingänge bräuchten, sondern auch bestehende Wohnungen vergrößern könnten. „Es gibt überall noch Möglichkeiten“, so Müller.

Der Fokus liege bei der künftigen Planung für die Hansestadt auf Innenverdichtung anstelle von Neubauten auf der sogenannten grünen Wiese. Schließlich wären allein in den vergangenen 100 Jahren für die Rostocker Stadtentwicklung rund 70 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen verloren gegangen, erklärte die Leiterin des Rostocker Umweltamtes, Dagmar Koziolek.

Weitere Verdichtung ist nicht problemfrei

Doch auch Innenverdichtung ist nicht problemfrei. Herausfordernd sei unter anderem die Frage, wohin bei der Zunahme versiegelter Flächen das Regenwasser abfließen soll, sagte Koziolek. Nicht nur deshalb war vielen Anwesenden der Erhalt ihrer Grünflächen im Viertel wichtig. Dennoch könnte auch dort noch etwas passieren, um die Aufenthaltsqualität zu steigern.

Bürgerforen zum Zukunftsplan: So geht es weiter

Das Forum für den Nordwesten war der Auftakt einer dreiteiligen Veranstaltungsreihe zum Zukunftsplan. Dabei wird über Ziele und Möglichkeiten der baulichen und grünen Innenentwicklung innerhalb der jeweiligen Ortsamtsbereiche unterrichtet und den Bürgern Gelegenheit zur Mitwirkung gegeben. Für Stadtmitte, Reutershagen, Hansaviertel, Gartenstadt/Stadtweide, KTV, Biestow, Südstadt und Brinckmansdorf gibt es ein Forum am Dienstag, 26. November, ab 18 Uhr im Rathaus, Neuer Markt 1. Interessenten für die Stadtteile Dierkow, Toitenwinkel, Gehlsdorf, Krummendorf, Hinrichsdorf, Nienhagen, Peez, Stuthof und Jürgeshof sind am Mittwoch, 27. November, ab 18 Uhr im Stadtteil- und Begegnungszentrum Toitenwinkel Mehrgenerationenhaus „T’winkelhus“, Olof-Plame-Str. 26, willkommen. Anschließend werden alle Ergebnisse der Veranstaltungen auch im Internet veröffentlicht: www.zukunftsplan-rostock.de.

Lütten Kleins Ortsbeiratsvorsitzende Gabriele Bolz regte beispielsweise an, im Fischerdorf dort, wo einmal die Baracken waren, wieder etwas anzusiedeln – Gastronomie oder Freizeitangebote seien denkbar. Die Arbeitsgruppe Groß Klein wünschte sich neben dem Iga-Gelände den sogenannten Hafenpark an der Werftallee als weitere Naherholungsfläche.

Lütten Klein fehlt nur ein Schwimmbad“

Margitta Donner und Tochter Katrin. Quelle: Claudia Labude-Gericke

Hoch hinaus will künftig Margitta Donner. „Warum soll man Häuser nur mit Wohnungen aufstocken? Lütten Klein ist ein wunderschöner Stadtteil, dem eigentlich nur ein Schwimmbad fehlt“, sagte sie. Dass so etwas möglich ist, weiß Margitta Donner von Tochter Katrin, die in Wien in einem Gebäude mit Schwimmbad auf dem Dach lebt und derzeit zu Besuch in der alten Rostocker Heimat ist.

Auf den Wohnblöcken Osloer Straße könnten sich beide eine solche Neuerung vorstellen – mit einem blauen Klebepunkt wurde die Idee verewigt. Auch bezüglich der Gastronomie empfinden Mutter und Tochter ihr Viertel noch als ausbaufähig.

Privateigentümer unterliegen nur dem Baurecht

Ralph Müller und seine Kollegen haben am Dienstag alle Notizen der Teilnehmer eingesammelt. „Die verschwinden aber nicht in der Schublade, sondern landen als Dokumentation auch auf der Internetseite des Zukunftsplans“, so der Stadtplaner. Wenn alle drei Bürgerforen vorbei sind, würden im Netz auch die Visionen der Stadtplaner veröffentlicht. Dann könnten die Rostocker sehen, wo es möglicherweise Gemeinsamkeiten gibt.

Dass alle Wünsche wahr werden, konnte Müller nämlich nicht versprechen. Gerade auf Grundstücken, die nicht der Stadt gehören, gelte Bauplanungsrecht. So könnten Privateigentümer oder Investoren andere Vorstellungen haben, als die Anwohner. Das sei dann nur durch Regelungen in den Bebauungsplänen zu steuern, sagte Müller abschließend.

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Von Claudia Labude-Gericke

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